13’900 Menschen sind im vergangenen Jahr im Kanton Zürich aus der katholischen Kirche ausgetreten. Eindrücklich ist, dass die Missbrauchskrise wie ein Brandbeschleuniger wirkte: Fast 9000 der Austritte erfolgten nach dem 12. September. Bischof Bonnemain bleibt nur der Appell ans Zusammenhalten.
Magdalena Thiele und Annalena Müller
Es ist der grösste jemals erfasste Mitgliederschwund innerhalb eines Jahres: 13’900 Kirchenaustritte im Jahr 2023. Die Mehrheit der Ausgetretenen ist weiblich und mit Schweizer Pass. Besonders stark vertreten sind neben den Altersgruppen 30 bis 39 die traditionell kirchentreuen 60-plus-Katholikinnen und -Katholiken.
Die heute veröffentlichten Zahlen zeigen den Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie deutlich. Die katholische Kirche im Kanton Zürich hat die Austrittszahlen bis zum 11. September 2023 und ab dem 12. September 2023 aufgeschlüsselt. Vor der Veröffentlichung der Pilotstudie traten im Kanton Zürich 5074 Personen aus. Nach dem 12. September wandten sich 8826 Menschen von der Kirche ab.
Auffällig ist, dass die kirchentreue Generation der über 60-Jährigen dieses Jahr die zweitgrösste Gruppe der Ausgetretenen war: 1511 Frauen und 1313 Männer traten aus der Kirche aus. Hier liegt der Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Pilotstudie besonders nahe.
Rund 1000 der der Ausgetretenen haben Gründe für ihren Austritt angegeben. Mit Abstand meistgenanntes Motiv ist die Missbrauchskrise. Als weitere Gründe wurde das Festhalten am Zölibat, der Umgang mit Frauen und die Haltung der Kirche zur Homosexualität genannt.
Das Vertrauen der Menschen in die Kirche als moralische Instanz ist verlorengegangen. Das weiss auch Bischof Joseph Marie Bonnemain. «Es ist unbestritten, dass die Missbrauchsfälle, die im Bericht der Pilotstudie dargestellt sind, bei vielen Gläubigen Konsternation und Empörung ausgelöst haben», bestätitgt Bischof Joseph Maria Bonnemain. «Beides, dass solches in der Kirche je vorgekommen ist und dass Menschen aus diesem Grund die Kirche nicht mehr als Heimat empfinden, schmerzt mich sehr».
Könnte er sie erreichen, würde er denjenigen sagen, die über einen Kirchenaustritt nachdenken, «dass die von Missbrauch Betroffenen die ersten sind, die unsere ganze Unterstützung benötigen. Jede Person, die austritt, schwächt diese Unterstützung. Gerade in der jetzigen Situation müssen wir mit vereinten Kräften eine Transformation der Kirche wagen.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/zuerich-historischer-exodus-aus-der-katholischen-kirche/