Einsiedeln feiert «seinen» Heiligen: Meinrads Leben wurde in einem ganz speziellen Buch verewigt

Am kommenden Sonntag begehen Kloster und Bezirk Einsiedeln das Fest jenes Heiligen, der am Beginn ihrer Geschichte steht: Aus der Zelle des Heiligen Meinrad (+861) entwickelten sich Kloster und Dorf Einsiedeln. Sein legendäres Leben als Heiliger wurde erstmals dokumentiert im sogenannten Blockbuch von 1466, von dem eine Ausgabe in der Einsiedler Stiftsbibliothek aufbewahrt wird. Ein Augenschein.

Wolfgang Holz

Die St.-Meinrads-Inkunabel ist eine absolute Kostbarkeit. Das Blockbuch wird in einem einfachen grauen Karton aufbewahrt. Sie ist ein Wiegendruck, wie er mit beweglichen Lettern in der Frühzeit des Buchdrucks entstanden ist.

Überraschend klein

Das Meinrads-Buch ist zudem in eine Plastikfolie gehüllt, um es vor Temperatureinflüssen und Feuchtigkeit zu schützen. Die Ausmasse der Inkunabel sind überraschend klein, und sie hat einen weissen Deckel.

Die St.-Meinrads-Inkunabel zählt zu den 1280 Handschriften, über 1100 Inkunabeln und Frühdrucken sowie weiteren zirka 230’000 Bänden aus allen Wissensgebieten, welche die Stiftsbibliothek umfasst. Als Blockbücher bezeichnet man Bücher, die zirka zwischen 1440 und 1530 in der Holzschnitttechnik hergestellt wurden.

Über 100 Blockbücher

Dabei wurden auf einem geglätteten Holzblock Zeichnung und/oder Text spiegelbildlich herausgearbeitet. Blockbücher bestehen meist aus beschrifteten Bilderfolgen religiösen oder profanen Inhalts. Die über 100 bekannten Blockbücher sind meist nur in einem oder sehr wenigen vollständigen Exemplaren erhalten.

Der «Meister der Meinradlegende» erhielt seinen Notnamen nach den von ihm erstellten Vorlagen für die 64 Illustrationen einer 1466 in Basel als Blockbuch gedruckten Ausgabe der Meinradlegende. Diese erste Ausgabe ist nicht erhalten geblieben. Jedoch sind zwei folgende Ausgaben, eine lateinische und eine deutsche aus dem Kloster Einsiedeln und der Münchner Hofbibliothek erhalten.

Farben noch sehr frisch

Die Farben der Bilder im Meinrad-Blockbuch wirken noch sehr frisch. Es fällt auf, dass die Bildsequenzen, in denen der Einsiedler Heilige von den zwei Verbrechern Peter und Richart erschlagen wird sowie die grausamen Hinrichtungsszenen der beiden Mörder in Zürich besonders anschaulich dargestellt sind – wie in einem mittelalterlichen Krimi. Die Kombination Bild-Text erinnert an die populäre Comic-Form.


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