Wegen Kinderpornografie verurteilte ein Gericht einen reformierten Pfarrer 2013 zu einer Haftstrafe. Doch auch während der Therapie konsumierte der Mann illegale Pornos und verschickte Briefe an Minderjährige. Weil bis jetzt keine Verbesserung erkennbar ist, haben die Behörden seine Freilassung angeordnet.
Jahrelang hat ein Aargauer exzessiv Kinderpornografie konsumiert – teilweise bis zu acht Stunden täglich. Zugleich arbeitete der Mann von 2000 bis 2013 in reformierten Kirchgemeinden im Aargau als Pfarrer-Stellvertreter und war in Bern und St. Gallen auch als Seelsorger tätig. Das berichten «20min.ch» und die «Aargauer Zeitung».
2013 verurteilte ihn das Kreisgericht Toggenburg zu einer unbedingten einjährigen Freiheitsstrafe, die zugunsten einer ambulanten therapeutischen Massnahme aufgeschoben wurde. Nach dreieinhalb Jahren und positiven Therapieberichten hob der Kanton St. Gallen die Massnahmen gegen den Mann dann wieder auf.
Tatsächlich machte der Pfarrer aber genau so weiter wie zuvor und konsumierte auch in der Zeit, in der er an Therapiesitzungen teilnahm, illegale Pornos. 2018 verurteilte das Bezirksgericht den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Diese Haftstrafe wurde zugunsten einer stationären psychiatrischen Behandlung aufgeschoben. Von dort aus schrieb er einen Brief mit pornografischen Inhalten an eine 15-Jährige – und wurde dafür ebenfalls verurteilt.
2023 endeten dann die fünf Jahre, für die das Bezirksgericht die stationäre Massnahme verhängt hatte. Bereits im Vorfeld beantragte der Aargauer Justizvollzug eine Verlängerung um zwei Jahre, wogegen sich der Mann ebenfalls wehrte. Nun hat die Beschwerdekammer des Obergerichts verfügt: der Mann sei sofort zu entlassen.
Grund: «Das Risiko, dass der Pfarrer weiterhin Kinderpornografie konsumiert, lässt sich nicht annähernd ausschalten, sondern höchstens leicht reduzieren», schrieb etwa eine Gutachterin im Mai 2022. Auch das Gericht fürchtet, dass der Mann «auch in Zukunft in einem nicht zu prognostizierenden Ausmass Kinderpornografie konsumieren» werde. Die Verlängerung der stationären Massnahme wurde deshalb abgelehnt. (woz)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant