Dem deutschen Priester Thomas Jäger wird vorgeworfen, ein Kind missbraucht zu haben. Heute fand der Prozess gegen ihn in Vaduz statt – doch er erschien nicht. In einem Schreiben prangert er die liechtensteinische Justiz an, ihre Vorgangsweise sei «unsäglich».
Jacqueline Straub
Nach nur drei Minuten war der Prozess gegen den ehemaligen Pfarrer aus Ruggell, Thomas Jäger, beim Landgericht Vaduz vorbei. Da er nicht erschienen ist, wurde die Gerichtsverhandlung bis auf Weiteres vertagt.
Dem Priester wird vorgeworfen, dass er am 24. Oktober 2019 ein damals 8-jähriges Mädchen nach dem Ministrantenunterricht, mit dem Vorwand, ihr ein Büchlein schenken zu wollen, ins Pfarrhaus gelockt zu haben. In seinem «Entspannungsraum» sollte sich das Kind auf ein Massagebett legen. Er soll ihr das T-Shirt hochgezogen und im Brustbereich mit einem Öl massiert haben.
Auch wenn Thomas Jäger nicht vor Gericht erschien, liess er den Anwesenden eine Stellungnahme zukommen.
Darin präsentiert er sich als Opfer der Justiz. «Seit nunmehr über vier Jahre werde ich als katholischer Priester von der liechtensteinischen Justiz aufgrund unterschiedlicher Vorwürfe, darunter sogar – man kann es nicht ausdenken – Rassenhass terrorisiert.»
Bei der Hausdurchsuchung fanden IT-Spezialisten auf dem Laptop und dem Handy von Thomas Jäger verdächtige Dateien – 196 Hinweise auf Kinderpornografie. Ebenso fanden die Ermittlerinnen und Ermittler «Mein Kampf» von Adolf Hitler und eine Adresse-Liste von inländischen Neonazis.
Und beim ersten Verhör von Thomas Jäger räumt er ein, Internetseiten – auch mit kinderpornographischem Inhalt – aufgerufen zu haben. Später widerruft er diese Aussage.
In seinem Schreiben an die dem Prozess Beiwohnenden behauptet Jäger «nicht ordentlich geladen» gewesen zu sein. «Die Zustellung ist grundsätzlich meines Erachtens nicht korrekt erfolgt, da diese über den diplomatischen Weg über das Aussenamt und die deutsche Botschaft in Bern hätte geführt werden.» Der Richter hielt bei Prozesseröffnung fest, dass die Ladung zur Gerichtsverhandlung gesetzmässig an Thomas Jäger zugestellt wurde.
Die «mangelhafte Zustellung» sei aber ein zweitrangiges Problem. Vielmehr schlimmer sei die «unsägliche Vorgangsweise der Justiz in Liechtenstein», so Jäger.
Er betont, dass die Anklageerhebung bereits im Februar 2020 «rechtskräftig» eingestellt wurde. Es stimmt, dass er wegen des Besitzes von Kinderpornografie freigesprochen wurde. Dennoch besteht bis heute ein Berufsverbot gegen Jäger. Dieser legte dagegen sogar Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein – und wurde abgelehnt.
Er kritisiert auch, dass es eine Verhandlung gibt, «ohne dass die Zeugnisfähigkeit des angeblichen Opfers sachverständig festgestellt wird», so Jäger in seinem Schreiben. Und er behauptet, dass DNA-Spurenauswertungsberichte und rechtsmedizinische Protokolle «unbekannt verschollen» seien.
In einem «normalen» rechtsstaatlichen Verfahren in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wäre das Ergebnis rasch vorhersagbar, so Jäger und es hätte «gar keine Anklageerhebung gegeben». Jeder Jurist in und ausserhalb Liechtenstein müsse sich «fremdschämen».
Der Priester geht davon aus, dass das Verfahren an die deutsche Staatsanwaltschaft übergeben wird. Er habe der deutschen Justizbehörde «uneingeschränkte Kooperation zugesagt».
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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