Bischof Charles Morerod weint: Ex-Bischof Bernard Genoud soll 19-Jährige missbraucht haben

Es war nicht zu übersehen, wie ihn dieser Missbrauchsfall mitnimmt: Bischof Charles Morerod vom Bistum Lausanne, Genf und Freibug hat bekannt gegeben, dass eine junge Frau durch seinen Vorgänger, Bischof Bernard Genoud, sexuell missbraucht worden sein soll. Gegen Genoud kann kein strafrechtliches Verfahren mehr eingeleitet werden – er ist 2010 verstorben.

Wolfgang Holz

Am Ende seiner Ausführungen kamen ihm die Tränen: Bischof Charles Morerod hat dieser Missbrauchsfall sichtlich schockiert. «Es ist heute kein einfacher Tag für mich.» Kein Wunder. «Er war ein Freund für mich», bekannte der Bischof des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg vor zahlreichen Journalisten während der Pressekonferenz am Montagmorgen.

Die Rede ist von Bernard Genoud, seinem Vorgänger im Bischofsamt. Laut der Zeugenaussage einer Frau, die sich am 1. Dezember 2023 bei Charles Morerod gemeldet hat, soll Genoud sie sexuell missbraucht haben. Die junge Frau war 19 Jahre alt und eine Schülerin am Collège du Sud in Bulle.

Besonders gravierend erscheint: Sie hatte dem Priester, der mit ihren Eltern befreundet war, anvertraut, dass sie in ihrer Kindheit missbraucht sei. Offenbar von nicht klerikalen Personen. Sie sei in einem sehr fragilen Zustand, so Morerod. Diesen Schritt zu gehen und über ihren sexuellen Missbrauch zu sprechen, sei ein sehr schmerzhafter Schritt für sie gewesen.

Wiederholt sexuelle Handlungen

Die damals 19-Jährige sagte in ihrer Zeugenaussage gegenüber Bischof Charles Morerod aus, dass sie in dieser Beziehung der Einflussnahme und Abhängigkeit wiederholt sexuelle Handlungen von diesem Priester und Lehrer erlitten hatte.

In welcher Form dieser sexuelle Missbrauch stattfand, darauf wollte Bischof Charles Morerod aus Gründen des Opferschutzes nicht eingehen. Durch ihre Aussage bei Bischof Charles Morerod hat sich die Frau nachträglich nach eigenen Angaben von einer schweren Last befreit.

«Ein Akt, der sehr wichtig für Missbrauchsopfer ist, damit sie sich ihrer Opferrolle bewusst werden und sich nachträglich von ihrem Schicksal befreien können», sagte Marie-Jo Aeby von der Organisation Sapec, die an der Pressekonferenz per Video zugeschaltet war.

Was seinen ehemaligen Freund anbelangt, hat Bischof Charles Morerod es immer sehr sympathisch gefunden, dass Bernard Genoud als Lehrer ein natürliches und sympathisches Verhältnis zu seinen Schülerinnen und Schülern gehabt habe.

Bischof von 1999 bis 2010

Bernard Genoud wurde 1968 zum Preister geweiht und unterrichtete von 1976 bis 1994 am Collège du Sud sowie von 1975 bis 2006 an der Ecole de la Foi in Freiburg. Er lehrte und war darüber hinaus Seelsorger am kantonalen Lehrerseminar von 1972 bis 1975 sowie am Kollegium St. Michael von 1975 bis 1977. Ebenso war er tätig an der Volkshochschule des Kantons Freibourg von 1976 bis 1994 als auch an der Universität Freiburg von 1996 bis 1999. Von 1999 bis 2010 war Bernard Genoud Diözesanbischof.

«Bernard Genoud ist nicht mehr hier, um sich erklären zu können», sagte Bischof Charles Morerod. Aber es sei die Aufgabe der Kirche, das Leiden der Opfer nicht unbeantwortet zu lassen. «Die Frau, die ich anhörte, litt enorm unter dem jahrelangen Schweigen, das sie bewahren musste», so Morerod. «Es ist möglich, dass auch andere Personen unter der Last unerträglichen Schweigens zutiefst leiden.» Er lädt deshalb andere Missbrauchsopfer ein, ebenfalls eine Aussage zu machen. 

Betroffene können die Kommission zur Anhörung von Opfern sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Umfeld (CASCE) anrufen: +41 79 387 21 82 oder die unabhängige Kommission «Ecoute-Conciliation-Arbitrage-Réparation» (CECAR): +41 77 409 42 62 (Info des Bistums LGF).


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