Die Bischöfe sollen das partnerschaftliche Leben von kirchlichen Mitarbeitenden als Privatsache betrachten. Herbert Gut ermuntert Felix Gmür, sich mit dieser Forderung der RKZ auseinanderzusetzen. Gmür habe in der aktuellen Krise die Chance, als Basler Bischof in die Geschichte einzugehen, der «viel Wertvolles» getan habe für die Kirche in Sachen Prävention und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, schreibt Gut in seinem Gastkommentar.
Herbert Gut*
Von Woche zu Woche schlägt Bischof Felix Gmür einen anderen Ton an in seiner Reaktion auf den Entscheid und die Forderungen der Luzerner Synode. Am 13. November schrieb Bischof Felix einen geharnischten Brief in trotzigem und autoritärem Ton an die Luzerner Synodenmitglieder: «Mein Vorgesetzter ist der Papst und sonst niemand. Die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern hat von mir darum weder eine einseitig bestimmte Berichterstattungspflicht zu erwarten noch einseitig festgelegte Fristen aufzuerlegen.»
In einem Brief vom 24. November an alle Seelsorgenden des Bistums Basel zeigt sich Bischof Felix Gmür als gesprächsbereiter Seelsorger auf Augenhöhe: «Ich anerkenne die Sorge der Menschen in der Luzerner Synode um unsere Kirche und sehe dies als ihren Weg, sich Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen… Ich danke Ihnen, dass wir gemeinsam und achtsam unterwegs sind.»
Was Bischof Felix Gmür in allen Variationen vermeidet: Er geht nie wirklich inhaltlich ein auf den vierten der vier Punkte der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), der Dachvereinigung der kantonalen Landeskirchen, die zur Vernehmlassung an die Landeskirchen geschickt worden sind.
In diesem vierten Punkt der RKZ wird gefordert, dass die schweizerischen Bischöfe – wie es die deutschen Kollegen bereits im November 2022 entschieden haben – bei Anstellungen von kirchlichen Mitarbeitenden nicht mehr die veraltete Sexualmoral der Katholischen Kirche anwenden sollen.
Die RKZ und die Luzerner Synode sehen das bischöfliche Festhalten an dieser veralteten Sexualmoral in Theorie und Praxis als einer der systemischen Ursachen für die sexuellen Missbräuche an. Auf die Forderung der Luzerner Synode zu diesem Punkt, antwortet Bischof Felix Gmür stereotyp: «Ich kann als Bischof die Sexualmoral der Kirche nicht ändern.»
Dies ist jedoch nur teilweise korrekt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er seit Jahren davon spricht, dass er mit anderen Bischöfen aus der Schweiz und vor allem aus Deutschland im Gespräch ist, wie man kirchliche Reformthemen vorwärts bringen und zum Beispiel diese von der weltweiten Kirche vorgeschriebene Diskriminierung von homosexuellen und wiederverheirateten Menschen bei Anstellungen überwinden kann.
Aufgrund der Forderung der Luzerner Synode (abgeleitet vom 4. Punkt der RKZ) stellen sich folgende Fragen, denen Bischof Felix Gmür nicht länger ausweichen kann:
Bekannt ist, dass sich die deutschen Bischöfe mitunter zu ihrem «Glück» gezwungen sahen, nicht zuletzt aufgrund von Gerichtsurteilen des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Katholische Kirche in Sachen arbeitsrechtlicher Diskriminierungen.
Ich hoffe sehr, dass Bischof Felix Gmür die Chance erkennt, dass er und andere Bischöfe sich mit Hilfe und Unterstützung der Landeskirchen und der RKZ ein gutes Stück befreien können von den Vorgaben der veralteten Sexualmoral der weltweiten Katholischen Kirche, zumindest in arbeitsrechtlicher Hinsicht.
Das Beharren der staatskirchenrechtlichen Seite auf diskriminierungsfreien Anstellungen gemäss Bundesverfassung und kantonalen Personalgesetzen ist für die Bischöfe ein regelrechter Steilpass, den sie dankbar annehmen sollten.
Bischof Felix Gmür hat in dieser grossen Krise die Chance, als Basler Bischof in die Geschichte einzugehen, der – nebst Fehlern – viel Wertvolles getan hat für unsere Kirche in Sachen Prävention und Aufarbeitung im Bereich der sexuellen Missbräuche und deren systemischer Ursachen.
Mit allen Betroffenen von spirituellem und sexuellem Missbrauch würde ich mich sehr freuen über diese konkretisierte Achtung der persönlichen Integrität im Raum der Katholischen Kirche.
*Herbert Gut ist Theologe und Seelsorger. Er leitet die Pfarrei St. Johannes in Luzern.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/herbert-gut-ich-hoffe-sehr-dass-bischof-felix-gmuer-die-chance-erkennt/