St. Galler Missbrauchs-Fall E. M.: Georg Schmucki will sein Vorgehen im Fachgremium analysieren

Jüngst sorgte der Fall E. M., Priester im Bistum St. Gallen, für Schlagzeilen. Ab 2002 befasste sich das soeben gegründete Fachgremium des Bistums wiederholt mit Meldungen zu mutmasslichen sexuellen Übergriffen von E. M. – und lief mit seinen Empfehlungen, dagegen vorzugehen, bei den Bischöfen auf. Georg Schmucki (81), ehemaliges Mitglied, will nun das Vorgehen des Gremiums unter die Lupe nehmen.

Barbara Ludwig

Das Bistum St. Gallen richtete 2002 als erste Schweizer Diözese ein Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe ein. Zu den ersten Fällen, mit denen sich das Fachgremium zu befassen hatte, zählte auch der Fall E. M. Dies ist nachzulesen in der Pilotstudie zur Geschichte des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche der Schweiz, die Forscherinnen der Universität Zürich am 12. September veröffentlichten.

Der Bericht der Forscherinnen dokumentiert Meldungen zu mutmasslichen Übergriffen durch E. M., die beim neu gegründeten Fachgremium eingingen. Und er dokumentiert auch, wie das Fachgremium sowie die Bischöfe Ivo Fürer (1995-2005) und Markus Büchel (ab 2005) damit umgingen. Das Fazit: Obwohl das Gremium Ivo Fürer wiederholt zum Handeln aufforderte, blieb dieser untätig. Erst sein Nachfolger versetzte den Geistlichen 2012 in ein Kloster. Aber auch unter ihm durfte E. M. weiterhin in verschiedenen Gemeinden als Seelsorger tätig sein.

Pfarrer und drei externe Fachfrauen

Mitglied des Fachgremiums gegen sexuelle Übergriffe war damals unter anderen Georg Schmucki (81), damals Pfarrer in Uzwil SG. Zu seinem Team gehörten drei externe Fachfrauen, wie das Ostschweizer Kulturmagazin «Saiten» in seiner November-Ausgabe berichtet: Edith Brunner, Juristin und ehemalige Präsidentin der Opferhilfe St. Gallen-Appenzell, die Theologin Yvonne Steiner und die ehemalige Sozialarbeiterin Margrit Giger. Schmucki hatte demnach als Mann der ersten Stunde selber dafür gesorgt, dass er sich nicht alleine um Meldungen im Zusammenhang mit Missbrauch kümmern musste.

Schlaflose Nächte wegen Fall E. M.

Georg Schmucki, Pfarrer im Ruhestand, war 16 Jahre lang für das Fachgremium tätig. Heute – nach der Publikation der Pilotstudie – beschäftigt ihn die Frage, ob das Fachgremium im Fall E. M. alles richtig gemacht habe. Er habe deswegen «einige schlaflose Nächte» gehabt, bekennt er im Interview mit dem Kulturmagazin.

Gemeinsam mit den ehemaligen Kolleginnen vom Fachgremium habe er um Einsicht «in unsere Protokolle von damals» ersucht. «Wir wollen nicht das Vorgehen des damaligen Bischofs Ivo analysieren, sondern einzig, ob unser Gremium angesichts des damaligen Wissensstands richtig gehandelt hat oder ob es zum Beispiel hartnäckiger weiterführende Massnahmen hätte fordern sollen», sagt Schmucki.

Braucht das Fachgremium mehr Kompetenzen?

Verschiedene Fragen treiben den Priester um: Hätte man den Fall E. M. zur Anzeige bringen sollen? Warum hat man nicht aktiver nach weiteren Opfern gesucht? Georg Schmucki will auch wissen, ob es genügt, wenn das Fachgremium lediglich beratenden Charakter hat.

Das ehemalige Team hat laut Schmucki bereits Einsicht nehmen können in die Protokolle zum Fall E. M. Man werde diese auswerten und die Erkenntnisse im November mit dem aktuellen Fachgremium teilen, sagt er gegenüber dem Kulturmagazin. «Wir werden dann auch besprechen, ob die Statuten des Fachgremiums aus heutiger Sicht noch stimmig sind oder ob ihm durch den Bischof mehr Kompetenzen eingeräumt werden sollen. Vielleicht sollte das Gremium mehr als nur eine beratende Funktion erhalten.»


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