Christliches Krankenhaus in Gaza bombardiert: Bis zu 500 Todesopfer

Israel und Hamas beschuldigen sich gegenseitig. Fakt ist: Bei der Bombardierung des anglikanischen Krankenhauses in Gaza gab es viele Todesopfer. Die anglikanische Kirche spricht von «Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

Das einzige christliche Krankenhaus im Gazastreifen, das Al-Ahli-Arab-Krankenhaus in Gaza, ist laut Medienberichten erneut Ziel eines israelischen Luftangriffs geworden. Mehrere Menschen seien dabei getötet worden, berichtet am Dienstagabend die Zeitung «Haaretz» unter Berufung auf die Hamas und den anglikanischen Erzbischof von Jerusalem, Husam Elias Naoum. Die Klinik wird von der anglikanischen Diözese Jerusalem getragen.

Viele Todesopfer

Der Generalsekretär des Jerusalem Inter-Church Center, Yousef Daher, sprach auf Facebook von 200 bis 300 Todesopfern. «Das ist ungeheuerlich», so Daher. Er warf dem Westen vor, in Gaza «Kriegsverbrechen» zu unterstützen. «Auf dem ein oder anderen Wege, werden alle den Preis dafür zahlen», sagte Daher. SRF berichtet am Mittwochmorgen von bis zu 500 Todesopfern.

Das israelische Militär kündigte laut Medienberichten an, den Vorfall überprüfen zu lassen. Allerdings erscheine die angegebene Opferzahl so kurz nach dem Angriff unwahrscheinlich hoch, erklärte demnach ein Armeesprecher. Es gebe viele Falschmeldungen von Seiten der Hamas über Angriffe. Lauf SRF gehe Israel von einer geringen Zahl Toter aus, da die Rakete vor allem auf einem Parkplatz eingeschlagen sei.

Krankenhaus massiv überbelegt

Gesichert scheint zu sein, dass das Al-Ahil-Spital in Gaza-Stadt seit Tagen stark überbelegt war, da sich viele Verletzte der isrealischen Bombardements dorthin begeben hatten. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas kündigte nach Angaben der Nachrichtenagentur Wafa eine dreitägige Staatstrauer an.

Das Al-Ahli-Arab-Krankenhaus war bereits am vergangenen Samstag bei einem Luftangriff beschädigt worden. Dabei wurden nach Angaben der anglikanischen Kirche vier Menschen verletzt. Unter anderen wurden der Ultraschall- und der Mammografieraum beschädigt. In einem früheren Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur erklärte die Krankenhausdirektorin Suhaila Tarazi, das Haus «basiert auf unserem christlichen Glauben und der Nächstenliebe». Die Mehrheit des Personals und der Patienten sind Muslime, nicht zu diskriminieren sei Teil der Mission und Vision.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Die anglikanische Kirche in Jerusalem spricht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. «Krankenhäuser sind nach den Grundsätzen des humanitären Völkerrechts Heiligtümer, doch dieser Angriff hat diese heiligen Grenzen überschritten», heisst es in einer Stellungnahme des anglikanischen Bistums Jerusalem von Dienstagnacht.

Die Anglikaner verurteilten «diesen grausamen Angriff, der sich im Herzen des Gazastreifens» ereignet habe, wo es weiterhin keine sicheren Zufluchtsorte gebe. Die Kirche rief die internationale Gemeinschaft dringend auf, «ihrer Pflicht zum Schutz der Zivilbevölkerung nachzukommen und dafür zu sorgen, dass sich solche unmenschlichen und schrecklichen Taten nicht wiederholen»

Auch der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker Türk geht davon aus, dass bei einer durch Beschuss ausgelösten Explosion mehrere hundert Menschen getötet wurden. Israel und die radikalislamische Hamas geben sich gegenseitig die Schuld für den Angriff. (kna/ am)


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