Bistümer erhalten neue Hinweise auf mutmassliche Übergriffe

Vor dreieinhalb Wochen ist die Missbrauchsstudie erschienen. Seither erhalten die Schweizer Bistümer neue Hinweise auf mutmassliche Übergriffe. Insgesamt sind in fünf von sechs Diözesen rund 40 Meldungen eingegangen.

Barbara Ludwig

Im Bistum Basel, dem grössten der Schweiz, sind 13 Meldungen zu sexuellen Übergriffen eingegangen. Das teilt die Kommunikationsverantwortliche Barbara Melzl auf Anfrage mit. Bei fast allen Meldungen liegt der mutmassliche Übergriff mehrere Jahrzehnte zurück. Neun mutmassliche Übergriffe lägen zirka 40 bis 80 Jahre zurück, drei zirka 10 bis 20 Jahre, so Melzl.

Abklärungen laufen

Eine Meldung betrifft laut der Kommunikationsverantwortlichen einen Vorfall der jüngeren Vergangenheit. «Eine einzige Meldung aus den letzten zehn Jahren wurde hinsichtlich Einreichung Strafanzeige abgeklärt, hier wurde schriftlich bestätigt, dass es sich nicht um einen sexuellen Übergriff gehandelt hat», so Melzl. Die anderen Meldungen und Anfragen seien nun Gegenstand von laufenden Abklärungen.

Elf Meldungen in Chur

Im Bistum Chur sind elf Meldungen eingegangen. «Von diesen elf Meldungen kamen acht von Direktbetroffenen», teilt die Kommunikationsverantwortliche Nicole Büchel auf Anfrage mit.

Sieben bis acht Meldungen in St. Gallen

Das Bistum St. Gallen hat seit der Publikation der Missbrauchsstudie sieben bis acht Meldungen erhalten, die «allenfalls neue Hinweise auf sexuelle Übergriffe geben», wie Isabella Awad von der Kommunikation mitteilt. Welche Zeiträume die Vorkommnisse betreffen, konnte das zuständige Fachgremium bisher noch nicht in allen Fällen klären, so Awad auf Anfrage.

Sie präzisiert: «Bisher sind beim Fachgremium keine neuen Vorwürfe gemeldet worden, die einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft bedürfen. Sollte dies nach weiteren Abklärungen der Fall sein, wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.»

Fünf Meldungen in Sitten

Das Bistum Sitten hat fünf neue Meldungen erhalten, wie Claude Bumann mitteilt. Bumann ist Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Diözese Sitten. Die Hinweise kamen in vier Fällen von einer Drittperson mit engem Kontakt zur betroffenen Person und in einem Fall von einer direkt betroffenen Person. «Nach heutigem Kenntnisstand liegen alle neu eingegangenen Fälle mehrere Jahrzehnte zurück», so Bumann.

Bei einem der Fälle handle es sich um einen Antrag auf Wiederaufnahme eines im Ausland laufenden Verfahrens, teilt Bumann weiter mit. In einem weiteren Fall sei die Kommission örtlich und sachlich nicht zuständig. Laut dem Präsidenten des Fachgremiums wurde in einem Fall in den vergangenen Tagen eine erste Anhörung durchgeführt. Bei einem weiteren Fall werde es in den nächsten Wochen zu einer Anhörung kommen.

Zwei Meldungen in Lugano

Im Bistum Lugano sind zwei Meldungen eingegangen. Eine von einer direktbetroffenen Person, teilt Sprecher Luca Montagner mit. Die zweite Meldung sei als anonymer Brief eingegangen.

Vom Bistum Lausanne-Genf-Freiburg waren auf Anfrage bislang keine Informationen zu allfälligen Meldungen erhältlich.


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