Die Weltbischofsynode ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um diplomatische Fäden zu spinnen und Hintergrundgespräche zu führen. Der Basler Bischof Felix Gmür nutzt die Zeit in Rom, um mit Staatssekretär Pietro Parolin zu sprechen. Es geht vermutlich um das nationale Strafgericht, das in der Schweiz für Missbrauchsfälle eingeführt werden soll. Und er trifft wahrscheinlich den Papst.
Charles Martig
Insider des Vatikans berichten von informellen Gesprächen zwischen Bischof Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), und Kardinal Pietro Parolin. Dieser ist die rechte Hand von Papst Franziskus und als Staatssekretär des Vatikans verantwortlich für internationale Beziehungen.
Der Vorschlag zur Einrichtung eines nationalen kirchenrechtlichen Strafgerichts für die Schweiz hat in den vergangenen Tagen aufhorchen lassen. Sowohl der Churer Bischof Joseph Bonnemain als auch Felix Gmür haben diese Idee öffentlichkeitswirksam lanciert. Jetzt werden im Vatikan offensichtlich die Grundlagen dafür gelegt.
Felix Gmür ist gemäss gut informierten Quellen auch in Kontakt mit Bischof Georg Bätzing. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist für die Frage des Strafgerichts ein wichtiger Ansprechpartner. Die Deutsche Bischofskonferenz verfolgt bereits seit vier Jahren die Einführung eines nationalen Strafgerichts. Der Vatikan hat dafür bereits grünes Licht gegeben.
Die Erfahrungen von Bätzing in den Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der Deutschen Bischofskonferenz sind für Gmür sehr wertvoll. Deutschland hat vorgemacht, dass eine nationale kirchenrechtliche Strafgerichtsbarkeit durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Auch wenn es nicht so schnell geht, wie erwartet.
In Frankreich ist ein kirchliches Strafgericht bereits eingeführt. Dieses Gericht existiert seit Dezember 2022. Also kann Felix Gmür auch bei seinem französischen Amtsbruder andocken und von ersten Erfahrungen mit der neuen Gerichtsbarkeit profitieren.
Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten, sagte am 2. Oktober gegenüber cath.ch: «Bischof Gmür ist während der Synode über die Synodalität Delegierter für die SBK und wird den ganzen Oktober in Rom sein. Er wird diese Gelegenheit nutzen, um Kontakte und Verbindungen zu knüpfen. Wahrscheinlich wird er sich zu diesem Zweck mit dem Papst treffen.»
Insider berichten, dass Felix Gmür noch keinen Termin beim Papst geplant hat. Aber ein Treffen im Verlauf des Monats Oktober ist wahrscheinlich, weil die Missbrauchsfrage in der Schweiz virulent ist. Und weil Felix Gmür auch Fälle im Bistum hat, die er beim Dikasterium für die Glaubenslehre – unter anderem aufgrund von Medienberichten – melden musste. Die Frage zur Einführung eines nationalen kirchlichen Strafgerichts ist ein weiterer Punkt auf der Agenda. Es gibt also viel zu besprechen zwischen Papst Franziskus und Felix Gmür.
Wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht, versteht die vatikanische Kurie den nordeuropäischen Stil der Debatte nicht. Aus Deutschland kommen einfach viel zu viele Positionspapiere. Damit können die Römer nichts anfangen. Felix Gmür kennt hingegen die Kultur im Vatikan ausgezeichnet. Er weiss, dass vieles über persönliche, informelle Gespräche führt. Die vatikanische Gesprächskultur nutzt er jetzt, um für die Schweiz ein nationales Strafgericht aufzugleisen.
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