Papst Franziskus: «Die Hauptperson der Synode ist der Heilige Geist»

Am Tag des Heiligen Franz von Assisi hat Papst Franziskus die Synode 2023 eröffnet. Er will eine Kirche, die für alle offen ist. Aber er wehrt sich auch gegen Missverständnisse: «Die Synode ist kein Parlament», betonte er in seiner Predigt mehrmals. Statt Spaltungen in der Kirche will der Papst Gemeinschaft fördern.

Charles Martig

Mit dem Einzug von 120 Kardinälen und weiteren 370 Bischöfen und Priestern war am Mittwochmorgen der alte Triumphalismus der römisch-katholischen Kirche auf dem Petersplatz zu erleben. Die zahlreichen Geistlichen waren alle als Konzelebranten dieser Eucharistiefeier aufgeführt. Zum Einzug gab es den Gesang der «Laudes Regiae», die mit den Anrufungen der Allerheiligenlitanei enden. «Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat – Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!».

Keine ideologischen Kämpfe

Tausende Katholikinnen und Katholiken auf dem Petersplatz kamen jedoch nicht, um dieses Spektakel zu erleben, sondern um die Worte von Papst Franziskus zu hören. Überraschenderweise gab es zuerst einmal eine kritische Note.

«Liebe Brüder Kardinäle, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Schwestern und Brüder, wir sind bei der Eröffnung der Synodenversammlung. Und da brauchen wir keinen innerweltlichen Blick, der aus menschlichen Strategien, politischen Überlegungen oder ideologischen Kämpfen besteht. Dass die Synode diese oder jene Erlaubnis erteilt, diese oder jene Tür öffnet – das braucht es nicht», sagte Franziskus in seiner Predigt.

Hauptperson der Synode ist Heiliger Geist

Mehrmals betonte Franziskus, dass die Synode kein Parlament sei. «Wir sind nicht hier, um eine parlamentarische Sitzung oder einen Reformplan voranzubringen. Die Synode, liebe Brüder und Schwestern, ist kein Parlament.» Damit erteilte er allen Fraktionen, die im Vorfeld der Synode ihre Programmpunkte platzierten, eine Absage. Sowohl die «Dubia» der abtrünnigen Kardinäle als auch die Reformanliegen aus dem nördlichen Europa waren offensichtlich damit gemeint.

Franziskus stellte der «pastoralen Traurigkeit» den Blick Jesu entgegen und führt aus, wie er sich die Synode vorstellt. «Die Hauptperson ist der Heilige Geist. Nein, wir sind hier, um gemeinsam zu gehen mit dem Blick Jesu, der den Vater preist und all jene einlädt, die mühselig und beladen sind», stellte Franziskus gleich zu Beginn seiner Predigt klar.

Trotz grosser Bühne und voller Besetzung der Ränge nutzte Franziskus den Moment aber auch, um seine Besorgnis auszudrücken: «Brüder und Schwestern, heiliges Volk Gottes, angesichts der Schwierigkeiten und Herausforderungen, die uns erwarten, bewahrt uns der preisende und einladende Blick Jesu davor, einigen gefährlichen Versuchungen zu verfallen: Eine starre Kirche zu sein, die sich gegen die Welt wappnet und rückwärts schaut; eine laue Kirche zu sein, die sich den Moden der Welt ergibt; eine müde Kirche zu sein, die über sich selbst gekrümmt ist.»

Gegen diese «müde Kirche» stellte er das Bild einer «Kirche, die offen ist für alle». Das richtete sich direkt gegen die zweifelnden Stimmen, die als «Dubia» vor der Synode in der Öffentlichkeit von Kardinälen wie Raymond Burke, Walter Brandmüller und anderen geäussert wurden. Aber auch gegen alle jene Skeptiker, die der Synode 2023 kaum eine Chance geben.

Eine Kirche, die etwas riskiert

Hauptaufgabe der Synode sei es, den Blick wieder auf Gott auszurichten, um eine Kirche zu sein, die mit Barmherzigkeit auf die Menschheit schaut: «Eine Kirche, die geeint und geschwisterlich ist, oder die zumindest versucht, geeint und geschwisterlich zu sein, eine Kirche, die zuhört und in Dialog tritt; eine Kirche, die segnet und ermutigt, die denen hilft, die den Herrn suchen, die die Gleichgültigen wohltuend aufrüttelt, die Wege eröffnet, um die Menschen in die Schönheit des Glaubens einzuführen. Eine Kirche, die Gott als ihren Mittelpunkt hat und die sich deshalb im Inneren nicht spaltet und nach aussen hin niemals herb ist.» Und er ergänzte: «Eine Kirche, die etwas riskiert, mit Jesus. So wünscht sich Jesus die Kirche, so wünscht er sich seine Braut.»

Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus

Am Gottesdienst gab es eine Lesung aus dem Paulusbrief an die Galater (Gal 6,14-18). Gerade hier ging es im frühen Christentum um die scharfe Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus und die Frage, ob die kirchliche Gemeinschaft auf eine kleine Gruppe eingegrenzt bleiben oder für alle da sein soll. Historisch gesehen hat sich Paulus durchgesetzt. Und Papst Franziskus beruft sich mit seiner «Kirche für alle» auf diese Tradition.

Pastorale Traurigkeit

Zudem beruhte die Predigt von Papst Franziskus auf einer Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium (Mt 11,2-24), in der Johannes der Täufer an Jesus zweifelt, der Herr sich aber nicht von seiner «pastoralen Traurigkeit» anstecken lässt, sondern die «Saat des Wortes, die von den einfachen Menschen aufgenommen wird, und das Licht des Reiches Gottes, das sich auch in der Nacht seinen Weg bahnt» zu erkennen vermag.

Papst Franziskus kämpft also an der Synode für eine weltweite Gemeinschaft, die sich nicht spalten lässt. Seine grösste Befürchtung ist demnach, dass es zu einem Schisma kommen könnte. Dem hielt er in seiner Predigt auf dem Petersplatz das Bild einer geschwisterlichen Kirche entgegen, die aufrüttelt und neue Wege eröffnet.


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