Die Kardinalsernennung war für Emil Paul Tscherrig ein Tag voller Freude. Er hat nicht damit gerechnet, dass Papst Franziskus ihn für dieses Amt auswähle. «Ich hatte mich schon auf meine Pensionierung vorbereitet», sagt der ehemalige Nuntius. Welche Aufgaben er zukünftig haben wird, weiss er noch nicht.
Jacqueline Straub
Herzlichen Glückwunsch, Kardinal Tscherrig. Wie geht es Ihnen als Kardinal?
Kardinal Emil Paul Tscherrig*: Gut, es ist ein Tag voller Freude. Meine Familie aus dem Wallis ist hier. Und einige Freunde – es ist wie ein grosses Familienfest.
Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal Kardinalspurpur zu tragen?
Tscherrig: Das Problem ist, das Birett (Kardinalshut) in die richtige Richtung zu stellen (lacht).
Haben Sie damit gerechnet, Kardinal zu werden?
Tscherrig: Nein, ich hatte mich schon auf meine Pensionierung vorbereitet. Alles war schon geregelt, im Februar sollte meine Amtszeit als Nuntius von Italien zu Ende gehen. Jetzt weiss ich nicht, wie die neue Order lautet.
Können Sie sich vorstellen, Papst zu werden?
Tscherrig: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.
Sollten Sie aber zum Papst gewählt werden: Würden Sie die Wahl annehmen?
Tscherrig: Das weiss ich nicht.
Sie kennen Papst Franziskus aus Ihrer Zeit als Nuntius in Buenos Aires?
Tscherrig: Ich habe ihn oft bei ihm daheim getroffen. Wir hatten immer eine gute, sehr nahe Zusammenarbeit.
«Alle, auch in der Schweiz, müssen am selben Strick ziehen.»
Der Papst sagt öfter: «Uscire» und «Avanti». Er will, dass die Kirche hinausgeht zu den Menschen und vorwärts macht. Was heisst das für die Kirche in der Schweiz?
Tscherrig: Für die Schweiz wie für die Weltkirche bedeutet das, dass wir alles Unnötige hinter uns lassen, uns erneuern und uns auf das Wort Gottes konzentrieren und auf die Verkündigung des Wortes Gottes. Alle, auch in der Schweiz, müssen am selben Strick ziehen.
Nächste Woche beginnt die Weltsynode in Rom. Dann wird über Kirchenreformen diskutiert. Wie blicken Sie auf den synodalen Prozess?
Tscherrig: Ich hoffe, dass der synodale Prozess ein Erfolg wird für die nötigen Veränderungen in der Kirche. Der synodale Prozess ist ein gemeinsames Gehen. Da brauchen wir noch viel Arbeit, damit auch die Laien mehr in die kirchlichen Angelegenheiten involviert sind und mehr beteiligt werden. Ich hoffe, dass die Synode neue Wege findet.
«Ich kann es nicht kommentieren, weil ich ausserhalb der Schweiz lebe.»
Was sagen Sie zur Pilotstudie der Uni Zürich über sexuellem Missbrauch in der Schweizer Kirche?
Tscherrig: Mich beschäftigt das Thema sehr. Aber ich kann es nicht kommentieren, weil ich ausserhalb der Schweiz lebe.
Die Studie der Uni Zürich belastet auch den letzten Walliser Kardinal Heinrich Schwery und den noch lebenden emeritierten Sittener Bischof Norbert Brunner. Sie sollen Akten gemäss Kirchenrecht vernichtet haben.
Tscherrig: Dazu kann ich nichts sagen.
*Emil Paul Tscherrig war Nuntius, bevor er von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt wurde. Er stammt aus dem Wallis und wurde 1974 im Bistum Sitten zum Priester geweiht. Neben Kardinal Kurt Koch ist er derzeit der einzige Schweizer im Kardinalskollegium. Er ist der zehnte Kardinal aus der Schweiz.
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