Wenige Tage vor der Präsentation der Vorstudie zum Missbrauch in der katholischen Kirche äussert sich Veronika Jehle auf Anfrage von ref.ch zu den möglichen Auswirkungen auf die Kirche. «Es gibt die Haltung, sich gegenseitig zu decken.» Dabei verweist sie auf den aktuellen Fall im Bistum Basel. Und sie warnt davor, die Studie als «grossen Lernschritt» zu verkaufen.
«Es existiert ein männerbündlerisches Selbstverständnis in dieser Kirche und die Haltung, sich gegenseitig zu decken. Weil allermeist keine Konsequenzen gefolgt sind, ist das auch möglich. Jüngst wurde ein Missbrauchsfall im Bistum Basel aufgedeckt. Das zeigt mir: Es waren nicht ausschliesslich jene Bischöfe schuld, die schon verstorben sind. Es ist auch keine Geschichte des letzten Jahrhunderts. Im Gegenteil: Wir stehen da mittendrin und die Mechanismen funktionieren bis in die Gegenwart. …»
«Mit Ausnahme des Papstes kann niemand etwas tun.»
«Strukturell kann den Bischöfen innerhalb der katholischen Kirche niemand etwas anhaben. Ein Bistum funktioniert im Grunde wie eine Monarchie. Mit Ausnahme des Papstes kann niemand etwas tun. Und der Papst hütet sich davor. Ich vermute, dass er einen grossen Teil seines weltweiten Stabes austauschen müsste, wenn er konsequent alle Bischöfe aus dem Dienst nehmen würde, die sich im Zusammenhang mit Missbrauch etwas haben zuschulden kommen lassen.
«Dabei ändert sich an ihrem Handeln und ihren Strukturen nichts.»
Die aktuelle Vorstudie könnten die Bischöfe als ‹grossen Lernschritt› ihrerseits darstellen. Mit Aussicht auf Erfolg, denn: Es gibt immer noch viel Wohlwollen in der Gesellschaft, das den Bischöfen auch abzukaufen. Dabei ändert sich an ihrem Handeln und ihren Strukturen nichts. Das erschreckt mich.»
Die katholische Theologin und Journalistin Veronika Jehle äussert sich im Interview mit ref.ch über ihre Erwartungen zur Vorstudie der Universität Zürich zum sexuellen Missbrauch im Umfeld er katholischen Kirche in der Schweiz. Der Schlussbericht der Vorstudie wird am 12. September der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei warnt Jehle davor, die Ergebnisse der Vorstudie zu instrumentalisieren. (cm)
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https://www.kath.ch/newsd/veronika-jehle-ein-bistum-funktioniert-im-grunde-wie-eine-monarchie/