Schwester Fidelis aus dem Kloster Fahr: «Es wird Priesterinnen geben»

Schwester Fidelis aus dem Kloster Fahr feiert heute ihren 90. Geburtstag. Seit 66 Jahren lebt sie in der aargauischen Benediktinerinnen-Klostergemeinschaft. 15 Jahre davon war sie Priorin. Sie hofft, dass sie noch Frauen in kirchlichen Weiheämtern erleben wird. «Wenn ich 100 Jahre alt werde, ist die Chance gross.»

Wolfgang Holz

Schwester Fidelis, warum haben Sie sich dafür entschieden, Ordensfrau zu werden?

Schwester Fidelis Schmid: Den Ruf erhielt ich während der Zeit hier in der Bäuerinnenschule. Dieser Ruf war für mich sehr deutlich und ich spürte, dass dies mein Lebensweg sein wird. 

Wollten Sie nie eine Familie und Kinder haben?

Schwester Fidelis: Als junges Mädchen träumte ich schon von einer Familie mit vielen Kindern. Im Kloster sind wir aber auch eine Grossfamilie!

«In der Klostergemeinschaft konnte ich mich auch entwickeln und die werden, die ich heute bin.»

Sie haben 66 Jahre im Kloster Fahr verbracht. Was hat Sie in all den Jahren im Kloster am meisten geprägt?

Schwester Fidelis: Mich hat am meisten die Gemeinschaft geprägt. Die gemeinsamen Gottesdienste, das gemeinsame Feiern und das gemeinsame Arbeiten. In der Klostergemeinschaft konnte ich mich auch entwickeln und die werden, die ich heute bin.

Was waren für Sie die wichtigsten Stationen im Klosterleben?

Schwester Fidelis: Meine Professfeier, und dann auch die Profess all meiner Mitschwestern, die nach mir eingetreten sind. Als junge Schwester konnte ich mich weiterbilden in der Paramentik* und habe diese während Jahren geleitet. 1988 wählten mich meine Mitschwestern zur Priorin. Dieses Amt führte ich bis 2003. Seither darf ich etwas kürzer treten.

Sie waren auch 15 Jahre lang Priorin im Kloster Fahr. Wie schwierig ist es, ein Frauenkloster zu leiten?

Schwester Fidelis: Es war eine grosse Verantwortung, und gleichzeitig spürte ich das grosse Vertrauen meiner Mitschwestern und die Führung Gottes.

Der Nachwuchs in den Klöstern wird immer weniger. Warum sind Klöster heute trotzdem noch so wichtig?

 Schwester Fidelis: Die Glut des Glaubens wird in den Klöstern wachgehalten. Menschen die zu uns kommen, sagen, dass sie durch unser Leben die Anwesenheit Gottes erfahren. Deshalb ist es wichtig, dass es solche Erfahrungsorte gibt.

«Ohne Frauen, die gleichberechtigt sind, hat die katholische Kirche keine Zukunft.»

Sie feiern heute Ihren 90. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Haben Sie ein Geheimrezept, wie man gesund alt werden kann?

Schwester Fidelis: Das ist ein Geschenk. Man sollte zufrieden sein, mit dem was einem das Leben täglich schenkt.

Wie wichtig sind Frauen in der katholischen Kirche? Wird es in Zukunft auch Priesterinnen geben?

Schwester Fidelis: Ohne Frauen, die gleichberechtigt sind, hat die katholische Kirche keine Zukunft. Ich bin überzeugt, dass es in Zukunft auch Priesterinnen geben wird. Ich hoffe, dass ich das noch erlebe. Wenn ich 100 Jahre alt werde, ist die Chance gross.

*Die Paramentik ist in Wissenschaft und Lehre eine akademische Disziplin, die im Bereich der Praktischen Theologie angesiedelt ist und sich mit der Gestaltung liturgischer Kleider und gottesdienstlicher Textilien befasst. Das Interview wurde schriftlich geführt.


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