Am heutigen Feiertag Mariä Himmelfahrt feiert das Kloster St. Ursula in Brig die Jubiläen von fünf ihrer Ordensfrauen. Viele Ursulinen hätten am 15. August oder am 8. September – an Mariä Geburt – ihre ersten Gelübde abgelegt, erklärt Oberin Nicole Glenz am Vorabend der Feier. Und ausserdem seien die Ursulinen beinahe ein Marienorden.
Regula Pfeifer
Weshalb feiern Sie die runden Jubiläen ihrer Ordensfrauen an Mariä Himmelfahrt?
Nicole Glenz: Viele von uns Schwestern haben ihre ersten Gelübde am 15. August oder 8. September, einem Mutter Gottes Feiertag, abgelegt, was uns an unsere ersten Schritte des Versprechens erinnert. Rückblickend, älter werdend, kommt ein Schmunzeln hoch. War es nicht Gott, der die ersten Schritte auf uns zu machte und es immer noch tut?
«Die ersten Schritte zur Gründung unserer Gesellschaft wurden von der Mutter Gottes begleitet.»
Was bedeutet Ihrem Kloster dieser Feiertag zu Ehren von Maria?
Glenz: Die ersten Schritte bei der Gründung unserer Gesellschaft wurden von der Mutter Gottes begleitet. Sie trat auf bei der Entscheidung, in Dole (F) oder Dijon die Gemeinschaft anzufangen. Damals pilgerten Frauen für einen Erziehungsorden an den Marienwallfahrtsort «Mont Roland» und erbeteten eine Bestätigung. Da kam Anne de Xainctonge, unsere Gründerin, an. So wurde die Mutter Gottes zur Mutter der Gesellschaft, als Weg zu Gott, ihrem Sohn, Jesus Christus.
Weshalb findet die Feier nicht am Gedenktag der Heiligen Ursula statt?
Glenz: Eigentlich hätte unsere Gesellschaft ein Marienorden werden sollen, Berater fanden, dass Gesellschaft Mariens ein bisschen hoch gegriffen sei und rieten uns, 1606, den Namen «Ursulinen von Anne de Xainctonge» anzunehmen.
«Wir feiern ein Hochamt mit Bischof Jean-Marie Lovey.»
Wie ist die Feier geplant?
Gelnz: Wir feiern ein Hochamt mit Bischof Jean-Marie Lovey, begleitet von Orgel-, Flötenspiel und Gesang. Es sind auch mitzelebrierende Priester, unsere Schwesterngemeinschaft und geladene Gäste anwesend. Die Feier in der Klosterkirche ist für alle zugänglich. Nach der Feier treffen wir uns im Klostergarten zu einem Aperitif. Alle sind herzlich eingeladen.
«Wir sind froh, konnten wir unser Gästehaus zum Zweck der Begegnung mit fremden Kulturen verkaufen.»
Ein besonderer Tag wird auch der 1. November sein: Da ziehen Asylbewerbende ins Gästehaus von St. Ursula ein. Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Glenz: Wir sind froh, konnten wir unser geliebtes Gästehaus zum Zweck der Begegnung mit fremden Kulturen, Migrantinnen verkaufen. Wir haben eine positive Haltung und freuen uns, wenn der Katholische Frauenbund Oberwallis (KFB) eine Boutique weiterführt, wo Bewohnerinnen gute Kleider und Schuhe hinbringen können. Wir wollen eine gute Nachbarschaft pflegen und sind gespannt, was daraus werden wird.
Welche Rolle wird Ihre Klostergemeinschaft gegenüber den Asylbewerbenden einnehmen?
Glenz: Zuerst eine wohlwollende Haltung. Akzeptanz ermöglicht Vertrauen und da kann manches entstehen.
«Wir sind offen für Anregungen.»
Was ist Ihre Herausforderung als Oberin?
Glenz: Jeden Tag und jede Mitschwester so anzunehmen, wie sie sich zeigen, und gespannt sein, was Gott mit uns allen vorhat. Ich weiss, dass er das Beste für jede von uns sein will. Und ich bin neugierig zu sehen, wie wir für unser Mitwelt da sein können, wie wir die Menschen begleiten im Gebet. Und was wir noch in Zusammenarbeit mit andern für Gott sein und machen können. Für Anregungen sind wir offen.
* Nicole Glenz (74) lebt seit 1969 in der Gemeinschaft der Ursulinen in Brig. Sie war von 2009 bis 2016 Generaloberin und ist jetzt die zweite Periode Provinzoberin. Damit steht sie 40 Ursulinen vor. Die am 13. August 1949 geborene Nicole Glenz feiert am heutigen Mariä Himmelfahrtstag ihren Tauf- und Gelübdetag.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant