Bistum Basel zum geplanten Erotikstudio in Solothurn: «Würde des Menschen gilt überall»

Mitten in der Altstadt von Solothurn soll ein Bordell entstehen. Das Bistum Basel zeigt sich angesichts des Bauprojekts nicht bekümmert: Man sei dafür nicht zuständig. Betroffene Anwohner sind entrüstet und fürchten um den guten Ruf ihrer Gasse.

Wolfgang Holz

Worum geht es? Wie die «Solothurner Zeitung» jüngst berichtete, will ein bereits in der Vorstadt von Solothurn ansässiges Bordell in die Altstadt der katholischen Barockstadt expandieren.

Geplant ist deshalb die Umnutzung von zwei Arbeitszimmern zu einem Erotikstudio im ersten und zweiten Obergeschoss der Löwengasse 18. Zuletzt wurden in den Räumlichkeiten Panettone und Grissini verkauft.

Baugesuch liegt auf

Für dieses Bordell-Projekt liegt bis zum 4. August beim Stadtbauamt Solothurn noch ein entsprechendes Baugesuch auf. Vier Personen sollen in dem Erotikstudio angestellt werden: eine Empfangsdame und drei Sexarbeiterinnen und -arbeiter.

Nicht für Laufkundschaft gedacht

Es soll keine Laufkundschaft angesprochen werden. Zielgruppe seien Stammkunden: «vornehmlich Männer mit hetero- oder homosexueller Neigung». Buchungen sollen nur online oder telefonisch vereinbart werden. Schaufenster und Türen würden durch «stark getönte Folien vor Einblicken geschützt».

Sache der Zonenkonformität

Das Stadtbauamt beruft sich grundsätzlich auf das Kriterium der Zonenkonformität für eine mögliche Bewilligung. «Es ist eine Altstadtzone, dort sind Dienstleistungen und Gewerbe zulässig. Wenn den Anforderungen entsprochen wird, hat man auch das Recht auf eine Bewilligung», sagt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Solothurner Stadtbauamts, gegenüber Tele M1.

Die Baukommission werde das Gesuch wie jedes andere behandeln. Ob es schon zu Einsprachen gekommen ist, will das Stadtbauamt Solothurn – auf Anfrage von kath.ch – erst nach Ablauf der Auflagefrist verraten.

«Katastrophal»

Von der Zeitung in einem Video befragte Anwohner und Nachbarn sind jedenfalls gar nicht ‹amused›. Sie finden es teils  «katastrophal», dass möglicherweise ein Bordellbetrieb in ihrer Gasse genehmigt wird. Das passe gar nicht zur schönsten Barockstadt der Schweiz. Andere Befragte fürchten um den Ruf der Gasse. Sie haben Angst.

Und was meint eigentlich das Bistum Basel zu besagtem Baugesuch in der Altstadt – quasi vor der eigenen Haustüre? Die St. Ursen Kathedrale liegt nämlich nur rund 150 Meter Luftlinie von dem geplanten Erotikstudio entfernt.

 «Das genannte Planungsvorhaben gehört in den Zuständigkeitsbereich des Stadtbauamts Solothurn.»

Barbara Melzl, Kommunikationsverantwortliche Bistum Basel

 «Das genannte Planungsvorhaben gehört in den Zuständigkeitsbereich des Stadtbauamts Solothurn», sagt Barbara Melzl, Kommunikationsverantwortliche des Bistums Basel, auf Nachfrage von kath.ch. Die Kirche begleite seelsorgerlich alle Menschen, auch jene, die in Randbereichen der Gesellschaft leben und arbeiten würden.  «Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, auf die Peripherien zuzugehen», so Barbara Melzl.

«Seelsorge im Tabubereich»

Sagts und erwähnt die Projektstelle «Seelsorge im Tabubereich». Diese Stelle der Römisch-Katholischen Landeskirchen Baselland und Basel-Stadt gibt es seit 2016. Das Angebot richtet sich an Menschen, die in Randbereichen der Gesellschaft leben und arbeiten. Der Schwerpunkt der Stelle liegt im Bereich «Seelsorge im Rotlichtmilieu».  

«Angesichts des internationalen Tages gegen Menschenhandel am 30. Juli sei an dieser Stelle vielmehr an die Würde des Menschen erinnert. Und diese gilt überall, ob 150 Meter oder 150 Kilometer von der Kathedrale entfernt», sagt die Mediensprecherin.


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https://www.kath.ch/newsd/bistum-basel-zum-geplanten-erotikstudio-in-solothurn-wuerde-des-menschen-gilt-ueberall/