Bei den heftigen Gewittern mussten einige Pfadilager abgebrochen werden. Zehn Leiterinnen und Leiter wurden leicht verletzt. «Sie sind inzwischen alle wieder aus dem Spital entlassen worden», sagt Thomas Boutellier. Kinder wurden keine verletzt.
Jacqueline Straub
Derzeit sind viele Kinder und Jugendliche in einem Ferienlager. Wie wurde auf das angekündigte gestrige Gewitter im Vorfeld reagiert?
Thomas Boutellier*: In allen Lagern sind die Leitenden so ausgebildet, dass sie eine hohe Sensibilität bezüglich des Wetters haben. Die Pfadibewegung Schweiz hat zusätzlich gestern Nachmittag nochmals in den sozialen Medien die Aufmerksamkeit der Leitenden auf das Wetter gelenkt.
«Ein oder zwei Nächte in der Notfallunterkunft zu verbringen, ist nicht schlimm.»
Gibt es einen Notfallplan?
Boutellier: Jedes Pfadilager in der Schweiz muss einen Notfallplan und eine Notfallunterkunft haben. So, dass die Leitenden mit den Kindern schnell aus den Zelten ins Trockene gehen können. Ein oder zwei Nächte in der Notfallunterkunft zu verbringen, ist nicht schlimm. Viele Pfadi-Gruppen haben schon vor Beginn der heftigen Gewitter die Notunterkünfte bezogen und so schon frühzeitig die richtigen Schritte eingeleitet. Und so eine Nacht in der Turnhalle ist auch ganz spannend.
Wie viele Lager waren von dem Gewitter betroffen?
Boutellier: Rund 100 Gruppen haben die Nacht in der Notunterkunft verbracht. Sie sind jetzt wieder auf den Plätzen und können nach den Aufräumarbeiten den Lagerbetrieb wieder aufnehmen.
Mussten Lager abgebrochen werden?
Boutellier: Rund 15 Pfadilager hat es so stark erwischt, dass sie abgebrochen werden mussten. Es handelt sich dabei um jene Abteilungen, deren Material durch den Sturm so zerstört wurde, dass es nicht mehr geflickt werden kann. Das Ausmass der Materialschäden wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Wurden auch Lager mit neuen Zelten versorgt?
Boutellier: Der Pfadiausrüster hajk (Scout & Sport AG) hat heute Morgen 170 neue Zelte zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt, dass sie auch heute noch in den Lagern ankommen. So können viele Lager trocken weitergehen und es können auch Lager weitergehen, die eigentlich schon abgebrochen waren.
«Rund zehn Leitende sind leicht verletzt worden.»
Gab es Verletzte beim gestrigen Gewitter?
Boutellier: Unter den Kindern und Jugendlichen gab es keine Verletzten. Doch rund zehn Leitende sind leicht verletzt worden. Sie sind inzwischen alle wieder aus dem Spital entlassen worden und wieder bei den Kindern. Zusammengefasst können wir sagen, die Leitenden haben einen sehr guten Job gemacht. Sie haben die richtigen Massnahmen zum richtigen Zeitpunkt gewählt und damit Schlimmeres verhindert.
Wie haben die Kinder und Jugendliche das Unwetter im Lager wahrgenommen?
Boutellier: Wer schon mal in einem Zelt war, wenn direkt darüber ein Gewitter losgeht, weiss, dass das eine sehr unheimliche Sache ist. Da die Kinder aber gut betreut wurden und in den meisten Fällen die Nacht in den Notunterkünften verbracht haben, ist es hoffentlich in den meisten Fällen ein Teil des Abenteuers Lager geworden. Es wird sicher auch unheimliche Situationen gegeben haben. Aber unsere Leitenden wissen, was sie mit den Kindern machen können, damit sie abgelenkt werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, solche Erlebnisse, vor allem wenn sie gut ausgehen, vergisst man nicht, und bei Schulbeginn sind das dann die spannendsten Geschichten.
*Thomas Boutellier, ehemaliger Verbandspräses im Verband Katholischer Pfadi, ist Krisenverantwortlicher der Pfadibewegung Schweiz.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant