Skirennfahrerin Aline Danioth nach viertem Kreuzbandriss: «Ich habe einen starken Glauben»

Aline Danioth zog sich vergangenen Winter den vierten Kreuzbandriss innerhalb weniger Jahre zu – die sechste schwere Verletzung in sechs Jahren. Doch die 25-jährige Urnerin lässt sich nicht entmutigen. Das Gletscherschmelzen tut der Skirennfahrerin weh, und sie fände es «schön», wenn Frauen Priesterin werden könnten, sagt die Katholikin.

Wolfgang Holz

Frau Danioth, Sie gehen momentan an Krücken und müssen wieder lange pausieren, um Ihren Kreuzbandriss – den vierten inzwischen – auszukurieren. Andere würden verzweifeln und alles hinschmeissen. Woher nehmen Sie diesen starken Willen, immer wieder aufzustehen?

Aline Danioth*: Ich habe wohl das Geschenk erhalten, ein positiver Mensch zu sein. Immer wieder positiv zu denken. So etwas kann man sicher auch trainieren. Aber bei mir ist das, glaube ich, angeboren.

Sicherlich ist meine augenblickliche Situation kein Wunschszenario. Aber es könnte ja immer noch schlechter sein. Und ich kann an der Situation jetzt nichts mehr ändern.

Aber waren Sie denn gar nie so richtig down…

Danioth: In der ersten Woche nach dem Kreuzbandriss habe ich dauernd geheult. Bis ich dann gemerkt habe, dass es mir noch schlechter geht, wenn ich weiter jammere. Ausserdem habe ich ein sehr gutes persönliches Umfeld, das mich in der schwierigen Zeit enorm unterstützt hat, indem man mich auf Ausflüge mitgenommen und auch sonst beschäftigt hat – damit ich nicht an meine Verletzung gedacht habe und abgelenkt war.

Sie waren ja vor kurzem noch in den USA unterwegs. Hat Ihnen das auch geholfen, auf andere Gedanken zu kommen?

Danioth: Ja, meine Reise durch die USA vor der Operation hat mir geholfen abzuschalten. Dabei habe ich auch viele junge Leute kennen gelernt, die alle schon mal einen Kreuzbandriss erlitten haben. Ein Kreuzbandriss ist eigentlich keine so schwere Verletzung, es dauert nur sehr lange, sie auszukurieren.

Auf dem Weg dorthin motiviere ich mich immer mit kleinen Zwischenzielen: In drei Wochen darf ich ohne Krücken gehen. Nach vier Monaten kann ich erste Sprünge machen. Bald kann ich an die Kletterwand. Meine Gesundheit ist und bleibt meine oberste Priorität. Mit Schmerzen kann und will ich nicht Ski fahren.

Sind Sie gläubig?

Danioth: Ja, ich bin sehr gläubig und wurde in meiner Familie katholisch erzogen. Wir haben früher in der Familie abends oft gebetet. Ich habe einen starken Glauben. Wobei ich wohl inzwischen so eine Art eigenen Glauben für mich habe – indem ich an ein unbestimmtes höheres Wesen glaube.

Warum ist das Skifahren so wichtig für Sie?

Danioth: Skifahren ist meine grosse Passion. Ich bin schon als Dreijährige auf den Skiern gestanden. Ich liebe es, draussen in der Natur zu sein. Der Schnee und die Piste sind jedes Mal anders. Bei den Rennen spüre ich den Adrenalinkick, und die Achterbahn der Gefühle während eines Rennens finde ich sehr spannend.

Jüngst hat die Abstimmung über das Klimaschutzgesetz stattgefunden. Tut es Ihnen persönlich weh, wenn die Gletscher in den Bergen wegen des Klimawandels dahinschmelzen?

Danioth: Ja, das tut mir weh. Ich stamme aus einer Bergführerfamilie aus dem Urnerland und ich weiss, was es bedeutet, wenn Gletscher verschwinden.

Wir Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer tragen durch das viele Reisen durch die ganze Welt sicherlich nicht dazu bei, das Klima zu schützen. Ich versuche aber im Kleinen, meinen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten – etwa, indem ich Strom spare und nicht so viele Kleider benütze.

Noch eine letzte Frage ganz abseits des Skifahrens. Als Skirennfahrerin sind Sie gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen. Frauen dürfen in der katholischen Kirche nicht Priesterin werden. Wie stehen Sie dazu?

Danioth: Ich fände es auf jeden Fall schön, wenn Frauen, die sich berufen fühlen, auch Priesterin werden könnten.

*Aline Danioth (25) wurde in Andermatt im Kanton Uri geboren. Sie ist seit 2015 eine erfolgreiche Schweizer Weltcup-Skirennläuferin, vor allem im Slalom. 2022 nahm sie an den Olympischen Winterspielen in Peking teil. Sie holte unter anderem 2019 bei der WM in Are für die Schweiz Gold in der Mannschaft, und gewann bei Junioren-Weltmeisterschaften und olympischen Jugendspielen mehrere Goldmedaillen. In den letzten Jahren wurde sie durch Verletzungen immer wieder ausgebremst.


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