Eigentlich sollte in der katholischen Kirche Näfels die Ruhe eingekehrt sein. Denn nach einem Streit mit der Pfarrei ist letztes Jahr fast der gesamte Kirchenrat ausgewechselt worden. Doch Ende Mai war an der Kirchgemeindeversammlung erneut Feuer im Dach. «Das war ein Versuch den Kirchenrat zu diskreditieren», sagt Kirchenratspräsident Martin Laupper.
Regula Pfeifer
Vielen Dank, dass Sie bereit sind, über den Konflikt in der katholischen Kirche Näfels zu erzählen.
Martin Laupper: Ich bin mir nicht sicher, ob es gut ist, viel darüber zu berichten. Wir möchten versuchen, die Situation möglichst zu beruhigen.
Weshalb sind an der Kirchgemeindeversammlung in Näfels Ende Mai erneut Konflikte aufgebrochen?
Laupper: Zwei Neuerungen tragen zum Konflikt bei. Erstens haben wir die Kirchgemeinde professionalisiert, indem wir eine Verwaltung einrichteten. Diese befindet sich in der ehemaligen der Kaplanei der Pfarrei.
«Unsere Neuerungen bedeuten für die Pfarrei eine Herausforderung.»
Und die zweite Problematik?
Laupper: Wir haben ausserdem ein Buchhaltungssystem eingeführt, mit dem wir mehr Transparenz einfordern. Beide Neuerungen bedeuten für die Pfarrei eine Herausforderung.
Weshalb fühlt sich die Pfarrei herausgefordert?
Laupper: Alles in allem geht es um das duale System – also um das Zusammenspiel von Pfarrei und Kirchgemeinde. Die Pfarrei will in diesem System offenbar die Dominanz, obwohl das duale System auf partnerschaftlichen Prinzipien beruht. Die Kirchgemeinde der Landeskirche hat die gesetzliche Aufgabe, unter andrem die Finanzen der Kirche zu organisieren. Es braucht Transparenz gegenüber den Steuerzahlenden. Dies umzusetzen, liegt in unserer Verantwortung.
Ist dieser Konflikt in der Versammlung aufgebrochen?
Laupper: Ja. Die Art und Weise, wie er aufgebrochen ist, ist sehr problematisch. Von der Pfarrei her wurden ungerechtfertigte Angriffe gegen den Kirchenrat lanciert, welche die Jahresrechnung betrafen. Dabei ist zu beachten, dass der Kirchenrat vor nicht einmal einem Jahr von der Kirchgemeindeversammlung mit einer Ausnahme vollständig neu gewählt wurde. Dies nach Konflikten zwischen Pfarrei und Kirchgemeinde.
«Wir waren willens, mit der Pfarrei gut und erfolgreich zusammen zu arbeiten.»
Wir Kirchenräte haben unsere Arbeit begonnen mit dem Willen, möglichst rasch Ruhe in die aufgebrachte Stimmung zu bringen. Wir waren willens, mit der Pfarrei gut und erfolgreich zusammen zu arbeiten. Dass es so ablief, ist einfach nur bedauerlich.
Äusserte die Pfarreileitung ihre Unzufriedenheit?
Laupper: Das hat nichts mit Unzufriedenheit zu tun. Das war ein Versuch den Kirchenrat zu diskreditieren. Es gibt viele Gründe dafür, die ich aber nicht öffentlich darlegen kann. Klar ist: An der Spitze der Pfarrei steht der Pfarrer. Er müsste eine Brücke bilden von den Gläubigen hin zur Kirchgemeinde. Wenn er das nicht will oder kann, wird es schwierig.
Es gab an jenem Abend auch bei den Wahlen einen Aufruhr. Hatte das auch mit dem dualen Grundkonflikt zu tun?
Laupper: Das denke ich nicht. Es war so: Eine Frau, die ich seit Kindheit kenne, hat einen Wahlvorschlag gemacht. Der Vater des Vorgeschlagenen war auch anwesend. Niemand sagte allerdings, dass er vorher gar nicht angefragt worden war. So wurde er gewählt, denn er ist ein toller junger Mann. Doch als er das erfuhr, sagte er ab. Das war schade, so hatten wir trotz Wahlverfahren am Schluss keinen neuen Kirchenrat, obwohl es zwei andere valable Kandidaten gegeben hatte.
«Die Kritik seitens Pfarrei blieb im Sand stecken.»
War die Versammlung ein Misserfolg?
Laupper: Nein, das nicht. Die Gemeindeversammlung hat den Kirchenrat grossmehrheitlich gestützt. Die Jahresrechnung wurde akzeptiert. Die Kritik seitens Pfarrei blieb im Sand stecken. Insofern war für uns die Situation in Ordnung. Dennoch ist es unangenehm, wenn eine solche Missstimmung aufkommt.
Wie gehen Sie nun die Konflikte an?
Laupper: Wir versuchen erstmal zu verstehen, was abgelaufen ist. Und zu schauen, ob es doch eine Chance gibt. Dabei führen wir natürlich Gespräche mit allen Betroffenen. Falls nichts dabei herauskommt, schlägt das auf die Motivation des Kirchenrats.
«Wir versuchen nochmals Energie zu sammeln, um alles trotzdem in gute Bahnen zu lenken.»
Werden dann einige aufgeben?
Laupper: Wir hatten am Anfang die Energie, etwas zum Guten zu bewirken. Doch jetzt haben wir eine Situation erlebt, die uns sehr frustrierte. Wir versuchen nun nochmals Energie zu sammeln, um das Ganze trotzdem in gute Bahnen zu lenken. Wenn das nicht gelingt, wird wohl der eine oder die andere sagen: Das war’s.
Was ist ihre Zukunftsvision?
Laupper: Ich hoffte, mit meiner Erfahrung als erster Gemeindepräsident der Gemeinde Glarus Nord etwas zum Guten bewirken zu können. Wenn das aber schlussendlich nicht klappt, müssen andere das machen.
«Ein Scheitern wäre für die katholische Kirche Glarnerland sehr problematisch.»
Ein Scheitern wäre allerdings für die katholische Kirche im Glarnerland sehr problematisch. Näfels war und ist die Hochburg des katholischen Teils der Glarnerlandes. Probleme, wie sie sich zurzeit zeigen, sind für die gesamte katholische Kirche im Kanton Glarus kein erbauliches Zeichen.
Der kritisierte Pfarrer von Näfels, Stanislav Weglarzy, wollte sich auf Nachfrage von kath.ch nicht zur Situation äussern.
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