Vor der Lukaskirche in Luzern haben Jugendliche Abfall und Kot hinterlassen. Ein Fall von Vandalismus, dem die Kirche Herr zu werden versuchte, indem sie Beschallungsgeräte installierte. Nun müssen diese wieder abgebaut werden. In anderen Kirchen in der Schweiz gibt es ebenfalls krasse Vorfälle von Vandalismus. Auch benehmen sich Besucherinnen und Besucher immer wieder schlecht.
Wolfgang Holz
Die Jesuitenkirche ist ein architektonisches Juwel in der Stadtlandschaft von Luzern. Hunderte von Besucherinnen und Touristen kommen jeden Tag in das Gotteshaus direkt an der Reuss, um das barocke Gesamtkunstwerk zu bestaunen. Doch zollen diese immer genügend Respekt gegenüber der Jesuitenkirche?
«Vandalismus in oder vor der Jesuitenkirche gibt es eigentlich kaum oder so gut wie keinen», berichtet Jesuitenpater Hansruedi Kleiber, Präfekt der Jesuitenkirche in Luzern. Passanten, die in den wundervollen Barockbau pinkelten, habe es früher schon einmal gegeben.
Inzwischen sei dieser Vandalismus gebannt – auch weil man während der Fasnacht die Kirche drei Tage komplett schliesse. «An der Luzerner Fasnacht ist alles möglich, deshalb sorgen wir präventiv dafür, dass es zu keinem Vandalismus kommt», sagt Kleiber gegenüber kath.ch.
Auch in der Jesuitenkirche sei Vandalismus eher ein seltenes Phänomen. «Die meisten Leute kommen hierher und staunen über die barocke Pracht und den Glanz des Gotteshauses», versichert der Jesuitenpater. Schlechtes Benehmen beziehungsweise mangelnden Respekt von Besuchern müsse man dagegen allerdings hin und wieder registrieren.
«Erst neulich hatten wir Besucher, die alles in der Kirche mit ihren Händen anfassten – Gemälde, Statuen und sogar die Altäre», berichtet Kleiber. So manche beachteten einfach die «Betreten oder berühren verboten»-Hinweisschilder nicht. Verhindern könne man solche Übertretungen nicht immer, weil er ja oder anderes Personal nicht immer in der Kirche anwesend sei, so Kleiber.
Aber der Präfekt hat auch schon krasse Fälle von Benimm-Verletzungen erlebt. «Es ist mir auch schon ein oder zweimal passiert, dass Besucher, die ich auf ihr Fehlverhalten hingewiesen habe, mit den Fäusten auf mich losgegangen sind», erzählt Kleiber. Er habe die Personen dann versucht zu ermahnen, sich anständig zu benehmen.
Auch an ein anderes Vorkommnis kann er sich erinnern. «Auf mysteriöse Weise fehlten plötzlich die acht Altartücher, die auf den Altären in den Seitenkapellen ausgebreitet waren», sagt Kleiber. Was mit ihnen passierte oder wer diese entwendet habe, sei bis heute nicht bekannt.
Lapidare Verfehlungen von Besucherinnen und Besuchern seien, wenn für die Opferkerzen zum Anzünden in der Kirche oder für die Kunstführer in der Jesuitenkirche kein Geld in die «Kässeli» bezahlt wurde. «Im Grunde verhalten sich die meisten Besucherinnen und Besucher jedoch respektvoll in der Jesuitenkirche», versichert Kleiber.
Was die reformierte Lukaskirche in Luzern anbelangt, hatte die Reformierte Kirche Luzern auf dem überdachten Eingang ein Mosquito-Gerät installiert. Diese Massnahme sollte gegen die unappetitlichen Hinterlassenschaften der nächtlichen Besucher wie Abfall und Kot wirken.
Grund: Die Reinigung der Treppe und des Eingangs sei zunehmend «unzumutbar» geworden. Die Stadt und der Quartierverein wussten jedoch nichts von dieser Installation. Und die Baudirektion der Stadt Luzern hat die Installation von Mosquito-Geräten inzwischen als «nicht bewilligbar» bezeichnet. Die Beschallungsgeräte müssen also wieder abgebaut werden. Hilflosigkeit macht sich nun breit.
Dabei ist es in der Schweiz in der jüngeren Vergangenheit schon vermehrt zu gravierendem Vandalismus gekommen. Im letzten Jahr entstand an und in mehreren Basler Kirchen ein Gesamtschaden von über 80’000 Franken, weil sie mit Graffiti und Schriftzügen beschmiert worden waren. «Gott, Allah, hohe Macht, amen.de», war auf eine Säule in einer Kirche gesprüht worden. Oder Botschaften wie «Jesus Christus, Allahu akbar». Religiöser Fanatismus pur.
Beispiel Aargau: In Oberrüti wurde einer Madonna die Hand abgehackt, in der sie einen Apfel gehalten hatte. In Sins wurden einer Schlange auf einem Marienbild sechs Nägel in den Kopf gehämmert.
In Boswil brannte bereits die Schlange zu Füssen der Mondsichelmadonna. In Muri wurde ein Satan beschädigt. In Auw die Schlange des Taufsteins.
Legendär ist auch der Fall im Kanton Zug. Vor Jahren verschandelten militante Tierschützerinnen und Tierschützer die katholische St. Verena-Kirche in Risch. Grund: Die Tieraktivisten rächten sich auf diese perfide Art an Daniel Vasella, dem damaligen Novartis-CEO, weil dieser in seinem Pharmakonzern Tierversuche durchführte.
Vasella wohnte damals nämlich noch ganz offiziell in seiner Villa in Risch am Zugersee. Er zeigte sich wenigstens so grosszügig und bezahlte den Neuanstrich der Kirchenfassade.
Doch zurück nach Luzern: nicht überall passieren solche schrecklichen Vorfälle. Kirchen scheinen tatsächlich noch eine respektvolle Aura auszustrahlen.
Rund um die katholische Kirche St. Karl etwa, eine ähnliche moderne Betonkirche wie die reformierte Lukaskirche, hält sich der Vandalismus von Jugendlichen oder anderen Personen in Grenzen.
Obwohl die bekannten sozialen Brennpunkte an der Baselstrasse und Bernstrasse nur zwei Steinwürfe entfernt liegen. Und obwohl die Bauhauskirche ebenfalls über grosse überdachte Eingänge und Terrassen verfügt.
Wie Armin Huber, Leiter Administration und Infrastruktur, gegenüber kath.ch mitteilt, gebe es wenige Probleme mit Vandalismus in der Kirchgemeinde. Ab und zu würden Personen mal ihre Notdurft an den Säulen entrichten. «Aber ansonsten gibt es nichts zu klagen.»
Warum dies so ist, kann sich Huber auch nicht erklären. «Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass unsere Kirche nicht direkt an der Baselstrasse platziert ist – wer zu uns kommt, muss erst die Reuss überqueren und betritt dann quasi ein völlig neues Quartier».
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant