Stefanie Arnold: «Mein lesbisches Outing war für mich einfacher, als mich als gläubig zu outen»

Die Urnerin Stefanie Arnold ist Diakonin. Und sie bekennt sich offen zu ihrer lesbischen Partnerschaft. Die römisch-katholische Kirche wurde ihr zu eng. Deshalb wechselte sie zur christkatholischen Kirche und folgte ihrer Berufung. Das erzählt der Film «Queer Glauben», der am Donnerstag in Bern seine Premiere feiert.

Charles Martig

Im Film «Queer Glauben» der Berner Regisseurin Madeleine Corbat erzählt Stefanie Arnold von ihrem ungewöhnlichen Lebensweg. Er zeigt, wie sich die 45-jährige Urnerin auf den Weg in den kirchlichen Dienst macht. Die Weihe zur christkatholischen Diakonin ist der erste Schritt dazu. Ein Vikariats-Jahr soll ihr Gewissheit geben.

Feministisch, links und gläubig

Der Lebensweg von Stefanie Arnold ist erstaunlich. Sie kommt aus dem Umfeld der Berner Reitschule, ist Feministin und agnostisch eingestellt. «Ich wusste, ich bin lesbisch, ich bin links und ich bin feministisch, und deshalb kann ich sicher nicht gläubig sein», sagt Arnold. Nach der Matura studiert sie Religionswissenschaften, allgemeine Sprachwissenschaften und Theologie in Bern und Tübingen. Ab 2018 widmet sie sich dem Studium in christkatholischer Theologie.

Weihe zur Diakonin

Nach ihrem Abschluss in Theologie im Jahr 2021 geht sie den kirchlichen Berufsweg. Im Film sind einige Szenen ihrer Diakonatsweihe zu sehen. Arnold liegt am Boden und betet zusammen mit ihrem Bischof. Die Szene erinnert an die römisch-katholische Weihe.

Queere Theologie und Christentum

Auf ihrem Weg zur Priesterin trifft Stefanie Arnold verschiedene Menschen, die sich mit einer queeren Lebensweise auseinandersetzen. «Queer» meint alles, was nicht heterosexuell ist und traditionelle gesellschaftliche Normen sprengt. Für Arnold geht queere Theologie und Christentum sehr wohl zusammen. Vor allem weil in der christkatholischen Kirche eine liberalere Grundhaltung gilt als in der römisch-katholischen. «Ich glaube wirklich, dass wir als queere Menschen der Kirche etwas zu geben haben. Wir sind starke Persönlichkeiten und können Impulse geben», ist Arnold überzeugt.

Begegnung mit Wendelin Bucheli

Im Gespräch mit Wendelin Bucheli erfährt Stefanie Arnold von den Ereignissen, die 2014 in Bürglen stattfanden. Bucheli ist Pfarrer und berichtet von der Segnung eines lesbischen Paares. «Wenn Gott ein Ja sagt zu dieser Feier, dann sind uns keine Grenzen gesetzt», sagte Bucheli zum Paar. Die Reaktion der Bistumsleitung von Chur auf diese Segnung war scharf. Bucheli berichtet von seinen negativen Erfahrungen. Aber auch von seiner Überzeugung, wieder Schwule und Lesben zu segnen, falls eine Anfrage eintrifft.

Stefanie Arnold führt im Film ein weiteres Gespräch mit der «Berufskatholikin» Mentari Baumann. Sie ist die Geschäftsführerin der «Allianz Gleichwürdig Katholisch». Im Film sagt sie: «Die katholische Kirche sagt immer, dass alle Menschen die gleiche Würde haben; das stimmt. Aber es haben nicht alle die gleichen Rechte.»

Reformierte unterstützen queere Menschen

Zudem interviewt Madeleine Corbat die queere reformierte Pfarrerin Priscilla Schwendimann.

Der Film zeigt zudem Szenen einer Namensfeier in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel unter der Leitung von Stadtpfarrer Frank Lorenz.

Der Film «Queer Glauben» der Regisseurin Madeleine Corbat ist eine Koproduktion von Lomotion und Schweizer Fernsehen SRF. Er feiert seine Vorpremiere am 4. Mai in Bern. Im Rahmen von «SRF Sternstunde Religion» wird der Film am kommenden Sonntag, 7. Mai um 10.00 Uhr, erstmals einem breiten Publikum vorgestellt.


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https://www.kath.ch/newsd/stefanie-arnold-mein-lesbisches-outing-war-fuer-mich-einfacher-als-mich-als-glaeubig-zu-outen/