Karol Wojtyla soll in seiner Zeit als Kardinal und Bischof von Krakau von Pädophilie-Fällen gewusst haben. Jene Priester habe er in andere Gemeinden versetzt, vermeldet die Nachrichtenagentur AFP.
Die Informationen stammten von einem Bericht des polnischen Privatsenders TVN, schreibt Agence France Presse (AFP). Demnach soll der verstorbene Papst Johannes Paul II. vor seiner Papstwahl Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche Polens vertuscht haben.
Als Kardinal und Bischof von Krakau habe Karol Wojtyla von Pädophilie-Fällen gewusst, zitiert AFP den Privatsender TVN am Sonntag. Der TV-Sender publizierte Recherchen des Journalisten Michal Gutowski.
Demnach soll Wojtyla Priester seiner Diözese, über deren Taten er informiert war, in andere Gemeinden versetzt haben. Dies, um Skandale zu vermeiden.
Einer der Priester wurde demnach vom späteren Papst nach Österreich geschickt. Kardinal Wojtyla habe für ihn ein Empfehlungsschreiben an den Wiener Kardinal Franz König geschrieben. Darin seien die Vorwürfe gegen den Priester nicht erwähnt gewesen.
Wie AFP weiter ausführt, sprach Gutowski für seine Recherchen mit Opfern pädophiler Priester, deren Angehörigen und ehemaligen Angestellten der Diözese. Er stützte sich auch auf Dokumente der ehemaligen kommunistischen Geheimpolizei SB und Dokumente der Kirche.
Die Diözese Krakau habe ihm allerdings den Zugang zu ihren Archiven verweigert, sagte der Journalist im Privatsender TVN. Die katholische Kirche in Polen habe sich bereits in der Vergangenheit geweigert, Dokumente herauszugeben – selbst an die Justiz oder an eine öffentliche Kommission, die Missbrauchsfälle untersuchte.
Ein Zeuge, der anonym bleiben wollte, bestätigte im TV-Bericht, er habe Kardinal Wojtyla persönlich von pädophilen Handlungen eines Priesters im Jahr 1973 berichtet. «Wojtyla wollte zuerst sichergehen, dass es sich nicht um Bluff handelt», sagte der Zeuge. «Er sagte, er würde sich darum kümmern und bat, es nirgendwo zu melden.»
Thomas Doyle, ein ehemaliger katholischer Priester aus den USA, nannte die Enthüllungen des polnischen Journalisten «revolutionär». Sie zeigten, «was viele Menschen schon seit Jahren vermutet haben: dass Johannes Paul II. von diesem Problem wusste, bevor er Papst wurde», sagte der Experte für Kirchenrecht, der als einer der Ersten über Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche in den USA berichtet hatte. (kath.ch)
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