«Fast wie bei einer Modeschau»: Weihbischof Josef Stübi berichtet vom Mitra-Shoppen in Rom

Seit einer Woche ist Josef Stübi Weihbischof des Bistums Basels. Für ihn war klar: Das Familienwappen soll Teil des Bischofswappens sein. Ein Gespräch über den Adler im Wappen, das Mitra-Shoppen in Rom – und warum er mit einem kaputten Rosenkranz Auto fährt.

Jacqueline Straub

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Bischofswappen?

Josef Stübi*: Sehr. Ich habe bislang auch nur positive Rückmeldungen erhalten. Erst im Nachhinein habe ich gemerkt, was alles in meinem Bischofswappen steckt.

Was ist auf Ihrem Bischofswappen zu sehen?

Stübi: Für mich war von Anfang an klar, dass mein Familienwappen eine zentrale Rolle spielen wird. Mein Familienwappen besteht aus dem stilisierten Adlerkopf (schwarz auf goldenem Grund) und der Schwinge verbunden mit dem Fuss (gold auf schwarzem Grund).

Wie alt ist Ihr Familienwappen?

Stübi: Schon im 18. Jahrhundert wurde das Wappen verwendet. Was es bedeutet, wie alt genau es ist oder warum ausgerechnet ein Adler verwendet wurde, weiss ich leider auch nicht.

«Die Brauerei Ganter hat auf ihrem Schild ein sehr ähnliches Wappentier.»

Der stilisierte Adlerkopf ist Ihnen auch schon in Deutschland begegnet.

Stübi: Ich besuchte vor einiger Zeit ein Gasthaus in Freiburg im Breisgau. Dort gab’s Ganterbier. Mir fielen sogleich die Bierdeckel auf. Die Brauerei Ganter hat auf ihrem Schild ein sehr ähnliches Wappentier wie der Kopfteil des Adlers auf meinem Wappen.

Was haben Sie daraufhin gemacht?

Stübi: Ich habe gefragt, ob ich einen Bierdeckel mitnehmen dürfe. Sie gaben mir einen ganzen Stapel davon mit. Ich habe dann meine Familie mit solchen Bierdeckeln beliefert. Inzwischen weiss ich, dass der Adler gerne als Wappenvogel verwendet wurde.

Der Adler kommt öfter in der Bibel vor. Was verbinden Sie mit diesem Tier?

Stübi: Spontan kommt mir die zweite Strophe des Kirchenliedes «Lobe den Herren» in den Sinn. Dort heisst es: «Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der wie auf Flügeln des Adlers dich sicher geführet…».

Im Wappen finden sich auch die Farben blau und weiss. Wofür stehen diese?

Stübi: Die Teile oben rechts und unten links bilden zusammen das Wappen von Dietwil. Dort bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ebenfalls bin ich dort kirchlich sozialisiert worden. Das Oberfreiämter Dorf Dietwil liegt im Kanton Aargau, der die Farben schwarz-weiss-blau hat – somit ist auch mein Herkunftskanton sichtbar.

«Maria hat in meiner Spiritualität eine wichtige Stellung.»

Ihr Heimatort Rothenburg liegt aber in Luzern.

Stübi: Das ist korrekt. Das Luzerner Wappen ist weiss-blau. Diese Farben finden sich auch in meinem Bischofswappen. Ich bin in Luzern zur Welt gekommen und war immer schon eng mit Stadt und Kanton verbunden. Meine Grosseltern sind anfangs letzten Jahrhunderts aus einer luzernischen Nachbargemeinde nach Dietwil gezogen. Zudem habe ich im Kanton Luzern, in Hochdorf, als Pfarrer gewirkt.

Was steckt noch in Ihrem Bischofswappen?

Stübi: Im Wappen von Dietwil ist auf dem weissen Teil ein kreuzförmiger Schildbeschlag zu sehen. Dieser stammt vom Wappen der Herren von Eschenbach, den Stiftern der ersten Dietwiler Kirche (vor 1145). Dieses Symbol findet sich auch im Wappen der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach. Ursprünglich war es wohl ein religiöses Motiv und kann nun auf meinem Bischofswappen wieder dahingehend interpretiert werden.

Die Farbe Blau steht für Maria. Welche Rolle spielt die Mutter Gottes für Sie?

Stübi: Die Stadtkirche Baden ist eine Muttergotteskirche. In einer Muttergotteskirche, in Windisch, wurde ich zum Priester geweiht. Maria hat in meiner Spiritualität eine wichtige Stellung. Es freut mich, dass ihre Farbe – blau – in meinem Bischofswappen aufscheint. Ich habe auch immer einen Rosenkranz in meiner Hosentasche und bete diesen auch gerne mal unterwegs, zum Beispiel wenn ich im Auto sitze.

«Seit Jahren habe ich einen kaputten Rosenkranz im Auto.»

Wenn Sie den Rosenkranz während des Autofahrens beten: Haben Sie keine Angst, dass der Rosenkranz am Lenkrad hängen bleibt?

Stübi: Seit Jahren habe ich einen kaputten Rosenkranz im Auto, der eigentlich nur noch eine Schnur ist – also kein zusammenhängender Gebetskranz mehr. So kann sich auch nichts im Lenkrad verheddern.

Diese Woche ist Sitzung der Schweizer Bischofskonferenz: Welches Dossier möchten Sie innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz gerne wahrnehmen?

Stübi: Damit habe ich mich noch nicht befasst. Ich bin offen und schaue mir am Montag genau an, welche Themen es gibt.

Ihr Wahlspruch lautet «Hoffnung leben». Normalerweise sind Wahlsprüche auf lateinisch.

Stübi: Deutsch ist unsere Sprache. Der Spruch ist kurz, zwei Worte. Auf dem Bischofswappen sind Hut und Quaste zu sehen, welche das Wappen umgeben in grün. Diese Farbgestaltung ist vorgegeben. Passt aber gut. Die Farbe Grün steht auch für Hoffnung – und umrahmt mein Wappen.

Über’s Ganze gesehen kann mein Bischofwappen familiär, biographisch und auch spirituell betrachtet werden.

Bischof Joseph Bonnemain hat auf ein Wappen verzichtet. Warum war Ihnen das wichtig? Die Zeit der Fürstbischöfe ist doch vorbei!

Stübi: Diese Frage «Wappen ja oder nein?» hat sich mir gar nicht gestellt. Für mich gehört das Wappen einfach dazu.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Bischofsring ausgewählt?

Stübi: Er ist schlicht, schön und stellt, wie der Name Konzilsring sagt, einen Bezug zum II. Vatikanischen Konzil dar. Papst Paul VI. hat am Ende dieses Konzils, im Jahre 1965, allen Bischöfen, welche daran teilgenommen haben, diesen Ring geschenkt. Er steht heute als Bischofsring zur Verfügung und wird auch von zahlreichen Bischöfen getragen.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Bischofsstab ausgewählt?

Stübi: Nach meiner Ernennung begann ich mich auch mit Fragen zu beschäftigen, die mir vorher fern waren, also auch mit der Frage des Bischofsstabes. Dabei kam mir der ehemalige Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, in den Sinn. Der liess seinen Bischofsstab aus dem Holz eines Eichenbalkens vom Bauernhof seiner Familie schnitzen. Das hat mich damals, es war im Jahre 1982, sehr beeindruckt und berührt. Ich bin ja auch auf einem Bauernhof aufgewachsen. Aber so weit wie er wollte und konnte ich nicht gehen.

«In Rom wurden mir einige Bischofsstäbe gezeigt, die mir alle nicht so behagten.»

Es ging ja dann alles plötzlich ziemlich schnell. In Rom wurden mir einige Bischofsstäbe gezeigt, die mir alle nicht so behagten. Plötzlich holte der Verkäufer eine Krümme, also den oberen, gekrümmten Teil eines Bischofsstabes hervor. Dieser war aus Holz, was mich auf Anhieb sehr angesprochen hat. Wir liessen dann den ganzen Stab kommen und zusammensetzen. Für mich war klar: Das ist mein Bischofsstab.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Mitra ausgewählt?

Stübi: Fast wie bei einer Modeschau. Auf meiner Einkaufstour in Rom wurde ich ja begleitet. Dafür war ich sehr froh. Wir betraten eines der zahlreichen Geschäfte für Priester- und Bischofsausstattungen. Dort sahen wir ein ganzes Sortiment von Mitren. Ich setzte mir eine nach der andern auf. Die Grösse musste natürlich auch stimmen. Nach einhelliger Meinung jener, die mit dabei waren, und auch der Verkäuferin im Geschäft, war dies die schönste und auch jene, welche am besten auf meinen Kopf passte. Mir gefällt sie auch – und sie ist angenehm zu tragen.

* Josef Stübi (61) ist neuer Weihbischof des Bistums Basel. Zuvor war er Pfarrer von Baden, wo er noch bis Ende März tätig ist und weiterhin Aushilfen vornehmen wird.


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