Ein indischer Bischof soll eine Ordensschwester vergewaltigt haben. Vor Gericht wurde er wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Vorerst, denn das Verfahren ist noch hängig. Eine Gruppe indischer Schwestern kritisiert die einseitige Parteinahme des Papstes für den Bischof und fehlendes Interesse am Opfer.
Jacqueline Straub
Vor wenigen Tagen erreichte Papst Franziskus ein Brief mit dem Betreff: «Besorgnis der indischen katholischen Frauen bezüglich des Falles von Bischof Franco Mulakkal». Verfasst wurde er von «Sisters In Solidarity». Dabei handelt es sich um eine katholische Gruppe bestehend aus 20 Frauen.
Sie seien «erschüttert» gewesen, als sie erfahren haben, dass Bischof Franco Mulakkal Papst Franziskus besucht hatte. Seit 2013 ist Franco Mulakkal Bischof von Jalandhar im nordwestindischen Bundesstaat Punjab.
Ihm wurde die mehrfache Vergewaltigung einer Nonne vom Orden der Missionare Jesu in einem Kloster in Kerala zwischen 2014 und 2016 vorgeworfen. Auch eine weitere Ordensfrau wirft dem Bischof sexuelle Übergriffe vor. Der Bischof bestreitet die Vorwürfe.
2019 wurde er festgenommen. Nach drei Wochen wurde er gegen eine Kaution und Reiseauflagen wieder freigelassen. Im Januar 2022 kam es zu einem Gerichtsverfahren. Dort wurde Mulakkal wegen Mangel an Beweisen freigesprochen. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt.
Obwohl das Verfahren also noch läuft, soll Papst Franziskus bei einem Treffen in Rom dem mutmasslichen Sexualstraftäter gesagt haben, dass er «froh sei, zu hören, dass der Bischof den Prozess gewonnen» habe, berichteten verschiedene Medien. Papst Franziskus soll ihn sogar «für seine Leiden getröstet haben». Vom Vatikan gibt es hierzu weder eine Bestätigung noch ein Dementi.
Die Verfasserinnen machen in ihrem Brief Papst Franziskus darauf aufmerksam, dass der Fall noch nicht abgeschlossen sei. Denn sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die betroffene Nonne haben Berufung eingelegt.
Die Ordensschwestern sind enttäuscht darüber, dass Papst Franziskus den mutmasslichen Vergewaltiger tröste, es aber versäumt habe, «den Schmerz und das Trauma der Schwester» zu sehen. Obwohl sich die Schwester an Papst Franziskus gewandt habe, hätte sich niemand in Rom um sie gekümmert, kritisieren die Ordensschwestern in ihrem Solidaritätsschreiben.
Die Frauengruppe bittet Papst Franziskus, das Urteil der letzten Berufungsinstanz abzuwarten, bevor über die Zukunft des angeklagten Bischofs entschieden wird.
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