Antonia Fässler ist Co-Präsidentin des Seelsorgerates im Kanton Schwyz. Sie reagiert in einem Leserbrief auf die Kritik von Dekan Rudolf Nussbaumer am Verhaltenskodex des Bistums Chur. «Es sollte es doch möglich sein, dieses Dokument friedlich zu unterschreiben», findet Antonia Fässler.
«Lieber Ruedi, ich habe den Verhaltenskodex, den du in deinem Leserbrief ansprichst, ebenfalls gelesen. Auf Seite 3 im Vorwort steht: «Der Verhaltenskodex soll als Instrument der Machtreflexion und Qualitätsentwicklung Grundlagen für ein im Alltag verankertes, vorausschauendes und gemeinsames Risikomanagement rund um Machtmissbrauch schaffen … Alle kirchlichen Institutionen und ihre Akteure stehen in der Verantwortung, die hier vorgelegten Massnahmen zu besprechen und umzusetzen. Macht zwingt zu Reflexion, Achtsamkeit, Sorgfalt und Transparenz, da in Machtgefällen Grenzverletzungen und Übergriffe jeglicher Form besonders schwer wiegen. Macht erfordert verantwortliches Handeln – der Verhaltenskodex stärkt alle in ihrem Lernprozess.»
Gegen diese Formulierungen hast du ja auch nichts einzuwenden. Auch in der Schule und anderen Institutionen und Arbeitsorten, wo Menschen miteinander arbeiten und leben, gibt es Leitlinien für einen respektvollen Umgang, zu dem sich die Arbeitnehmenden verpflichten. In diesem kirchlichen Verhaltenskodex geht es aber neben der Verhinderung von Missbrauch in diversen Formen auch um respektvollen und toleranten Umgang mit allen Menschen, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft.
Ich glaube, es tut der Institution Kirche gut, dass dieser Kodex mit einem Aussenblick durch Karin Iten und Stefan Loppacher erarbeitet wurde. Denn was an anderen Orten kein Problem darstellt, sollte doch auch in der Institution Kirche möglich sein.
Das von oben geprägte Kirchenbild ist für die seelsorgerisch Tätigen an der Basis nicht immer förderlich. Deshalb werte ich diesen Kodex als einen Schritt in die richtige Richtung. Und wenn LBGTQ-Menschen nicht der kirchlichen Lehre entsprechen, dann sollten wir uns dafür einsetzen, dass die kirchliche Lehre angepasst wird und nicht umgekehrt.
Unter dem Aspekt, dass der Verhaltenskodex eine offene und verbindliche Kultur der «Besprechbarkeit» und Transparenz auf allen Hierarchiestufen der Kirche unterstützt, sollte es doch möglich sein, dieses Dokument friedlich zu unterschreiben.»
Antonia Fässler ist Co-Präsidentin des Seelsorgerates im Kanton Schwyz. In einem Leserbrief im «Boten der Urschweiz» reagiert sie auf die Kritik von Dekan Rudolf Nussbaumer am Verhaltenskodex des Bistums Chur. (rr)
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