Im November wurde in der Turmkugel der reformierten Kirche in Illnau-Effretikon ZH eine Zeitkapsel gefunden. Darin ein Brief von 1963, in dem der damalige Pfarrer seine Gedanken zum Zeitgeschehen festhielt – unter anderem zur Spannung zwischen Ost und West.
Barbara Ludwig
Bei einer Sanierung des Turmkranzes wurde im vergangenen November in der goldenen Turmkugel der reformierten St. Martinskirche in Illnau-Effretikon eine Blechbüchse mit Zeitdokumenten gefunden.
Die sogenannte Zeitkapsel enthielt mehrere Dokumente, wie die Stadt am 24. Januar mitteilte. Nebst dem Gemeinderat der politischen Gemeinde hinterliess auch der damalige Pfarrer, Ernst Bachmann, der Nachwelt eine Nachricht.
Für seinen Brief verwendete Bachmann Tinte auf Pergament. Dies geht aus einer Mitteilung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Illnau-Effretikon hervor, die das Schreiben vom 1. August 1963 im Wortlaut dokumentierte.
Zunächst ging der Pfarrer auf das Wetter des laufenden Jahres und die Probleme der Landwirtschaft ein. Dann thematisierte er die Hochkonjunktur und das starke Wachstum der Kirchgemeinde, um schliesslich die globale politische Lage zu kommentieren.
«In der grossen Welt hat die Spannung gegenwärtig etwas nachgelassen.»
Pfarrer Ernst Bachmann
«In der grossen Welt hat die Spannung gegenwärtig etwas nachgelassen. ‹Ost› und‹West› führen wieder einmal Gespräche am runden Tisch», hielt Bachmann fest. Wenige Tage später, am 5. August 1963, unterzeichneten die USA, die Sowjetunion und Grossbritannien dann tatsächlich einen Vertrag, der oberirdische Kernwaffenversuche verbietet. Das Abkommen markierte den Beginn für ein System der nuklearen Abrüstung.
Jedoch erwähnte der Pfarrer weitere besorgniserregende Entwicklungen wie die Unterernährung eines grossen Teils der Weltbevölkerung, Naturkatastrophen oder das kommunistische China, das «im Hintergrund» lauere. Den Brief schloss er mit einem Gebet und Worten, die der christlichen Hoffnung Ausdruck geben. «Der Allmächtige hält alle Fäden in der Hand, und Er wird das letzte Wort sprechen. Das gibt uns Hoffnung und Zuversicht.»
Im März wird die frisch renovierte Turmkugel wieder auf dem Kirchturm montiert. Vor der Montage, am 12. März, feiert die reformierte Kirchgemeinde ein «Knopffest» (Knopf steht für Turmkugel). An diesem Sonntag wird die Zeitkapsel von 1963 und eine neue Zeitkapsel für das Jahr 2023 in die Turmkugel gelegt, heisst es in der Mitteilung der Kirchgemeinde.
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