Der Bischof von Chur, Joseph Bonnemain, hat am Sonntag vier neue Domherren installiert. Er warb für eine diakonische Kirche und für den synodalen Prozess. Das Jahr 2024 solle ein diözesanes Erneuerungsjahr werden. Erneut fehlten im Gottesdienst Kathedralpfarrer Gion-Luzi Bühler und Domherr Martin Grichting. Roland Graf indes war anwesend.
Raphael Rauch
Die denkwürdige Sitzung des Churer Domkapitels ist schon mehr als zwei Jahre her – doch nach wie vor tun sich im Bistum Chur Abgründe auf.
Letztes Jahr schwänzten gleich mehrere Domherren die Installation der neuen Domherren. Auch am Sonntag glänzten Kathedralpfarrer Gion-Luzi Bühler und der ehemalige Generalvikar Martin Grichting mit Abwesenheit. Bühler sieht in Bonnemain die «grösste Priesterenttäuschung» seines Lebens, Grichting versuchte Bonnemain als Bischof zu verhindern. Was der vom Domkapitel finanzierte Priester inzwischen macht, ausser Klimaaktivisten in der NZZ zu kritisieren, weiss niemand so genau. Domherr Roland Graf indes war am Sonntag anwesend. Er zählt zu den Kritikern des neuen Verhaltenskodex des Bistums Chur.
«Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden»: Vielleicht dachte Bischof Joseph Bonnemain beim Evangelium der Seligpreisungen auch an die Zerwürfnisse im Bistum Chur.
Immerhin hat er mit der Ernennung der neuen Domherren das moderate und liberale Lager gestärkt. Gregor Barmet, Matthias Horat und Josef Zwyssig gelten als aufgeschlossene Seelsorger – und mit Ernst Fuchs hat Bonnemain sogar einen profilierten Kritiker von Altbischof Vituos Huonder und Ex-Generalvikar Martin Grichting ins Domkapitel berufen.
Wie schon im letzten Jahr nutzte Bischof Joseph Bonnemain die Installation der neuen Domherren, um für eine diakonische Kirche zu werben. «Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben» – Bonnemain forderte für das Bistum Chur einen diakonischen Kompass.
Zugleich warb er für den synodalen Prozess: «Die Synodalität ist nichts anderes, als gemeinsam unterwegs zu sein und zwar in dieselbe Richtung.» Bonnemain erinnerte an die «Leidenschaft für die Evangelisierung», an den «apostolischen Eifer» und an die «Mission», die Papst Franziskus am Herzen liegen.
«Im Synodalen Prozess brauchen wir die Stimme der Obdachlosen, der Flüchtlinge, der Migranten, der Nackten, der Hungrigen und Durstigen, der Kranken, der Gefangenen und all jenen, die üblicherweise keine Stimme haben», sagte Bonnemain.
Der Bischofsrat überlege, das Jahr 2024 zu einem «diözesanen Erneuerungsjahr» auszurufen. «Es geht darum, während eines Jahres unser christliches und kirchliches Leben zu intensivieren, indem wir uns auf diese drei eng miteinander verbundenen Dimensionen fokussieren: Synodalität, Diakonie und Evangelisierung», sagte Bonnemain. Dabei zähle er auch auf das Engagement der Domherren.
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