Die katholische Kirche schreibt vor, dass nur ein Priester das Sakrament der Busse und Versöhnung spenden darf. Im mittelalterlichen Spanien war das anders: Die Äbtissin von Las Huelgas (1205-1230), Sancha Garcia, nahm ihren Nonnen die Beichte ab und verkündete öffentlich das Evangelium. Sehr zum Ärger des Papstes.
Annalena Müller*
Als Sancha Garcia 1205 den Äbtissinnen-Thron von Las Huelgas bestieg, verfügte sie als Äbtissin über eine Machtfülle, die ihresgleichen in Spanien suchte. Der regierenden Äbtissin von Las Huelgas oblagen insgesamt 23 Rechte, die sonst nur Bischöfen zustanden. Ihr unterstand der Klerus in 70 Pfarreien. Sie ernannte Pfarrer und Kapläne und berief diese auch wieder ab. Sie erteilte ihnen die Vollmacht zum Feiern der Messe und zum Hören der Beichte.
Ausserdem hielt sie Synoden ab, denen sie auch vorstand. Sie ernannte die Richter des kirchlichen Ehegerichts und sie konnte selbst dispensieren, wenn ein Ehehindernis vorlag, zum Beispiel wegen Blutsverwandtschaft. Ihr städtischer Nachbar, der Bischof von Burgos, hatte auf den Gebieten der Abtei selbst keinerlei Autorität.
Unter den so mächtigen Äbtissinnen von Las Huelgas sticht Sancha Garcia nochmals heraus. Aus einem Schreiben von Papst Innozenz III. an verschiedene Kirchenprälaten wissen wir, dass Sancha nicht nur Kleriker ernannte, sondern selbst liturgische Praktiken ausübte. Die Äbtissin nämlich segnete ihre Nonnen ein, nahm ihnen die Beichte ab und verkündete öffentlich das Evangelium. Diese Handlungen aber waren Priestern vorbehalten und entsprechend befahl der Papst in seinem Schreiben der Äbtissin, dies künftig zu unterlassen. Ob sich Sancha an das päpstliche Verbot hielt, ist nicht bekannt.
* Die Historikerin Annalena Müller forscht an der Uni Freiburg zur wirtschaftlichen und politischen Macht von Äbtissinnen und Frauenklöstern im mittelalterlichen Europa.
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