Zwölf eigenwillige Töchter Gottes: St. Radegund war Königin, Diakonin, Heilige

Frauen haben in der Geschichte der Kirche und des Glaubens seit jeher mitgemischt. Sie waren Apostelinnen, Klostergründerinnen, Befreierinnen und Philosophinnen. Sie haben Grenzen ausgetestet und diese (bewusst) übertreten. kath.ch stellt zwölf Beispiele vor. Heute: St. Radegund, die von der Königin zur Diakonin wurde.

Annalena Müller*

Radegund wurde als Tochter eines thüringischen Königs geboren und im Zuge politischer Abkommen als etwa Zehnjährige dem mächtigen Frankenkönig Chlothar I. zur Braut gegeben.

Lieber Diakonin als Königin

An dessen Hof wurde sie christlich erzogen und erhielt eine umfangreiche Bildung. Im Gegensatz zum Leben an der Seite des mächtigen fränkischen Herrschers, das von Gewalt, Morden und Hofintrigen gekennzeichnet war, sagte Radegund das Christentum sehr zu. 

Um 550 floh die Königin vom Hof in Péronne nach Noyon, wo sie die Diakoninnenweihe erhielt und damit in den geistlichen Stand wechselte. Von Noyon reiste sie weiter nach Poitiers, wo sie das Kloster Sainte-Croix gründete, dem sie auch selbst beitrat. 

Hochadelige Frauen konnten in der Kirche Karriere machen

Für ihre Gemeinschaft wählte Radegund die Regel ihres Zeitgenossen, Caesarius von Arles (+542). Erst im Laufe des 9. Jahrhunderts nahmen die Nonnen von Ste. Croix die Benediktsregel an, welcher die Gemeinschaft bis heute folgt. Auch die erste Äbtissin von Ste. Croix ernannte die geistliche Königin – Agnes von Poitou (+588). 

Heute wären Weihe, Klostergründung und Klosterregelauswahl nicht mehr denkbar. Für hochadelige Frauen in der alten Kirche war das jedoch nicht ungewöhnlich.

Chlothar I. akzeptierte den Schritt seiner Gattin

Nach anfänglichem Widerwillen akzeptierte Chlothar I. übrigens den Schritt seiner Gattin. Er stiftete ihrem Kloster zahlreiche Güter und stellte es unter seinen persönlichen Schutz.

* Die Historikerin Annalena Müller forscht an der Uni Freiburg zur wirtschaftlichen und politischen Macht von Äbtissinnen und Frauenklöstern im mittelalterlichen Europa.


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