Diakonin, Priesterin, Bischöfin: Felix Gmür will in Prag über die Ordination von Frauen sprechen

Dreikönigs-Apéro in Zürich: Bischof Felix Gmür will im synodalen Prozess über die Ordinationsfrage diskutieren. Also ob Frauen Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen werden können. Er verteidigt seinen Liturgie-Brief und wirft den Medien vor, Mitarbeitende gegen ihre Bischöfe aufzuhetzen. Einzelne Frauen reagieren im Saal mit «Dona nobis pacem»-Gesang.

Barbara Ludwig

Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, will am Europa-Treffen des synodalen Prozesses in Prag das Thema «Frauen in verantwortungsvollen Positionen» diskutieren – «und auch die Frage der Ordination an sich». Das sagte Gmür am Dienstagabend beim Dreikönigs-Apéro des Katholischen Medienzentrums und der Paulus-Akademie in Zürich. Dabei sprach er von der Ordination von Diakoninnen, Priesterinnen – und auch von Bischöfinnen.

«Exklusion-Inklusion»

Weiter will der Basler Bischof in Prag das Thema «Exklusion-Inklusion» aufs Tapet bringen. «Die Kirche wird von vielen wahrgenommen als eine Institution, die ausschliesst», sagte Gmür und zählte auf: Frauen, LGBTQI, Migrantinnen und Migranten, Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig seien. 

Im Gespräch mit Raphael Rauch, Redaktionsleiter von kath.ch, kritisierte der Basler Bischof die Berichterstattung von kath.ch über den umstrittenen Liturgie-Brief der Deutschschweizer Bischöfe an die Seelsorgenden. In dem Schreiben, das am 5. Januar verschickt wurde, ermahnten Gmür, Joseph Bonnemain und Markus Büchel die Seelsorgenden, sich an liturgische Regeln zu halten.

Bischof Felix Gmür ist sauer auf kath.ch

Auf dem Newsportal hatten sich nebst dem Redaktionsleiter mehrere Akteurinnen und Akteure kritisch zum Liturgie-Brief geäussert. Wörtlich sagte Gmür: «Ich bin sauer.» Der Basler Bischof ist der Ansicht, dass hier etwas «hochgeschaukelt» werde. Die Medien hetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen ihre Bischöfe auf, lautet der Vorwurf. Das sei «reine Manipulation», so Gmür. «Mich macht nachdenklich, wie viele Leute auf diese Manipulation einsteigen. Das finde ich richtig schlimm.»

Die Bischöfe hätten bewusst das Medium Brief gewählt, da es sich um «eine ernste Sache» handle. «Wenn man einen Brief bekommt, liest man ihn und denkt darüber nach», forderte Gmür. Dieses Nachdenken vermisse er in den kritischen Voten. 

Einzelne Frauen reagieren mit «Dona nobis pacem»

Dass niemand über das in dem Brief thematisierte theologische Argument nachdenke, mache ihn nachdenklich, sagte der Bischof. Das theologische Argument laute: Die römisch-katholische Kirche hält aus Glaubensgründen daran fest, dass es zum Vorsitz bei der Eucharistiefeier einen Priester braucht. «Von mir aus kann es auch eine Priesterin sein», sagte Gmür. Mehrere anwesende Frauen reagierten auf diesen Kommentar, indem sie hinten im Saal leise «Dona nobis pacem» sangen.

Auch der Churer Bischof Joseph Bonnemain nahm als Gast auf dem Podium Stellung zum Liturgie-Brief. Ohne Umschweife sagte er zu Raphael Rauch: «Ich bin in Sorge – wegen Ihnen.» Der Brief an die Seelsorgerinnen und Seelsorger sei kein Fehler gewesen, so der Bischof. Er kündigte an, er wolle mit Bischof Markus Büchel und Bischof Felix Gmür in den kommenden Wochen das Gespräch mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern suchen. In welcher Form, liess er offen.

Friedensgebet in Bern

Bonnemain betonte, es gebe wichtigere Themen, mit denen man sich befassen sollte – etwa den Krieg in der Ukraine. Bonnemain wies auf ein Friedensgebet hin, das die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in der Schweiz (AGCK) nach einem Jahr Krieg am 24. Februar in Bern durchführen wird. Auch warb er für eine diakonische Kirche. Warum davon im Neujahrsbrief nicht die Rede ist, sagte er nicht.

Der Einsiedler Abt Urban Federer berichtete als dritter Gast des geistlichen Standes, warum er nicht mehr auf Twitter und Facebook aktiv sei. Er langweile sich an der Kultur der Empörung, die sich auf den beiden Netzwerken breitgemacht habe. Dort würden sich zudem immer dieselben Personen zu Wort melden, sagte Federer.

Instagram passt besser zur Barockwelt der Innerschweiz

Aus diesen Gründen ziehe er Instagram vor, wo Fotos und Videos geteilt werden. Das Kloster habe damit gute Erfahrungen gemacht. Das Medium ermögliche, neue Räume zu öffnen – etwas, das auch das Kloster anstrebe. Auf Instagram erreiche das Kloster zudem Menschen, mit denen es sonst nicht in Kontakt käme. Auch passe das Bildmedium Instagram zur Barockwelt der Innerschweiz.

Den verstorbenen Benedikt XVI. würdigte Urban Federer als bedeutenden Theologen. Er selber vermisse zurzeit die Auseinandersetzung mit theologischen Themen.

Katholische Priesterinnen in Washington

Ausser den drei Mitgliedern der Schweizer Bischofskonferenz berichteten die Journalistinnen Isabel Pfaff («Süddeutsche Zeitung»), Fabienne Riklin («Tagesanzeiger») und Fabienne Kinzelmann («Handelszeitung») über Berührungspunkte mit Religion in der Berichterstattung.

Für die Medienschelte der Bischöfe hatte Fabienne Riklin kein Verständnis: Es sei wichtig, über alle Konflikte in den Bistümern zu berichten. Fabienne Kinzelmann wies darauf hin, dass sie in Washington katholische Priesterinnen kennen gelernt habe, die ganz selbstverständlich Eucharistie feierten.

Sternsinger von Horgen in Zürich

Zu Beginn und Ende der Talk-Runde sangen Sternsingerinnen und Sternsinger aus Horgen. Sie machten darauf aufmerksam, wie viele Kinder auf der Welt unter Menschenrechtsverletzungen litten – und brachten die Sehnsucht nach Frieden zum Klingen. 


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