Josef Hochstrasser zur WM: «Jesus hat niemanden boykottiert, er hat mit jedem Menschen gesprochen»

Am Sonntag startet die Fussball-WM in Katar. Viele Menschen wollen den sportlichen Grossevent wegen Menschenrechtsverletzungen boykottieren. Der pensionierte reformierte Pfarrer Josef Hochstrasser (75) findet, es sei ein «Muss», die WM anzuschauen.

Wolfgang Holz

«Ja, selbstverständlich kann man die Fussballweltmeisterschaft in Katar verfolgen und anschauen. Es ist sogar ein Muss. Denn aus psychologischer Sicht sollte man niemals den Kontakt zu anderen Menschen abbrechen», sagt der frühere katholische Priester. «Man sollte immer in Kontakt miteinander bleiben.»

Vorbild Jesu

Insbesondere aus theologischer Sicht befürwortet der inzwischen verheiratete und reformierte Pfarrer das Anschauen der Fussballweltmeisterschaft in dem Wüstenstaat. «Wie wir von Jesus in der Bibel erfahren, hat er nie andere Menschen boykottiert. Im Gegenteil, er hat stets mit jedem gesprochen.» Jesus von Nazareth sei der Ball, der im Zentrum stehen müsse.

«Das ist sehr tragisch, was da passiert ist. Aber wenn wir die WM boykottieren, werden diese Menschen auch nicht wieder lebendig.»

Josef Hochstrasser, reformierter Pfarrer

Aber was ist mit den Tausenden von Toten, die bei den Bauarbeiten der Stadien ums Leben kamen? «Das ist sehr tragisch, was da passiert ist. Aber wenn wir die WM boykottieren, werden diese Menschen auch nicht wieder lebendig», sagt Hochstrasser, der noch in Steinhausen ZG Gottesdienste feiert.

Trotzdem Zeichen setzen

Man müsse und könne aber durchaus Zeichen setzen. Hochstrasser glaubt zwar nicht, dass die Fans bei den Spielen etwas bewirken werden gegen die menschrechtsverletzende Regierung in Katar.

«Einen Sinneswandel können eher die Spieler bewirken.»

Josef Hochstrasser

«Einen Sinneswandel können eher die Spieler bewirken, indem sie mit kleinen Nadelstichen Zeichen für mehr Menschlichkeit setzen» –  etwa wenn der Kapitän der Schweizer Nati, Granit Xhaka, eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde gegen Homophobie in Katar tragen würde. «Ich schaue mir die Spiele auswahlweise an», sagt Hochstrasser.

Freund von Ottmar Hitzfeld

Der Aargauer Geistliche Josef Hochstrasser ist mit dem ehemaligen Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld befreundet und hat auch eine Biographie über den berühmten Fussballcoach geschrieben.


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https://www.kath.ch/newsd/josef-hochstrasser-zur-wm-jesus-hat-niemanden-boykottiert-er-hat-mit-jedem-menschen-gesprochen/