Der Bau der Autobahnkirche von Herzog und de Meuron verzögert sich weiter

In Graubünden soll eine Autobahnkirche des Star-Architekten Jacques Herzog entstehen. Eigentlich sollte der Rohbau bis Ende 2022 fertig sein. Doch Corona brachte den Zeitplan durcheinander. Die Finanzierung ist nach wie vor nicht gesichert. Doch Pfarrer Jens Köhre verbreitet Optimismus.

Beate Laurenti

Wie ist die Idee entstanden, in Andeer eine Autobahnkirche zu bauen? 

Jens Köhre*: Dazu kam es durch ein Gespräch zwischen mir und dem Gemeindepräsidenten von Andeer. Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz keine Autobahnkirchen. Aus diesem Grund habe ich den Vorschlag gemacht. Daraus ist die Interessensgemeinschaft (IG) Autobahnkirche Andeer entstanden. Seit etwa sieben Jahren arbeiten wir an der Realisierung des Projekts. 

Warum soll ausgerichtet in Andeer eine Autobahnkirche entstehen?

Köhre: Dort hat es schon immer Wegkirchen gegeben. Manche sind zum Teil noch im Gebrauch als Gemeindekirchen, andere sind zerfallen. Zudem wissen wir von Fundamenten zwischen der Viamala- und der Roffla-Schlucht. Bevor Reisende solch schwierige Wegpassagen beschritten haben, sind sie in die Kirchen gegangen: zum Dank, zum Gebet oder zur Bitte. Wir nehmen das Konzept wieder auf und bauen die Autobahnkirche an den Ort, wo jetzt die A13 langführt.

Die ersten Pläne für den Bau gab es bereits im Februar 2020, ursprünglich sollte der Rohbau bis Ende 2022 stehen. Was hat den Prozess verzögert?

Köhre: Das liegt vor allem an der Corona-Pandemie und daran, dass viele Gespräche nicht stattfinden konnten.

Haben Sie inzwischen die Finanzierung gesichert? 

Köhre: Nein, wir sind noch mit dem Fundraising beschäftigt. Wir sind aber auf gutem Wege – dank grosszügiger Unterstützung von Institutionen. Das Projekt wird einige Millionen Franken kosten.

Wann sollen die Arbeiten beginnen? 

Köhre: Sobald wir das Geld zusammenhaben, teilen wir auch den Zeitplan mit. Ich würde mir wünschen, dass wir so bald wie möglich starten können.

Warum sprechen Sie von einer Autobahnkirche und nicht von einer Autobahnkapelle?

Köhre: Der Unterschied einer Kapelle und einer Kirche liegt darin, dass in einer Kirche regelmässig Gottesdienste gefeiert werden. Das ist in einer Kapelle nicht der Fall. Mit Blick auf die Form handelt es sich also eher um eine Kapelle. Der damalige Apostolische Administrator des Bistums Chur, Peter Bücher, hat uns den Hinweis gegeben, dass Kapelle doch etwas klein klingt. Deswegen nennen wir sie lieber Autobahnkirche, auch wenn sie die Funktion einer Kapelle hat: Der Ort soll der individuellen Spiritualität dienen.

Also sind hier keine Messen, Tauf- oder Hochzeitsfeiern möglich?

Köhre: Nein, dafür sind die Gemeindekirchen im Tal vorgesehen. Wir sind keine Kirchgemeinde, die Trägerschaft ist eine Stiftung. Dies hat auch mit dem ökumenischen Gedanken der Autobahnkirche zu tun. 

Was macht das Gebäude zu einer Kirche?

Köhre: Es wird ein Kreuz geben, eine Bibel, ein Anliegen-Buch und Kerzen. Diese Symbole hat auch das Team um Jaques Herzog in seine Architektursprache aufgenommen.

Wird es auch Weihwasser geben? 

Köhre: Das sind Details, über die wir noch nicht gesprochen haben.

Wie christlich darf die Kirche sein, wenn sie gleichzeitig einen universalen Anspruch haben soll und alle Reisenden ansprechen will? 

Köhre: Wir bauen eine christliche Kirche, die allen Menschen offensteht. Im Austausch mit anderen Autobahnkirchen-Betreibenden haben wir erfahren, dass sich ein eindeutiges Fundament, das den Ort trägt, bewährt hat. Unser Tal, das Schams, ist christlich geprägt. Die Mehrheit der Menschen ist Mitglied einer christlichen Kirche, deshalb ist das auch stimmig. In der Architektursprache hingegen ist die Kirche nicht erdrückend-missionarisch, sondern bietet Raum für Stille und Andacht. 

Wie viele Menschen können sich dort versammeln?

Köhre: Die Kirche soll ungefähr Platz für die Personenzahl eines Reisebusses bieten.

* Jens Köhre (49) ist reformierter Pfarrer in Flims GR. Er ist Vize-Präsident der «Stiftung Autobahnkirche Andeer – Val Schons», die die Autobahnkirche bauen will.


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