Im Tod sind alle Menschen gleich. Und doch fallen Gräber von Prominenten besonders auf. In der Schweiz gibt es zwar keine Friedhöfe wie Père Lachaise in Paris, wo viele Promis ihre letzte Ruhe fanden. Doch auch hierzulande gibt es einiges zu entdecken. Eine Übersicht.
Wolfgang Holz
«Jo, wir danken dir, uns stolz gemacht haben zu haben, Fribourgeois zu sein.» Diese Lobeshymne steht auf einem Zettel auf Französisch geschrieben und sticht am Grab sofort ins Auge. Die Posthum-Botschaft ist verziert mit einem Porträt des bereits mit 35 Jahren Verstorbenen, der einen Helm mit Schweizer Kreuz trägt.
Dabei muss man auf dem Friedhof St. Leonhard in Freiburg zunächst lange suchen, bis man das Grab des wohl legendärsten Schweizer Formel-1-Rennfahrers im hintersten Winkel findet. Die Rede ist von Jo Siffert. Er erstickte in seinem B.R.M.-Rennwagen nach einem Unfall in den Flammen im britischen Brands Hatch 1971. Bei seiner Beerdigung säumten rund 50’000 Menschen die Strassen in Freiburg.
Es gibt natürlich noch viele andere Prominente, die auf Schweizer Friedhöfen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die Schweiz kann zwar nicht mit einem Père Lachaise wie in Paris oder dem Zentralfriedhof in Wien mithalten.
Doch auch hierzulande gibt es einiges zu entdecken. Denn viele historische Persönlichkeiten wanderten in die Schweiz aus. Oder verbrachten ihren Lebensabend hier. Schriftsteller Paul Nizon spricht sogar von der Schweiz als Kulturfriedhof Europas. Als letzte Zuflucht von Intellektuellen.
Der Klassiker in diesem Zusammenhang ist wohl das Grab von James Joyce (1882–1941) in Zürich. Der avantgardistische Ire, der mit seinem «Ulysses»-Roman ein Werk schuf, das auch heute noch viele zu enträtseln versuchen, liegt auf dem Friedhof Fluntern begraben. Zusammen mit seiner Ehefrau Nora.
Der kirchenkritische Joyce war 1904 aus Irland wegen der politischen Situation auf der grünen Insel geflohen und liess sich in Zürich wegen eines Zwölffingerdarmgeschwürs behandeln. Hier ist er dann gestorben.
Obwohl sich zum Zeitpunkt des Begräbnisses zwei hochrangige irische Diplomaten in der Schweiz aufhielten, war kein irischer Offizieller beim Begräbnis anwesend. Eine Überführung seiner Gebeine in seine Heimat wurde damals abgelehnt. Dafür finden sich immer wieder Fans von Joyce an seinem Grab ein, der sich gerne in der Nähe des Zoos aufhielt.
Vor allem tauchen seine Fans am «Bloomsday» in Fluntern auf. An jenem 16. Juni 1904, an dem Joyce nicht nur seine Frau kennen lernte. Sondern der auch als einziger Tag in seinem «Ulysses» als Datum der Handlung figuriert – auf mehreren hundert Seiten.
Seine Anhänger feiern ihn dann oft feuchtfröhlich und drücken ihm ein Schnapsfläschchen in die Hand. Cheers! Übrigens: Auch Literaturnobelpreisträger Elias Canetti (1905–1994) hat in Fluntern seine letzte Ruhestätte.
Ach ja, all die Schriftsteller, die in der Schweiz begraben sind. Da ist etwa Georg Büchner (1813–1837), der steckbrieflich gesucht war und an Typhus litt. Der Dramatiker von «Woyzeck» und «Leonce und Lena» starb in Zürich und wurde im alten Friedhof Krautgarten beerdigt – an der heutigen Krautgartengasse. Seit dieser 1875 aufgehoben wurde, ruht Büchner am Germaniahügel am Zürichberg.
Natürlich ist das Familiengrab von Thomas Mann (1875–1955) eine absolute Sehenswürdigkeit auf dem beschaulichen Dorffriedhof in Kilchberg – mit idyllischem Alpenpanorama. Nicht nur, weil der «Zauberberg»- Schreibkünstler wahrscheinlich der deutsche Dichter ist, der wegen seiner literarischen Bedeutung gleich nach Goethe genannt werden muss.
Das Familiengrab illustriert, dass Streit in der Familie tatsächlich ewig dauern kann. Denn sein Sohn Golo Mann (1909–1994), der berühmte Historiker, weigerte sich, neben seinem autoritären «Über-Vater» im Grab Platz zu nehmen. Er ist etwa hundert Meter entfernt beerdigt – in einem Reihengrab. «Mephisto»-Revolutionär Klaus Mann (1906–1942) liegt noch weiter weg – in Cannes.
Aber auch Schweizer Dichter-Promis haben ihre Gräber hierzulande: Gottfried Keller (1819–1890) auf dem Zürcher Sihlfeld. Ebenso wie «Heidi»-Autorin Johanna Spyri (1827–1901) oder Hugo Loetscher (1929–2009). Die Asche von Max Frisch (1911–1991) wurde dagegen im Tessin verstreut.
Der Begründer des Roten Kreuzes, Henry Dunant (1828–1910), ruht ebenfalls im Zürcher Sihlfeld. Sein Grab ist dort unter den 52 Promis, die man mittels zweier Merkblätter treffsicher aufsuchen kann, das meist besuchte. Japanische Touris schmücken sein Grab mit traditionellen Girlanden.
Auch der deutsche Begründer der Sozialdemokratie, August Bebel, ruht auf dem Sihlfeld. Ganz klassenbewusst unter einem bescheidenen Basalt-Obelisk.
Welche Promis sind sonst noch auf Schweizer Friedhöfen zu entdecken? Das Grab der amerikanischen Krimi-Legende Patricia Highsmith (1921–1995) ist in Tegna im Tessin zu finden. Von 1981 an lebte sie dort, da ihr die Einkommensteuerveranlagung sowohl in den USA als auch in Frankreich offenbar gar nicht behagte.
Der russische «Lolita»-Skandalautor Vladimir Nabokov (1899–1977) ist derweil in Montreux beerdigt, wo er im politischen Exil zuvor mit Ehefrau Vera 16 Jahre lang im Palace-Hotel lebte.
Der italienische Dirigent Claudio Abbado (1933–2014) starb im Alter von 80 Jahren nach langem Krebsleiden zwar in Bologna. Begraben wurde er bei Sils Maria im Engadin. Auch Rainer Maria Rilke (1875–1926) ruht in der Schweiz.
Der an Leukämie erkrankte deutsche Dichter, der seinen gefangenen «Panther» im Gedicht entlang der Gitterstäbe entkräftet entlangtigern lässt, starb im Krankenhaus von Montreux.
Beerdigt wurde er im Wallis auf dem Burgfriedhof in Raron. Auf seinem Grabstein steht der von Rilke selbst verfasste und für den Grabstein ausgewählte, kryptische Spruch: «Rose, oh reiner Widerspruch, Lust / Niemandes Schlaf zu sein unter so viel / Lidern.»
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https://www.kath.ch/newsd/august-bebel-thomas-mann-patricia-highsmith-von-promi-grab-zu-promi-grab/