Mit dem Klimaschutz geht es viel zu langsam voran, findet der Berner Katholik Claus Noppeney (54). Er hat am Vormittag bei einer Sitzblockade von «Renovate Switzerland» seine Premiere als Umweltaktivist. Am Ende führt ihn die Polizei ab.
Silvan Beer
Frühmorgens treffen sich die Aktivistinnen und Aktivisten von «Renovate Switzerland» am Bahnhof von Renens. Sobald sie vollzählig sind, geht’s los zur dicht befahrenen Strasse.
Der Berufsverkehr soll für eine Weile unterbrochen werden. «Die Zeit läuft uns davon», sagt der Berner Katholik Claus Noppeney (54). Er ist zum ersten Mal bei einer solchen Aktion dabei. Ruhig geschlafen habe er letzte Nacht nicht. Seinen Kindern sei nicht ganz wohl dabei, dass sich der Papa plötzlich auf diese Weise engagiere.
Doch man könne nicht tatenlos zusehen, wenn so wenig getan werde, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. An diesem Morgen wird er mit Gleichgesinnten für seine Überzeugung kämpfen.
Möglichst unauffällig geht die Gruppe die Strasse entlang. Es soll niemand ahnen, was sich bald ereignen wird. Je mehr Zeit zwischen der Blockade und dem Eintreffen der Polizei vergeht, desto mehr Aufmerksamkeit könne generiert werden, erklärt die Gruppe.
Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Aktivistinnen und Aktivisten ziehen Leuchtwesten an. Sie entfalten ihre Transparente und unter dem sogleich einsetzenden Hupkonzert blockieren sie die Strasse. Der Verkehr kommt zum Stehen. Einzelne Autofahrer steigen aus und konfrontieren die Gruppe.
Viele verstehen die Störung nicht und ärgern sich über die Verzögerung. Es wird geschrien und gestritten. Stoisch sitzen die Streikenden mitten im Tumult und lassen die Aktion für sich sprechen. Einige gehen auf die aufgebrachten Leute zu und versuchen zu schlichten. Andere dokumentieren zusammen mit der Presse die Aktion.
Nach etwa 15 Minuten kommt die Polizei. Sie löst die Blockade auf. Ein Aktivist leistet passiven Widerstand und muss weggetragen werden. Zwei von ihnen haben sich mit der Hand auf den Asphalt geklebt. Es muss die Sanität gerufen werden, die den Klebstoff mit Salzwasser und Aceton mühselig löst. Anschliessend werden alle auf die Polizeiwache gebracht.
«Wir kämpfen transparent auf diesem Weg für unsere Forderungen.»
Chloé Magnan, 25
Unter ihnen ist auch Claus Noppeney. Das politische Engagement innerhalb der katholischen Kirche habe ihn geprägt, sagt er zu kath.ch. Er habe gerade erst wieder Auszüge aus «Laudato si’» gelesen, der Enzyklika des Papstes zum Umweltschutz.
«Wir kämpfen transparent auf diesem Weg für unsere Forderungen» sagt Chloé Magnan (25), die selbst bereits mehrere Male an Strassenblockaden teilgenommen hat.
«Renovate Switzerland» fordert vom Bundesrat sofortiges Handeln bei der thermischen Gebäudesanierung. Es sollen vier Milliarden Franken bereitgestellt werden, um 100’000 Menschen eine Umschulung im Baugewerbe zu finanzieren. Denn erst braucht es Fachkräfte, um die Schweizer Liegenschaften klimafreundlich zu machen.
Am Nachmittag teilt «Renovate Switzerland» kath.ch mit, dass alle Streikenden wieder auf freiem Fuss seien. Die Gruppe sei «sehr zufrieden mit der Aktion, jedoch ist das nur ein kleiner Teil eines grösseren Bestrebens». Es gehe um ein beständiges Engagement, damit eine klimafreundlichere Welt erreicht werden.
«Gegen 8.10 Uhr blockierten fünf Aktivistinnen und Aktivisten die Fahrzeuge an der Autobahnausfahrt Crissier in Richtung Lausanne.»
Kantonspolizei Waadt
Die Kantonspolizei Waadt bestätigt gegenüber kath.ch: «Gegen 8.10 Uhr blockierten fünf Aktivistinnen und Aktivisten die Fahrzeuge an der Autobahnausfahrt Crissier in Richtung Lausanne.» Der Einsatz sei friedlich verlaufen. «Wir konnten den Verkehr gegen 9.20 Uhr wieder freigeben», so die Kantonspolizei. Gegen die Aktivistinnen und Aktivisten sei Anzeige erstattet worden. Zugleich betont die Kantonspolizei: «Jede Situation wird proportional nach dem Prinzip der Deeskalation und des Dialogs geführt.»
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