«Gott ist die Liebe», Himmel, Halleluja: David Hockney zeigt in Luzern seine religiöse Seite

David Hockney wurde streng methodistisch erzogen. Doch er emanzipierte sich, outete sich als schwul und ging seinen Weg. Heute zählt er zu den berühmtesten Künstlern der Welt. Bis Ende Oktober zeigt das Kunstmuseum Luzern Bilder von David Hockney (85) – mit vielen spirituellen Bezügen.

Sabine Zgraggen*

«Gott ist der Raum um mich herum»: Dieses Zitat ist vielleicht ein indirekter Schlüssel zum Bildwerk David Hockneys. Seine Bilder sind farbenfroh und plakativ. Das Kunstmuseum Luzern zeigt Exponate, die zwischen 1955 und 2018 entstanden sind.

Homoerotische Bilder mit Codes statt Namen

Die Botschaft des berühmten Künstlers ist klar: Wir alle sollten mal die Perspektive ändern, sonst kommen wir nicht weiter. Von sich selbst berichtet der Künstler und leidenschaftliche Raucher, dass er immer in Bewegung wäre und immer arbeiten würde. Wer den Perspektiven Hockneys folgen möchte, kommt also um einen eigenen Perspektivenwechsel nicht herum.

Zu einer Zeit, als Homosexualität noch unter Strafe stand, malte David Hockney bereits in seinem Studium am «Royal College of Art» in London homoerotische Bilder und versah diese mit Codes anstelle der Namen der Portraitierten. 

Erst im Alter von 46 Jahren kommt es zur Versöhnung mit der Mutter

Legendär ist die Situation rund um sein Abschlussdiplom 1962, zu welchem er einen weiblichen Akt und einen Aufsatz hätte abliefern sollen. Beides lehnte er mit den Worten ab: «Er wolle nach seinen Kunstwerken beurteilt werden.» Wegen seines Talentes und seiner zunehmenden Bekanntheit wurden die Regeln geändert – und er erhielt seinen Abschluss.

Im Hause einer streng methodistisch gläubigen Mutter aufgewachsen, wird David Hockneys Talent vor allen Dingen von seinem Vater, einem Tüftler, gefördert. Die Homosexualität stellt für die Überzeugungen der Mutter eine grosse Herausforderung dar, der sie sich erst in späteren Jahren zugunsten des Sohnes stellt. Erst als Hockney bereits 46 Jahre alt ist, realisiert sie seine Lebenssituation und entschuldigt sich für ihre Haltung in einem liebevollen Brief. 

Sehnsucht nach Waldbaden: «Bigger Trees»

In dieser Zeit lebt ihr Sohn schon längst in den USA und gerät in den Strudel der Aids-Krise, die ihm einige Freunde entreisst. Die Stigmatisierung seiner Freunde und Bekannten führt zu einem Brief und einem lebensbejahenden Bekenntnis an die Schwester des verstorbenen Freundes René Amreins, einem gebürtigen Schweizer. Der grösste Trost liegt für ihn in der Schönheit der Dinge. Diese lebensbejahende Art zieht sich durch seine Werke.

In der Luzerner Ausstellung sind zwei seiner grossformatigsten, zwölf Meter breiten Wandgemälde zu sehen, die sich aus 50 Einzel-Leinwänden zusammensetzen. Die «Bigger Trees» laden zu einem entgrenzten Waldspaziergang ein. In der Perspektive eines winterlichen und dann wieder grün spriessenden Waldes eröffnet sich ein Weg. 

Einladende Farben, harte Kanten

Wer möchte den Waldweg betreten? So harmlos die Bilder daherkommen und die Farben einladend erscheinen, so hart sind die Kanten seiner Gedanken und die Worte seiner Zunge. Die Bilder von Hockney lassen sich schwer fühlen, aber er lädt zu einer Akzeptanz eines fremden Universums ein.

* Die Theologin Sabine Zgraggen (53) leitet in Zürich die Spital- und Klinikseelsorge. Die verheiratete Mutter dreier Kinder gehört der Franziskanischen Gemeinschaft an und ist Fotokünstlerin aus Leidenschaft.

Die Ausstellung «David Hockney – Moving Focus» ist bis zum 30. Oktober im Kunstmuseum Luzern zu sehen.


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