Gläubige aus der Schweiz reisen zur Heiligsprechung von Giovanni Battista Scalabrini

Am Sonntag wird der Vater der Migrantinnen und Migranten heiliggesprochen: Giovanni Battista Scalabrini. Zur Feier mit Papst Franziskus reisen auch Gläubige aus der Schweiz nach Rom. Scalabrini-Missionar Antonio Grasso begleitet die Menschen mit italienischem, portugiesischem und spanischem Hintergrund.

Barbara Ludwig

Antonio Grasso (49) ist etwas unter Zeitdruck. Am Donnerstag reist der Scalabrini-Missionar mit einer Gruppe von Gläubigen aus der Region Bern nach Rom. Dort wird Papst Franziskus am Sonntag Giovanni Battista Scalabrini (1839–1905) heiligsprechen. Scalabrini gründete im 19. Jahrhundert die italienische Auswandererseelsorge sowie die in diesem Bereich tätigen Orden der Scalabrini-Missionare und der Scalabrini-Schwestern. Er wird auch als Vater der Migrantinnen und Migranten bezeichnet.

«Wir haben erst am 27. August erfahren, dass der Papst unseren Ordensgründer am 9. Oktober heiligsprechen wird», sagt Antonio Grasso zu kath.ch – entsprechend sei wenig Zeit geblieben, um die Reise zur Heiligsprechung nach Rom zu organisieren.

Missionare in Basel, Bern und Genf

Antonio Grasso leitet die Missione Cattolica di Lingua Italiana in Bern und ist einer von 19 Scalabrini-Missionaren in der Schweiz. Der Orden hat heute drei Niederlassungen in der Schweiz: in Basel, Bern und Genf. Die Scalabrini-Missionare seien schon seit den 1960er-Jahren nicht mehr nur in der Seelsorge für italienische Migrantinnen und Migranten aktiv, sagt der Priester. Heute unterstützten sie Menschen unterschiedlicher Herkunft – auch solche, die anderen Religionsgemeinschaften angehören. In der Schweiz betreuen sie italienisch-, spanisch- und portugiesischsprachige Migrantinnen und Migranten, die in Basel, Bern, Solothurn, Chur und Genf wohnen.

Wertschätzung für Migranten

«Wir versuchen in unserer Pastoral, das Charisma von Scalabrini zum Ausdruck zu bringen. Im Zentrum steht dabei seine Wertschätzung für Migrantinnen und Migranten und seine positive Sichtweise auf das Phänomen der Migration», erklärt der Pater und weist auf das Motto des Ordens hin: «Einheit in Vielfalt».

Migrantinnen und Migranten würden Kulturen verbinden und sollten die Möglichkeit bekommen, sich in ihrer neuen Heimat mit ihren Traditionen und ihren Talenten einzubringen. Das Ziel sei gerade nicht, sich abzuschotten und in der Sehnsucht nach der alten Heimat zu verharren. Sie sollten sich vielmehr in der hiesigen Gesellschaft und Kirche zu Hause fühlen.

Beten am Grab von Scalabrini

Antonio Grasso bricht am Donnerstag mit seiner Gruppe nach Rom auf. In der norditalienischen Stadt Piacenza werde man einen Zwischenstopp einlegen, sagt der Priester. Die Stadt habe eine grosse Bedeutung für den Orden. Der aus Fino Mornasco bei Como stammende Scalabrini war Bischof von Piacenza. «Wir werden am Donnerstag sein Grab in der Kathedrale besuchen, um dort zu beten.»

Musical und Heiligsprechung in Rom

Am Samstagnachmittag steht ein Musical über den «Vater der Migrantinnen und Migranten» auf dem Programm, zu dem laut Grasso viele Pilgerinnen und Pilger erwartet werden: Menschen aus Orten in Europa und Übersee, in denen Scalabrini-Missionare tätig sind, aber auch aus italienischen Städten wie Como und Piacenza, die dem Charisma des Ordens verbunden seien.

Höhepunkt der Reise ist die Heiligsprechung von Scalabrini am Sonntag mit einer Messe auf dem Petersplatz. Laut Grasso empfängt Papst Franziskus am Montag in der vatikanischen Audienzhalle Angehörige der Scalabrini-Ordensgemeinschaften in Audienz. Er und seine Gruppe werden jedoch bereits am Sonntag in die Schweiz zurückkehren, da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berufliche Verpflichtungen hätten.

Nebst der Gruppe aus Bern wird nach Angaben von Antonio Grasso auch eine aus Basel nach Rom pilgern.


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