Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, hat am 27. August einen Mitbruder der Augustiner-Chorherren zum Priester geweiht. Lovey verhinderte nicht, dass unter den Konzelebranten auch ein Missbrauchstäter war. Nun bittet der Bischof um Entschuldigung.
Raphael Rauch
In Zeiten des Priestermangels ist jede Priesterweihe ein grosses Glück. Für Bischof Jean-Marie Lovey war der 27. August ein Freudentag in doppelter Hinsicht. Denn nicht nur das Bistum Sitten hatte Grund zum Feiern – sondern auch seine Ordensgemeinschaft, die Augustiner-Chorherren vom Grossen St. Bernhard. Denn Jean-Marie Lovey weihte einen Diakon zum Priester, der wie der Bischof Augustiner-Chorherr ist.
Doch die Festlaune wird von Medienberichten getrübt, wonach sich unter den Konzelebranten ein Missbrauchstäter befand. «Der betreffende Chorherr hat aus eigenem Antrieb an der Feier teilgenommen, ohne seine Oberen zu informieren. Ich habe das bei meiner Ankunft in Le Châble erfahren und ich war verärgert», teilte der Bischof von Sitten am Mittwoch in einer Medienmitteilung mit.
Allerdings habe kein Verantwortlicher darauf reagiert. «Das war ein grosser Fehler, das gebe ich zu. Zusammen mit dem Propst vom Grossen St. Bernhard, Jean-Michel Girard, entschuldige ich mich bei allen Personen, die durch die Anwesenheit des Mitbruders bei der Feier verletzt wurden. Unsere Gedanken sind vor allem beim betroffenen Opfer.»
Der Bischof kündigte an, «in Kürze Empfehlungen» zu geben, wie künftig solche Situationen gelöst werden sollten. «Es ist gegenüber den Opfern nicht tragbar, dass Personen, die wegen pädophilen Handlungen angeklagt sind, ein kirchliches Ansehen geniessen.»
Propst Jean-Michel Girard räumte in einer weiteren Medienmitteilung ein, er hätte als Vorgesetzter des Chorherren «sofort reagieren und ihn auffordern müssen, die Feier zu verlassen».
Mit Verweis auf Canon 1722 des Kirchenrechts ist dem Chorherren «die öffentliche Teilnahme an der heiligen Eucharistie» verboten. Die Priesterweihe seines Mitbruders war jedoch keine ordensinterne Angelegenheit, sondern eine öffentliche Feier.
Das Opfer wirft den Verantwortlichen Feigheit vor, wie verschiedene Medien berichteten: «Sie wagten es nicht, ihm zu verbieten, bei der Priesterweihe aufzutreten. Dies führt dazu, dass Pädokriminelle so viel Schaden anrichten können und dabei ein reines Gewissen haben. Ohne eine echte Strafe kommt es selten zu einer wirklichen Bewusstseinsbildung.»
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