Warum hat Papst Franziskus den Bischof von Como zum Kardinal ernannt?

Papst Franziskus hält wenig von Erbhöfen. Statt den Erzbischof von Mailand oder Venedig zum Kardinal zu ernennen, hat er sich für den Bischof von Como entschieden. Der Erzbischof von Mailand nimmt das mit Humor.

Der Erzbischof von Mailand, Mario Delpini, hat dem neuen Kardinal von Como, Carlo Cantoni, mit witzigen Worten gratuliert. Und zwar während eines Gottesdienstes, den der frisch ernannte Kardinal am 1. September in Como feierte.

Dabei gratulierte ihm der Mailänder Erzbischof Delpini im Namen der lombardischen Bischofskonferenz zur Kardinalswürde. Und er sinnierte humorvoll über die Gründe, weshalb der Papst sich für das kleine Como und nicht für das grosse Mailand entschieden haben könnte.

Arbeit, Prahlerei oder Fussball

«Ich habe mindestens drei Gründe gefunden. Erstens muss der Papst gedacht haben: Der Erzbischof von Mailand hat schon so viel zu tun, er ist mit Arbeit überlastet, also hat er gesagt: ‹Es ist nötig, dass auch der Bischof von Como ein bisschen arbeitet.› Und deshalb hat er gedacht, auch dir ein wenig Arbeit zu geben», sagte der Erzbischof von Mailand laut der italienischen Zeitung «Il Tempo».

Als zweiten Grund vermutet er: «Diese Prahler von Mailand wissen nicht mal, wo Rom ist, also ist es besser, wenn ich sie nicht zu sehr in die Weltkirche involviere.»

Und als drittes Motiv nennt er: «Wenn ich mich recht erinnere, ist der Papst Fan des Fussballclubs River, der noch nie etwas gewonnen hat, und vielleicht hat er gedacht, jene in Como könnten damit in Einklang sein, denn man weiss: Den Meistertitel hat Mailand.»

Zumindest dieses Motiv zweifelt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» an: Jorge Bergoglio sei seit Jugendzeiten Fan und Mitglied des notorisch erfolglosen Vorortvereins San Lorenzo de Almagro – und nicht von River, wie der Erzbischof von Mailand behauptet hatte.

Neue Idee: Mehr Swissness

Wir hätten eine vierte Theorie: Papst Franziskus geht es um Swissness. Nach dem Tod von Kardinal Heinrich Schwery möchte er zusätzlich zu Kurienkardinal Kurt Koch noch ein bisschen Schweiz im Kardinalskollegium haben.

Das Bistum Como hat traditionell sehr enge Beziehungen zum Bistum Lugano und zum Bistum Chur. Teil des heutigen Bistums Chur gehörten früher zum Bistum Como, etwa die Pfarreien Brusio und Poschiavo. 

1884 schloss der Heilige Stuhl mit der Eidgenossenschaft und dem Kanton Tessin einen Vertrag ab, der die Tessiner Pfarreien von den beiden lombardischen Diözesen abtrennte. So wurde der Weg frei für die Schaffung der Diözese Lugano. (rp/rr)


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