Wir starten mit Monika Schmid unsere neue Serie mit Namenstagen. Die Theologin zündet heute ihre Taufkerze an und sagt zu sich selbst: «Monika, du bist beim Namen gerufen, du bist geliebt und gehalten in der einen grossen Liebe.»
Raphael Rauch
Warum haben Sie Ihre Eltern Monika genannt?
Monika Schmid*: Da war meine Mama ausschlaggebend. Sie hat die Heilige Monika, die Mutter des Kirchenlehrers Augustinus, sehr verehrt. Sein Buch « Confessiones» – Bekenntnisse, eine Art Selbstbiografie – hat sie mir vorgelesen, wenn ich als Kind krank war. Schwere Kost für ein Kind! Ich habe übrigens drei Namen: Monika Christina Maria. So richtig katholisch!
Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?
Schmid: Er gefiel mir nicht immer, aber ich habe mich mit ihm angefreundet.
«Im Kindergartensemi hat mich eine Kollegin Möni genannt.»
Haben Sie einen Spitznamen?
Schmid: Nur jemand nennt mich bei einem Kosenamen. Dazu verrate ich nichts. Im Kindergartensemi hat mich eine Kollegin Möni genannt und so nennt sie mich heute noch.
Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Junge geworden wären?
Schmid: Keine Ahnung!
«Einzigartig, aber auch einsam…»
Was bedeutet Monika wörtlich – und was sagt Ihnen diese Bedeutung?
Schmid: Monika kommt aus dem Griechischen monos: einzig, aus einem Stück. Da kann man viel ableiten: einzigartig, aber auch einsam…
Nomen est omen – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?
Schmid: Er passt zu mir!
«Augustinus’ Mutter Monika ist nicht unschuldig für die Knörze mit der Sexualität.»
Was verbinden Sie mit der Heiligen Monika?
Schmid: Die Heilige Monika war für ihren Sohn Augustinus sehr bestimmend. Das sehe ich sehr kritisch. Man sagt, sie habe ihn auf den richtigen Weg gebetet. War es der richtige Weg, dass er Priester wurde und seine Freundin nach Afrika zurückgeschickt hat ohne den gemeinsamen Sohn? Sein Bild der Frau als Mangelwesen, so quasi ein unausgereifter Mann, war natürlich geprägt durch die damalige Zeit. Und seine Knörze mit der Sexualität haben ungute Spuren hinterlassen und wirken bis heute in unserer Kirche nach. Daran ist die Heilige Monika nicht unschuldig.
Feiern Sie Namenstag?
Schmid: Für mich ist es ein besonderer Tag. Ich zünde jeweils meine Taufkerze an, trinke dazu einen Kaffee und sage zu mir: Monika, du bist beim Namen gerufen, du bist geliebt und gehalten in der einen grossen Liebe.
«Mit meinem Namen bin ich, wer ich bin. Das wäre ein Grund, diesen Tag zu feiern.»
Finden Sie es schade, dass Namenstag und Namenspatrone fast keine Rolle mehr spielen?
Schmid: Das finde ich sehr schade. Bei der Taufe heisst es: Du bist beim Namen gerufen. Maria von Magdala hat den auferstandenen Jesus erkannt, als er sie beim Namen rief. Mit meinem Namen bin ich, wer ich bin. Das wäre ein Grund, diesen Tag zu feiern und zu spüren, wer ich bin: von Gott geliebt, beim Namen gerufen. Mit Kindern könnte man das wunderbar gestalten.
* Monika Schmid (65) ist Gemeindeleiterin in Effretikon ZH. Sie hat am 27. August Namenstag und wird am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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