Kirchenvertreter haben am Filmfestival Locarno das kirchliche Engagement für den Film verteidigt. Viele Menschen fänden über «gutes Kino» einfacher Zugang zu existentiellen Fragen als über die Bibel, sagte Daniel Kosch beim Empfang der kirchlichen Filmorganisationen.
Barbara Ludwig
In den Kirchen gibt es eine lange Tradition der Filmförderung und der Empfehlung wichtiger Filme, was seinen guten Grund habe, sagte Daniel Kosch am Dienstag im Palazzo del Cinema in Locarno. Denn die Bilder und Geschichten, die gute Filme erzählten, seien weit mehr als gute Unterhaltung.
«Von ihnen geht eine Kraft aus, die durchaus vergleichbar ist mit religiösen Erfahrungen, die Menschen tief berühren und nicht nur ihr Denken und momentanes Erleben, sondern ihr Lebensgefühl und ihr Handeln prägen», sagte der Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) beim traditionellen ökumenischen Empfang der kirchlichen Filmorganisationen Signis Schweiz und Interfilm Schweiz.
Es sei deshalb nicht gleichgültig, welchen Bildern und Geschichten man sich im Kino aussetze, so Kosch gemäss Redemanuskript. Ein ökumenischer Filmpreis und kirchliche Filmarbeit könnten deshalb Akzente setzen, meinte Kosch. Er erwähnte eingangs auch, dass die RKZ und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) seit vielen Jahren den Filmpreis der ökumenischen Jury am Filmfestival Locarno finanzieren.
Viele Menschen fänden «über gutes Kino» einfacher als über die 1600 eng bedruckten Seiten der Bibel Zugang zu existentiellen Fragen. Für den RKZ-Generalsekretär ist das «Grund genug, am kirchlichen Engagement im Bereich des Films festzuhalten».
Auch die EKS-Präsidentin Rita Famos warb in ihrer Ansprache für das kirchliche Film-Engagement. Dem künstlerischem Ausdruck des Films gelinge manchmal das, was in der Politik oder «auf dem gesellschaftlichen Meinungsmarkt» so schwierig sei, sagte Famos gemäss Redemanuskript. Nämlich «eine Sprache zu finden für das, was verbindet.» Gute Filme involvierten, verwickelten die Menschen in einen Dialog. Sie seien nicht einfach Unterhaltung, «sondern werden Teil eines Gesprächs, das wir selbst sind», so Famos.
«Der Gott der Gotthelf-Romane begegnet uns in Filmen»
Rita Famos, EKS-Präsidentin
Die EKS-Präsidentin zeigte vor dem Publikum überzeugt, dass «der dreieinige Gott» von keiner Institution verwaltet werden kann und darum auch der Gott der Gotthelf-Romane und der Gott der Kantaten sei «und «ganz sicher auch ein Gott ist, der uns auch in Filmen begegnet».
Am Empfang mit Apéro und Mittagessen im Palazzo del Cinema unweit der Piazza Grande nahmen rund 90 geladene Gäste teil, teilte Charles Martig, Festivaldelegierter von Signis Schweiz, mit. Darunter waren Leute aus der Filmbranche wie die Schweizer Regisseure Christian Frei, Erich Langjahr und Stefan Haupt, Kirchenvertreter, Mitglieder der ökumenischen Jury sowie Vertreter des Filmfestivals Locarno. Die Schweizer Bischofskonferenz war durch ihren Generalsekretär Davide Pesenti vertreten.
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