Schmierereien an Liebfrauen-Kirche: möglicher Zusammenhang mit «Marsch fürs Läbe»

Im Juli wurde die Zürcher Liebfrauen-Kirche Opfer eines Vandalenaktes. Meldungen auf dem Portal «barrikade.info» deuten darauf hin, dass sich die Schmierereien gegen die Abtreibungsgegnerinnen und -gegner vom «Marsch fürs Läbe» richten.

Barbara Ludwig

Am Abend des 29. Juli wurden an der Treppenmauer der Liebfrauen-Kirche in Zürich die Worte «Burn in Hell» und «Fundis aufs Maul» entdeckt – geschrieben in roter Farbe. Und ein A in einem Kreis, das Symbol der anarchistischen Bewegung. Der Treppenaufstieg wurde zudem durch viele weitere Farbkleckse verunreinigt.

Im vergangenen Jahr hatte die Schweizer Pro-Life-Bewegung im Vorfeld des traditionellen «Marschs fürs Läbe» in der Liebfrauen-Kirche einen Gottesdienst gefeiert. Die jährliche Kundgebung gegen Abtreibung gefällt nicht allen. So fand letztes Jahr eine unbewilligte Gegendemonstration in Zürich-Oerlikon statt, wo auch der «Marsch fürs Läbe» durchgeführt wurde. Und nun deuten Meldungen auf dem Portal " barrikade.info» auf einen Zusammenhang zwischen den Schmierereien an der Kirche und dem «Marsch fürs Läbe» hin.

Die Kirche bekam abends «Besuch»

In einem Beitrag vom 1. August heisst es, der Liebfrauen-Kirche sei am Abend des 25. Juli «ein Besuch abgestattet worden». Grund dafür sei das «alljährlich stattfindende ‹Vorbeten› am Morgen des ‹Marschs fürs Läbe›». Indem die Kirche den christlichen «Fundamentalist*innen» diesen Platz biete, stelle sie sich auch hinter die «fundamentalistische Hetze» der Organisatoren der Kundgebung. Der kurze Beitrag trägt den Titel «Kein Platz für Fundis in ZH». Ob der sogenannte Besuch der Kirche genutzt wurde, um Treppenmauer und -aufstieg zu besudeln, steht nicht in dem Text. Ebenso wenig, wer die Besuchenden waren.

Kampagne gegen diesjährigen Marsch

Bereits am 28. Juli hat ein anderer Beitrag den «Marsch fürs Läbe» thematisiert. Darin heisst es, am 17. September würden die christlichen «Fundamentalist*innen» wieder «ihr reaktionäres Gedankengut in Zürich auf die Strassen tragen». Weiter ist darin die Rede von einer «Aktion vom Montag, 11. Juli», mit der man sich einreihe in unterschiedliche Aktionen der letzten Jahre «gegen die offen frauenfeindlichen, queerfeindlichen und islamfeindlichen Machenschaften der Fundis». Der Beitrag endet mit der Ankündigung, dass «mit der Aktion von Montag die Kampagne gegen den diesjährigen MfL lanciert werden soll». Zum Inhalt der Aktion erfährt man im Text nichts.

Plattform für anonyme Botschaften

Die Plattform «barrikade.info» bezeichnet sich in Ihrem Webauftritt  als «offene Informations-Plattform, auf der jede Person aktuelle Nachrichten, Analysen und Debatten aus einer antiautoritären und revolutionären Perspektive verbreiten kann». Es sei ein Werkzeug, das Aktivistinnen und Aktivisten ermögliche, anonym an die Öffentlichkeit treten zu könne.

Dieses Jahr erneut Gottesdienst vor dem «Marsch»?

Die Organisatoren des «Marschs fürs Läbe» wollen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen der Farbattacke und ihrer Kundgebung aktuell nicht Stellung nehmen, wie die Medienverantwortliche Beatrice Gall auf Anfrage mitteilt. Auch die Frage, ob dieses Jahr vor der Kundgebung wieder ein Gottesdienst in der Liebfrauen-Kirche gefeiert werde, wollte sie nicht beantworten.

Meinungsfreiheit gilt auch für «Marsch fürs Läbe»

Der Jurist Patrice Zumsteg betont auf Anfrage von kath.ch, dass die Ansichten des «Marschs fürs Läbe» eine von der Schweizer Verfassung geschützte Meinung sei – auch wenn es sich dabei um eine «von vielen heftig abgelehnte Minderheitsmeinung» handle. «Als solche muss sie im öffentlichen Raum geäussert werden können», teilt der Dozent für Staats- und Verwaltungsrecht sowie für Grundrechte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit.

Dies gelte auch für die öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen. Hinzu komme, dass sich Kirchen gemeinhin als Ort für alle und des Dialogs verstehen. «Diesen Dialog müssen wir auch mit Menschen führen, deren Ansichten wir nicht teilen», findet der Jurist.


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https://www.kath.ch/newsd/schmierereien-an-liebfrauen-kirche-moeglicher-zusammenhang-mit-marsch-fuers-laebe/