Die Obwaldnerin Silvia Zemp (25) hat am Taizé-Jugendtreffen in Turin mitgemacht – und mitgeholfen. Taizé sei eine Art Glaubensheimat geworden, sagt sie und hofft, ihre Freunde wieder zu sehen.
Regula Pfeifer
Turin ist nicht die erste Taizé-Station von Silvia Zemp. Die junge Frau aus Giswil OW besucht die Gemeinschaft in Südfrankreich seit rund zehn Jahren – meist für eine Woche. Auch an zwei Internationalen Taizé-Jugendtreffen war sie dabei: Am Jahresende 2017/18 in Basel und 2019/20 in Breslau in Polen.
Taizé ist ihr Ort. «Da fühle ich mich wohl», sagt Silvia Zemp. Die Einfachheit, die die Taizé-Brüder vorleben, das Übernachten im Zelt oder in der Baracke, das Essen aus Eintöpfen am Boden sitzend, das unkomplizierte Kennenlernen anderer Menschen und die meditativ wirkenden Taizé-Lieder: All das hat es ihr angetan. «In Taizé bin ich einfach glücklich», sagt Silvia Zemp.
Das wollte sie einmal länger erleben. Der Moment war günstig. Die bisher berufstätige Kauffrau steht vor einem beruflichen Wechsel. Demnächst will sie ein Studium anfangen.
Nach der anstrengenden Passerelle – einem Zwischenstudium, das ihr den Zugang zur Hochschule ermöglicht – fand Silvia Zemp: Jetzt brauche sie eine Pause. Und sie wolle ihren Glauben besser ergründen.
Im September 2021 packte sie ihre Sachen und zog nach Taizé – für wie lange, war offen. «Wegen der Pandemie war Planen sowieso schwierig», sagt Silvia Zemp. Sie blieb mehrere Monate. Erst im Mai dieses Jahres kehrte sie in die Schweiz zurück.
In Taizé lernte sie andere junge Menschen kennen. Mit sechs dieser neuen Freunde machte sie ab – für die Reise ans Taizé-Jugendtreffen in Turin, das vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag dauerte. Die jungen Gläubigen aus Deutschland, Frankreich, Polen, Ungarn und Spanien mieteten gemeinsam eine Ferienwohnung.
Da sie früher angereist waren, wurden sie um Mithilfe angefragt. So half Silvia Zemp die Hauptkirche San Filippo Neri vorbereiten und dekorieren – und am Schluss dann auch wieder aufräumen. Und sie sprach am Donnerstagabend in der Kirche San Filippo Neri das Eröffnungsgebet.
Von ihrer Wohnung aus gingen die Freunde gemeinsam los: fürs Morgengebet zur nahen Pfarrei, am Mittag in eine der beiden grösseren Kirchen zum Mittagsgebet. Den Mittag nahmen sie sich für eigene Interessen heraus. Sie besichtigten Turin, besuchten Museen. Und am Abend ging es mit Hunderten anderer junger Gläubigen zum Abendgebet in die Kirche San Filippo Neri.
«Ich habe das mega genossen», sagt Silvia Zemp am Montagmorgen. «Und nun weiss ich nicht, wann und ob ich meine Freunde wiedersehe», fügte sie wehmütig an.
Zuhause in Giswil ist Silvia Zemp auch in der Pfarrei aktiv. Sie engagiert sich als Firmbegleiterin bei den jungen Firmanden. Doch so offen wie in Taizé erlebe sie die Kirche in der Schweiz nicht, sagt sie.
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