Die katholische Reforminitiative «#OutInChurch» erhält den Hamburg Pride Award. «Dieser Preis gibt uns Rückenwind», sagt Pierre Stutz. Der Schweizer Theologe ist an der deutschen Initiative beteiligt.
«Die Initiative hat der Öffentlichkeit die unhaltbaren und erschütternden Zustände in der katholischen Kirche in Bezug auf die Diskriminierung queerer Mitarbeitenden offengelegt», heisst es zur Begründung. Damit habe sie auch all den Menschen eine Stimme gegeben, die tagtäglich Angst, Anfeindungen und psychischem Druck innerhalb der Kirche ausgesetzt seien.
Mit dem Pride Award Hamburg werden Personen des öffentlichen Lebens und bundesweite Kampagnen gewürdigt, die Vorbildcharakter für die LGBTIQ*-Community und die Gesellschaft in Deutschland haben, wie der Verein Hamburg Pride am Freitag mitteilte.
«Wow! Wir von der Gruppe #OutInChurch sind berührt und dankbar bewegt über den Pride Award 2022», schreibt der Schweizer Theologe Pierre Stutz an kath.ch. «Hamburg Pride anerkennt damit, dass unser Engagement mehr ist als ‘Kirchenkram’.»
Der Kampf der queeren Christen für eine menschenfreundlichere Kirche sei bisher in der queeren Community teilweise «mit einem müden Lächeln» quittiert worden. «Mit dem Pride Award wird nun die gesellschaftspolitische Relevanz unseres gemeinsamen Einsatzes gegen Queerfeindlichkeit und Diskriminierung sichtbar», so Stutz. «Dieser Support gibt uns Rückenwind, denn der Weg für eine Kirche ohne Angst ist noch sehr lang und steinig.»
Der Schweizer Theologe, der mittlerweile in Deutschland lebt, kündet an: «Wir kämpfen weiter, damit der Vatikanstaat endlich die Menschenrechtserklärung aus dem Jahre 1948 unterzeichnet und so der Weg frei für eine Sexualethik, die Menschen innerlich aufrichtet.»
Die Auszeichnung soll am 30. Juli bei der offiziellen Eröffnung des Christopher Street Days in Hamburg überreicht werden.
Im Rahmen der Initiative «#OutInChurch» hatten sich im Januar rund 125 Mitarbeitende und Mitglieder der katholischen Kirche im Rahmen öffentlich als queer geoutet, also etwa als homosexuell oder transgender. Sie fordern unter anderem eine Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen, damit zum Beispiel in einer homosexuellen Partnerschaft lebende Mitarbeitende keine Kündigung fürchten müssten. Die Abkürzung LGBTIQ* steht für Personen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, Transgender, intersexuell oder queer identifizieren. (kna/rr)
*Pierre Stutz ist Theologe und spiritueller Autor. Er lebt mit seinem Ehemann in Osnabrück.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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