Zwei Stunden und 40 Minuten lang dauert die Kirchgemeindeversammlung in Gebenstorf-Turgi. Am Ende gibt’s Applaus für die neuen Mitglieder der Kirchenpflege – und Standing Ovations. Daniel Ric fehlt. Die von ihm installierten Kameras werden abmontiert.
Raphael Rauch
«Es war eine Kropfleerete», sagt Hans-Peter Schmidt am Dienstagabend gegen 23 Uhr zu kath.ch. Vorbei sind fast drei Stunden, in dem es vor allem um zwei Abwesende geht: um Kirchgemeindepräsident Daniel Ric und um den Finanzverantwortlichen Igor Kos.
Schon länger rumort es in der Kirchgemeinde Gebenstorf-Turgi. Jahrelang hat ein Initiativ-Komitee gegen den gemeinsamen Kurs von Pater Adam Serafin und Präsident Daniel Ric gekämpft. Das Anti-Ric-Lager stellt mittlerweile in der Kirchenpflege die Mehrheit.
Nun ist Aufräumen angesagt. «Wir haben keine Unterlagen, keine Personalakten, nichts», sagt Andreas Zillig. Auf viele Fragen kann er an diesem Abend keine Antwort geben. Was ist aus dem Geld geworden, das via TWINT gespendet wurde? «Wir wissen es nicht», sagt Andreas Zillig. «Es gibt keine transparente Buchhaltung. Herr Ric nimmt das Telefon nicht ab und seine Mailbox ist voll. Wir haben keinen Kontakt zu ihm.»
Der amtierende Präsident Daniel Ric boykottiert mit einer Politik des leeren Stuhls die Aufräumarbeiten, die in Gebenstorf-Turgi im Gange sind. Auch Fragen zum Sperrkonto bleiben an diesem Abend unbeantwortet. Eigentlich sollte der Lohn des entlassenen Priesters Pater Adam Serafin auf einem Sperrkonto landen. Doch das Geld floss weiter: «Das Konto ist praktisch leer», kritisiert Hilde Seibert.
Im Laufe des Abends entlädt sich viel Unmut. Ein Gegner von 5G-Antennen möchte wissen, ob jetzt 5G-Antennen installiert werden oder nicht. «Wir wissen es nicht», lautet erneut die Antwort der anderen Kirchenpflegemitglieder. «Uns ist kein Vertrag bekannt.» Und sie betonen: Daniel Ric sei nicht mehr zeichnungsberechtigt. «Er hat keinen Zugriff auf die Konten mehr», sagt Andreas Zillig. In Gebenstorf-Turgi ist Schadensbegrenzung angesagt.
Auch das Treuhandhüro kommt an diesem Abend nicht gut weg. Die anwesende Treuhänderin und ihr Kollege verstehen den Unmut der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger, die schwarz auf weiss sehen, wie das Budget für tägliche Messen um ein Vielfaches gesprengt wurde. Oder wie viel Geld für eine Sekretariatsaushilfe ausgegeben wurde, weil die Pfarramtssekretärin arbeitsunfähig war. «Sie wurde gemobbt», heisst es an der Versammlung. «Das können wir so nicht bestätigen, aber die Personalpolitik von Daniel Ric wirft Fragen auf», sagt Andreas Zillig.
Ein konkretes Ergebnis steht an diesem Abend fest: Die Kameras in den Kirchen von Gebenstorf-Turgi werden abgebaut. Daniel Ric hatte sie installieren lassen, um Gottesdienste im Internet zu streamen. «Niemand von uns wollte die Kameras», sagt Hilde Seibert. «Daniel Ric und Pater Adam Serafin haben zu Beginn der Corona-Zeit trotz Protestes die Kameras anbringen lassen.»
Dies sei auch aus Datenschutzgründen problematisch: «Es waren praktisch immer die Personen zu erkennen, die zur Kommunion gegangen sind», kritisiert Hilde Seibert. Ihr Mitstreiter Willy Deck ergänzt: «Die Kameras waren über längere Zeit 24 Stunden im Betrieb. Im Livestream konnte die ganze Welt sehen, wie die Reinigungskraft den Altarraum putzt.»
Schon länger hätten sie der Kamera-Anlage den Stecker gezogen. «Jetzt werden die Kameras entfernt», sagt Hilde Seibert.
Die Kirchenpflege schaut verhalten-optimistisch in die Zukunft. Viele Fragen seien noch offen, betonen sie mehrmals an diesem Abend. Zuviel Geld sei in Anwälte geflossen. «Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. In keinem Unternehmen könnte man so arbeiten, wie Daniel Ric hier gearbeitet hat», kritisiert Andreas Zillig.
Pfarradministrator Hans-Peter Schmidt (78) hat im Laufe seiner Priesterkarriere schon viel erlebt. «Wir sind auf dem Weg in ruhige Gewässer», sagt er. «Für manche war aber die Kropfleerete notwendig.»
Hilde Seibert sagt, es habe gut getan, den Applaus der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger zu hören: «Ich kam vor 50 Jahren in die Schweiz. Die Pfarrei hier ist meine Heimat. Und ich lasse nicht zu, dass man mir diese kaputt macht.»
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https://www.kath.ch/newsd/die-basis-wirft-daniel-ric-bad-governance-vor/