Die Dominikanerin Monika Hüppi (63) aus Ilanz GR hat am Ostermontag am Bodensee-Friedensweg in Bregenz teilgenommen. Sie sei keine Friedensaktivistin und es tue ihr nicht gut, sich ständig mit dem Ukraine-Krieg zu befassen, sagt sie. Doch der Friede ist ihr und ihrem Kloster ein grosses Anliegen.
Barbara Ludwig
Sie wohnen im Kloster Ilanz im Kanton Graubünden. Bregenz liegt nicht gerade um die Ecke. Warum haben Sie am Ostermontag am Bodensee-Friedensweg teilgenommen?
Schwester Monika Hüppi: In Ilanz gibt es seit 2020 das Forum für Friedenskultur. Dessen Gründung geht auf eine Initiative unseres Klosters zurück. Inzwischen existiert auch ein Verein. Zwei Mitarbeitende des Klosters und ich sind nebst weiteren Personen im Vorstand des Vereins. Präsidiert wird er von der Schweizer Friedensaktivistin Lea Suter, die am gestrigen Bodensee-Friedensweg ein Referat gehalten hat.
Das Forum für Friedenskultur organisiert im Sommer eine ganze Woche lang unter dem Titel «Ilanzer Sommer» Veranstaltungen zum Thema «Frieden». Mir war es wichtig, dass wir als Verein in Bregenz sichtbar sind. Damit wollten wir ein Zeichen setzen.
Sie haben also den Bodensee-Friedensweg genutzt, um auf Ihren Verein hinzuweisen.
Hüppi: Ja. Auch mir persönlich ist das Thema «Frieden» ein Herzensanliegen: Frieden unter den Menschen, aber auch Frieden mit der Umwelt. Wie gehen wir mit der Umwelt um? Auch das ist eine wichtige Frage, die mit dem persönlichen Lebensstil zu tun hat.
Sind Sie denn eine Friedensaktivistin?
Hüppi: Nein, das bin ich nicht. Ich bin Dominikanerin. Wir Dominikanerinnen stehen für das Wort Gottes, für die Verkündigung der Frohen Botschaft. Als Friedensaktivistin müsste ich auf eine andere Weise aktiv sein. Dazu fehlen mir die Ressourcen.
«Wir haben ein Bildungshaus für Gäste und wollten dem Thema ‘Frieden’ mehr Raum geben.»
Dennoch ist mir der Frieden ein grosses Anliegen. Ebenso meiner Klostergemeinschaft. Wir beten regelmässig für den Frieden. Wir haben ein Bildungshaus für Gäste und wollten dem Thema «Frieden» mehr Raum geben. Deshalb haben wir den Anstoss für die Gründung des Forums für Friedenskultur in Ilanz gegeben.
Sie sagten, im Kloster würden Sie regelmässig für Frieden beten. Hat sich das mit dem Krieg von Russland in der Ukraine intensiviert?
Hüppi: Ja. Wir haben seit Ausbruch des Kriegs einmal wöchentlich eine Gebetsstunde für den Frieden. Natürlich geht es uns um den Frieden in der Ukraine, aber nicht nur. Wir beten für Frieden weltweit. Auch sonst wird der Frieden immer wieder thematisiert, etwa in den Fürbitten.
Wie haben Sie den Bodensee-Friedensweg erlebt?
Hüppi: Ich war zum ersten Mal dabei. Deshalb kann ich keine Vergleiche ziehen. Ich fand die Veranstaltung sehr friedlich. Es gab Begegnung und Gespräch. Ganz verschiedene Leute waren unterwegs, aus den drei Ländern Schweiz, Österreich und Deutschland, aber auch aus anderen Ländern.
«Ich fühlte mich vereint mit den anderen.»
Es war schön zu merken: Es geht allen um das Gleiche. Ich fühlte mich vereint mit den anderen. Es hat mich zudem berührt, als Vertreterin des Klosters Ilanz mitten drin zu sein: Jeder und jede, der und die mitmacht und sich zeigt, ist wichtig. Dazu herrschte noch so schönes Wetter. Auch die Reden fand ich sehr anregend. Alles in allem war es ein positiver Tag.
Wie stehen Sie als Pazifistin zum Kampf der ukrainischen Bevölkerung gegen den Angriff der russischen Armee, der mit Waffen bestritten wird?
Hüppi: Krieg ist per se etwas Schlechtes. Den Angriff auf die Ukraine verurteile ich aufs Schärfste. Doch was man bedenken sollte: Je mehr man mit Gegengewalt auf Gewalt reagiert, umso mehr eskaliert der Krieg. Die Situation ist schwierig. Man hat bereits vieles versucht. Ich weiss nicht, was nun das Beste wäre.
Aber können Sie nachvollziehen, dass sich die Ukrainerinnen und Ukrainer mit Waffen wehren?
Hüppi: Ja, klar. Sie wollen ihr Land verteidigen. Nur zweifle ich daran, ob es gut ist, wenn die NATO, Amerika oder Europa eingreifen. Ich habe grosse Sorge, dass dann ein noch grösserer Krieg ausbricht. Die Forderungen von Seiten der Ukraine nach mehr Waffen werden ja immer stärker. Das ist ein ganz heisses Eisen.
«Es gibt auch noch Hoffnung: Es ist Ostern.»
Jedoch muss ich auch ehrlich sagen, dass ich mich nicht in alle Details dieses Kriegs vertiefen kann. Die Lösung liegt nicht in meiner Hand. Und es tut mir nicht gut, mich ständig mit diesem Thema zu befassen. Denn es gibt auch noch Hoffnung: Es ist Ostern. Da hat Jesus den Frieden gebracht, auch seinen Jüngern, die versagt haben. Jesus sagte immer wieder: «Der Friede sei mit euch.» Es ist traurig, dass der Krieg in der Öffentlichkeit so viel Gewicht bekommt und die Friedensstimmen untergehen. Wir sind jetzt in der Osterzeit und dürfen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben.
*Monika Hüppi (63) ist Dominikanerin in Ilanz GR und von Beruf Hebamme. Sie war in Brasilien und auf den Philippinen tätig. Als Mitglied des Generalrats übernimmt sie Aufgaben in der Leitung des Klosters.
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