50 Jugendliche haben in der Davoser Marienkirche ein Passionsspiel aufgeführt. Gioele Croce hat die Rolle des Jesus gespielt. Am Kreuz hängend habe er gedacht: «Das muss wirklich krass für Jesus gewesen sein!» Das Spiel habe seinen Glauben vertieft, sagt der Sekundarschüler.
Vera Rüttimann
Du hast den Jesus gespielt im Davoser Passionsspiel. Wie bist du zu dieser Rolle gekommen?
Gioele Croce: Ich habe mich freiwillig für die Rolle gemeldet. Für mich ist es eine Ehre, Jesus zu spielen. Ich habe keine besonderen Eigenschaften, um Jesus zu spielen, aber das richtige Interesse. Es ist spannend, in das Leben von Jesus einzutauchen und nachzuempfinden, was er selbst erlebt hat. Jesus fasziniert mich schon lange.
Wie kommt das?
Croce: Ich bin in eine katholische Familie hineingeboren. Viele meiner Verwandten sind katholisch und praktizieren den Glauben. In Bellinzona, wo einige von ihnen leben, gibt es zu besonderen kirchlichen Anlässen Prozessionen durch die Stadt. All das hat mein Interesse an der Kirche wachsen lassen. Darum bin ich gerne in der Pfarrei Davos aktiv.
«Wir waren sofort begeistert für dieses Vorhaben!»
Wie kamt ihr auf die Idee zu diesem Passionspiel?
Croce: Ich bin im Firmunterricht bei Dekan Kurt Susak. Er ist unser Pfarrer. Er hat immer gute Ideen. Im Unterricht haben wir die Idee zum Passionsspiel entwickelt. Alle meine Mitschülerinnen und Mitschüler waren sofort begeistert für dieses Vorhaben! Für uns Firmandinnen und Firmanden ist es perfekt, durch dieses Spiel das Leben Jesu genauer kennenzulernen.
Wie fühlt es sich an, Jesus zu spielen?
Croce: Ich habe versucht, mich in Jesus hineinzudenken. In die Szene, als Jesus im Garten Gethsemane auf den Tod wartet. Oder als Jesus zu den Händlern ging, um sie aus dem Tempel zu vertreiben. Für mich ist es etwas anderes, ob ich die Bibel lese oder ob ich eine Szene aus dem Leben von Jesus selber spiele und mich intensiv mit ihr befasse.
Hattest du Lampenfieber?
Croce: Nein, nicht wirklich. Ich habe schon oft in Theaterstücken in der Schule mitgespielt und weiss, wie es ist, vor vielen Leuten zu spielen. Ausserdem ministriere ich seit der dritten Klasse. Auch diese Erfahrungen haben mir geholfen, das Lampenfieber zu überstehen.
«Alle wollten ein richtiges Kreuz für die Kreuzigungsszene.»
Ihr habt das Passionsspiel selbst geschrieben. Wie seid ihr vorgegangen?
Croce: Alle wollten ein richtiges Kreuz für die Kreuzigungsszene. Und wir haben uns entschieden, die Worte Jesu aus der Bibel ziemlich genau nachzusprechen. Möglichst authentisch sollten auch die Gewänder sein. Viele Frauen aus unserer Pfarrei, – vor allem unsere Religionslehrerinnen Sandra Schärli und Petra Homberger – , haben unsere Kleider in vielen Stunden im Pfarreizentrum selbst genäht. Als Jesus habe ich einen einfachen Umhang und ein Kopftuch getragen. Ab der Szene, wo ich von Pilatus verhört werde, habe ich eine Dornenkrone getragen.
Wie habt ihr die Kreuzigungsszene inszeniert?
Croce: Zuerst bin ich im Chor der Kirche auf dem Kreuz am Boden gelegen. Dann haben sie mir als Hilfe zwei Seile um meine Arme gebunden. Unten am Kreuz befindet sich ein Holzbrett, auf dem ich stehen konnte. Dann haben die römischen Soldaten das Kreuz hochgezogen.
«Ich habe mir überlegt, wie es wohl für Jesus gewesen war, an Nägeln am Kreuz zu hängen.»
Wie war das für dich, am Kreuz zu hängen?
Croce: Es war eindrücklich. Ich habe auf meine Schulkollegen heruntergeschaut, während ich am Kreuz hing. Da sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich habe mir überlegt, wie es wohl für Jesus gewesen war, an Nägeln am Kreuz zu hängen? Das muss wirklich krass für Jesus gewesen sein!
Was macht diese Passionsspiele in Davos speziell?
Croce: Die ganze Gemeinschaft unserer Pfarrei ist speziell. Alt und Jung machen mit und engagieren sich das ganze Jahr über und kommen auch gerne zu den Messen. Darum glaube ich, ist so ein Passionsspiel überhaupt erst möglich. Bei uns geht es um den Glauben – und der zieht die Menschen einfach an.
Was nimmst du selbst mit aus diesem Passionssiel?
Croce: Das Passionsspiel hat meinen Glauben vertieft.
Das Passionsspiel wurde am Palmsonntagabend in der voll besetzten Marienkirche in Davos aufgeführt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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