Innerhalb von einem Tag stürmt «Hey, Hey, Rise Up!» auf Platz eins in den iTune-Charts. Der Song von «Pink Floyd» appelliert an den Frieden in der Ukraine – und zeigt im Video die Kiewer Sophienkathedrale. «Ein schönes Zeichen der Solidarität», findet der Priester Nazar Zatorskyy.
Christiane Wohlhaupter
Der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Welt. Papst Franziskus ruft an Palmsonntag erneut zur Waffenruhe auf. Und auch die Musik-Welt fordert Frieden: So kam bei der Grammy-Verleihung Anfang April in Las Vegas der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Wort.
Auch die Rockveteranen der britischen Band «Pink Floyd» nutzen ihre Berühmtheit, um «den Menschen zu vermitteln, was in der Ukraine passiert und alles in ihrer Macht stehende dafür zu tun, um diese Situation zu ändern», wie die Band bekanntgab.
«Pink Floyd» hat am Freitag den Titel «Hey, Hey, Rise Up!» veröffentlicht – die erste gemeinsame Aufnahme seit 28 Jahren. Inspiration dafür war der ukrainische Sänger Andriy Khlyvnyuk.
Mit Andriy Khlyvnyuk stand David Gilmour von «Pink Floyd» bereits 2015 auf der Bühne. Eigentlich hatte Khlyvnyuk 2022 geplant, auf Tour zu sein. Doch wegen der politischen Entwicklungen kehrte er in die Ukraine zurück, um sein Vaterland zu verteidigen.
Vor der Sophienkathedrale in Kiew nahm Khlyvnyuk das Protestlied «Oi u luzi chervona kalyna» auf – ein Protestlied aus dem Jahr 1914. Im Englischen gibt «Pink Floyd» den Titel mit «Oh, the Red Viburnum in the Meadow» wieder.
Anhand des Wiederaufrichtens der ukrainischen Nationalpflanze, des roten Schneeballs, wird hier die Unbeugsamkeit der Ukraine besungen: «In der Wiese hängt ein roter Schneeball tief herunter / und unsere prächtige Ukraine ist mit Problemen belastet / und wir nehmen den roten Schneeball und richten ihn wieder auf / und unsere prächtige Ukraine soll sich erheben und frohlocken.»
David Gilmour (76), Ausnahmemusiker und Vater von acht Kindern, geht der Konflikt in der Ukraine auch aus persönlichen Gründen sehr nahe: «Meine Enkel sind halb ukrainisch, meine Schwiegertochter Janina ist ukranisch», sagte er dem britischen «Guardian».
Seine Schwiegertochter habe ihn auf das Stück von Andriy Khlyvnyuk aufmerksam gemacht, sagte Gilmour dem Musikmagazin «Rolling Stone». Über Umwege habe er dann Kontakt zum ukrainischen Sänger aufnehmen können. Als sie das letzte Mal sprachen, habe sich Khlyvnyuk von der Verletzung durch einen Granatsplitter erholt, wie Gilmour dem «Guardian» berichtete.
Im Video zum Song ist davon noch nichts zu sehen. Bilder aus dem Ursprungsvideo von Khlyvnyuk wechseln sich mit verschiedenen Sequenzen ab: Sie zeigen Angriffe, Fliehende, Protestierende, die Musiker – und Kinder.
Auch das Unabhängigkeitsdenkmal in Kiew ist in dem Video zu sehen: Es wurde 2001 anlässlich von zehn Jahren ukrainischer Unabhängigkeit errichtet.
Die Einnahmen aus dem Titel sollen humanitären Zwecken in der Ukraine zugute kommen. In 29 Ländern, darunter auch der Schweiz, Deutschland und Österreich, stürmte das Lied am Samstag direkt auf Platz 1 in den iTune-Charts.
«Es ist ein schönes Zeichen der Solidarität mit der Ukraine», findet Nazar Zatorskyy (42). Er koordiniert als Priester der ukrainisch griechisch-katholischen Kirche die ukrainische Seelsorge in der Schweiz. Und hört seit Freitag ganz viel «Pink Floyd».
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