Alte Messe in Dietikon: Priester verbreitet krude Thesen zum Krieg in der Ukraine

«Der Krieg zwischen den Russen und den Amerikanern findet in Frankreich statt», behauptet der Priester Albert M. in einer Predigt in Dietikon ZH. Es handelt sich um einen Priester des Erzbistums Vaduz. Das Zürcher Generalvikariat ist alarmiert. Der Churer Bischof Joseph Bonnemain prüft den Vorgang.

Jacqueline Straub

Donnerstagabend, 18 Uhr in Dietikon im Kanton Zürich. Rund 15 Menschen haben sich in einer unscheinbaren Hauskapelle in einem Wohnblock versammelt. Fans der tridentinischen Messe laden auf einer Website dazu ein.

Polemik gegen die Reformierten

Der Priester Albert M. trägt die Lesung und das Evangelium auf Deutsch vor. Während der Predigt spricht er frei und springt von Thema zu Thema. Er beginnt mit Bernadette Soubirous, der Seherin von Lourdes.

Später betreibt er Polemik gegen die Reformierten: Wenn «100 gescheiten evangelischen Theologieprofessoren» gleichzeitig Gott erschiene, würde trotzdem nichts passieren. «Die würden sich an ihre Vorschriften halten und sagen: ‘Interessiert uns nicht, weil es nicht in der Bibel steht. Wir bleiben evangelisch.’ Das war der Teufel. Leider haben wir von der gleichen Sorte inzwischen auch in der katholischen Kirche ziemlich viel. Das ist nicht gesund.»

Geschichtklitterung

Dann kommt der Priester auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen: «Für die, die es noch nicht wissen: Russland hat die Ukraine komplett überfallen.» Er habe das von einem Priesterkollegen erfahren, denn er selbst lese keine Nachrichten: «Ich bekomme das immer nur so indirekt mit.»

Der Priester sagt: «Zum Glück ist die Ukraine noch kein Nato-Mitglied, sonst hätten wir jetzt einen Weltkrieg.» Dann springt er in seiner Predigt zur Kubakrise von 1962 und dann in das Jahr 1941: Die Amerikaner hätten die Japaner «ohne Ende provoziert, alle ihre Konten eingefroren».

«Entscheidungsschlacht in Lyon»

Der Priester behauptet, die Amerikaner hätten den japanischen Angriff auf Pearl Harbor verhindern können. Das hätten sie aber nicht gemacht. Denn dann hätte es nur «wenig Tote» gegeben, dann «hätte die amerikanische Bevölkerung niemals einen Weltkrieg gewollt. Die Amerikaner haben das extra so arrangiert, dass das Volk mitmacht.» Die Freimaurer seien hier mitinvolviert gewesen, behauptet der Priester.

Der Priester kommt wieder zurück in die Gegenwart: «Es kann sein, dass die Russen sogar hier vorbeikommen.» Wenn Russland durch die Schweiz durchmarschiere, «können wir winken und russische Fähnchen schwenken», scherzt der Priester. Er sagt: «Halten Sie schon ein paar Wodkaflaschen parat.» Was er aber ernst meint: Der Krieg zwischen den USA und Russland finde in Frankreich statt. «Das hat leider mittlerweile hohe Wahrscheinlichkeit. Es gibt massiv viele Prophezeiungen, wahrscheinlich aus echten Quellen, von echten Mystikern – dass die Entscheidungsschlacht in Frankreich, in Lyon stattfindet.»

Ernennung in den letzten Tagen von Bischof Vitus Huonder

Der Priester Albert M. wollte gegenüber kath.ch nicht Stellung nehmen. Der Sprecher des Zürcher Generalvikariats, Arnold Landtwing, ist alarmiert: «In der Predigt geht es darum, die Frohe Botschaft zu verkünden. Wer polemisiert und mit wirrem Geschwurbel Verschwörungstheorien verbreitet, beunruhigt die Gläubigen und führt sie in die Irre. Bischof Joseph Maria Bonnemain wird den Sachverhalt überprüfen und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen.»

Landtwing teilte auf Anfrage von kath.ch mit, Albert M. sei im Erzbistum Vaduz inkardiniert. «Er hat bei uns keine Anstellung für diesen Auftrag.» Die Zusammenarbeit in Dietikon gehe auf eine Ernennung zurück, die der damalige Bischof Vitus Huonder in den letzten Tagen seiner Amtszeit erteilt habe.

Beauftragung für sechs Jahre

«Im Einverständnis mit Erzbischof Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz (Liechtenstein) und nach Rücksprache mit dem diözesanen Bischofsrat hat Bischof Vitus Huonder am 16. Mai 2019 ein Ernennungsdekret unterzeichnet, in welchem er dem Priester Albert M. für die Dauer von sechs Jahren eine Beauftragung erteilt für die seelsorgerliche Betreuung der Gläubigen, welche der Kapelle Heiliger Maximilian Kolbe in Dietikon ZH verbunden sind», teilt Landtwing mit.

Vier Tage später, am 20. Mai 2019, hatte Papst Franziskus Huonders Amtsverzicht angenommen. Anschliessend zog Huonder ins Knabeninstitut der Piusbrüder «Sancta Maria» nach Wangs SG.

Martin Ramm: Keine Verbindung zu Albert M.

Die Privatkapelle in Dietikon heisst «Heiliger Maximilian Kolbe», habe aber mit der «Personalpfarrei Heiliger Maximilian Kolbe» der Petrusbrüder in Thalwil nichts zu tun, betont der Petrusbruder Martin Ramm. Er teilt kath.ch mit: «Der Priester Albert M. steht in keiner Verbindung zur Priesterbruderschaft St. Petrus. Über die von Ihnen zitierten Aussagen bin ich entsetzt, und ich distanziere mich nachdrücklich davon.»


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https://www.kath.ch/newsd/alte-messe-in-dietikon-priester-verbreitet-krude-thesen-zum-krieg-in-der-ukraine/