Synodaler Prozess im Tessin: Koordinator Carettoni spricht von «Zauber der Begegnung»

Die synodale Befragung habe im Tessin einen «starken Wunsch nach Dialog, nach Gehör» zutage gebracht. Das sagt Pfarrer Sergio Carettoni. 150 Gruppierungen und 30 Einzelpersonen hatten bis Ende Januar ihre Meinung geäussert. Carettoni koordiniert die Konsultationen zur Weltkirchensynode 2021-2023 im Bistum Lugano – gemeinsam mit dem Team Pastorale Netzwerke (EZRP).

Cristina Vonzun*, catt.ch/ Adaption Regula Pfeifer

«Die eigentliche Überraschung ist der Inhalt», sagt Pfarrer Sergio Carettoni zu den Antworten auf die zehn Fragen der Weltsynode im Bistum. Es seien nicht nur Aspekte des kirchlichen Lebens im Tessin thematisiert worden, sondern vor allem «ein starker Wunsch nach Dialog, nach Gehör».

«In den Texten scheint ein gutes Mass an Hoffnung auf, was Gott im eigenen Leben betrifft.»

Wie ist Ihre erste Einschätzung der Antworten, die im Rahmen der Konsultation im Tessin eingegangen sind?

Sergio Carettoni: Die Antworten zeigen ein hohes Mass an Aufmerksamkeit dafür, wie kirchliche Gemeinschaft erlebt wird, nicht nur, wenn Entscheidendes geschieht, sondern auch im täglichen Leben, in den normalen Beziehungen. In den Texten scheint ein gutes Mass an Hoffnung auf, was Gott im eigenen Leben betrifft. Vor allem aber geht daraus die Bereitschaft der Teilnehmenden hervor, ihre Sicht der Realität, ihre Ideen mitzuteilen. Und dies bietet bemerkenswerte Ansätze für einen Vertiefung und einen Dialog innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft. Die existenziellen Themen erweisen sich als zentral: etwa der Wunsch, gehört zu werden und der Wunsch nach Authentizität.

«Jede Gruppierung wurde dann aufgefordert, die Themen nach ihrem eigenen Verständnis zu übersetzen.»

In den letzten Monaten sind auch einige kritische Stimmen laut geworden. Es sei schwierig, die Fragen zu verstehen.

Carettoni: Der Text aus Rom mit den zehn Synodenthemen wurde in einer universellen Sprache verfasst, die Menschen aus allen Kontinenten ansprechen sollte. Es ging darum, die Themen in den konkreten kulturellen und sozialen Kontext der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu stellen. Im Tessin hat Bischof Valerio Lazzeri das Team Pastorale Netzwerke gebeten, einige Anpassungen vorzunehmen. Jede Gruppierung wurde dann aufgefordert, die Themen nach ihrem eigenen Verständnis zu übersetzen. Doch mehr als auf den Fragen aus Rom lag der Fokus auf der Möglichkeit, einen Dialog anzustossen.

Auch die knappe Zeitbemessung wurde kritisiert.

Carettoni: Die Zeit war sicherlich knapp. Aber die Absicht des Bischofs ist – gemäss dem Wunsch des Papstes für die ganze Kirche –, dass die durch die Synode entwickelte Haltung in unseren Pfarreien, pastoralen Netzwerken und Diözesen zu einer Lebensweise wird.

«Dies ist ein sehr wertvolles Material an Überlegungen, Bedenken, Ratschlägen und Standpunkten.»

Was wird mit den eingegangenen Antworten geschehen – abgesehen von der geplanten Zusammenfassung, die der Schweizer Bischofskonferenz zugestellt werden soll?

Carettoni: Dies ist ein sehr wertvolles Material an Überlegungen, Bedenken, Ratschlägen und auch sehr wichtigen Standpunkten. Das Team Pastorale Netzwerke wird nun die Rückmeldungen Thema für Thema durchlesen. Daraus wird es eine allgemeine Synthese verfassen, die an das Sekretariat der Bischofskonferenz geschickt wird.»

«Es geht darum, den Willen Gottes für die Kirche im Tessin zu verstehen.»

Und dann?

Carettoni: Unmittelbar danach wird das Team beginnen, jeden Bericht zu lesen, um jene Überlegungen und Vorschläge herauszuholen, die unsere Situation als Kirche im Tessin wiedergeben. Diese zweite Arbeit wird eine Zeit tiefgreifender Analyse beinhalten, die frei von jeglichem Vorurteil ist. Dabei geht es darum, auf die Bewegungen des Heiligen Geistes in unseren Vereinigungen zu hören und noch mehr darum, den Willen Gottes für die Kirche im Tessin zu verstehen.

«Ziel ist, auf dem diözesanen Weg das Aussehen der synodalen Kirche zu entwickeln.»

Sind im Tessin Initiativen zur Vertiefung des synodalen Stils der Kirche geplant?

Carettoni: Bischof Lazzeri hat die Pastoralräume und die gesamte kirchliche Gemeinschaft gebeten, erneut seinen Hirtenbrief «Die Christen? Jene unterwegs!» in die Hand zu nehmen. Ziel ist es, auf dem diözesanen Weg – dauerhaft und konstitutiv – das Aussehen der synodalen Kirche zu entwickeln: Einer Kirche, die aus Begegnung, Zuhören und gemeinsamem Unterwegssein mit anderen Menschen besteht. Der Hirtenbrief enthält eine weitere konkrete Aufgabe: Er schlägt vor, uns in unseren Gemeinschaften zu fragen, ob es notwendig ist «Laboratorien der Hoffnung» zu schaffen. Jede Gruppierung ist eingeladen, hier die Wirksamkeit des Heiligen Geistes sichtbar werden zu lassen. Hier stehen – neben den beratenden Pastoralgremien des Bistums – dem Priesterrat und dem diözesanen Seelsorgerat – nun auch die 24 pastoralen Netzwerke im Fokus. Sie sollen gemeinsam mit den beteiligten Laien die Pastoralräte des Netzwerks bilden.

*Die Autorin gehört selbst dem Team Pastorale Netzwerke im Bistum Lugano an.

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https://www.kath.ch/newsd/synodaler-prozess-im-tessin-koordinator-carettoni-ortet-einen-zauber-der-begegnung/