Andrea Meier: Das Thema Machtmissbrauch hat Priorität

Wie geht’s weiter mit dem synodalen Prozess im Bistum Basel? «Das Thema Machtmissbrauch hat Priorität», sagt die Theologin Andrea Meier nach einer Sitzung mit dem Bischofsrat. Auch die Initiative «#OutInChurch» sei Thema gewesen.

Stefanie Stahlhofen

Sie haben mit dem Bischofsrat des Bistums Basel über verschiedene Themen diskutiert – sechs Stunden lang. Bei welchen Punkten wurde es besonders lange?

Andrea Meier*: Man kann nicht einen Punkt benennen, bei dem es besonders lang wurde. In meinen Augen war die grosse Frage: Was sind die Kompetenzen des Bistums und des Bischofs im ganzen Kontext der Weltkirche? Welche Möglichkeiten haben wir vor Ort, Synodalität so zu gestalten, dass sie anschlussfähig ist an die Erfahrungen mit Kirche und Demokratie aus dem Staatskirchenrecht hier in der Schweiz? Wer kann tatsächlich was gestalten und entscheiden, wie verstehen wir Partizipation und Teilhabe?

Es ging um den «Themenspeicher», also um Themen, die im Bistum Basel konkret angegangen und umgesetzt werden können und sollen – ohne dass man jetzt auf die Ergebnisse der Weltbischofssynode im Vatikan 2023 warten muss. In welchem Bereich ist jetzt nach der Sitzung schon konkret und schnell eine Änderung zu erwarten?

Meier: Wir haben geclustert in der Sitzung, also die Themen sortiert und zusammengefasst. Ein Anliegen ist zum Beispiel die Einrichtung einer Ombudsstelle für Machtmissbrauch. Oder es gibt Ideen, Verfahren transparenter zu gestalten. Es geht nicht nur um Grundsatzfragen, sondern auch um Themen, die wir konkret angehen können. Das Ordinariat kann das natürlich nicht alles alleine machen. Die Ausführung muss wieder in einem synodalen Prozess erfolgen. Also: Das Ordinariat bekommt die Themen und erarbeitet Vorschläge – und das wird dann wieder besprochen.

Sie haben die Einrichtung einer Ombudsstelle für Machtmissbrauch angesprochen. Machen wir es doch mal konkret: Geht dieser Vorschlag jetzt ans Ordinariat?

Meier: Das ist eines der Themen, das oft genannt wurde. Wie die Massnahmen da genau aussehen und umgesetzt werden können, da ist jetzt auch der Bischofsrat gefordert. Es gibt ja im Bistum schon synodale Strukturen mit den bestehenden Räten. Die sollen miteinbezogen werden bei den Umsetzungen. Die Räte und ihre Funktionen sollen im Rahmen eines synodalen Vorgehens gestärkt werden. Und wir müssen gleichzeitig Wege finden, wie sich die Gläubigen aus dem ganzen Bistum sinnvoll miteinbringen können.

«Um das Thema der tridentinischen Messe ist es jetzt nicht mehr gross gegangen.»

Beim Themenspeicher gibt es auch ein Post-it mit der Bitte um Erhalt der tridentinischen Messe ohne Einschränkung.

Meier: Am Anfang haben wir gesagt, dass der Themenspeicher sehr offen ist. Es war uns bewusst, dass es auch Einzelpersonen gab, die Einzelmeinungen platziert haben. Dann haben wir gesehen: Es gibt Themen, die wiederholt genannt wurden und wo mehrere Gruppen interessiert sind. Die haben eine höhere Priorität erhalten. Um das Thema der tridentinischen Messe ist es jetzt nicht mehr gross gegangen.

Jüngst hat die Initiative «#OutInChurch» für Aufsehen gesorgt: Queere Katholiken in Deutschland haben sich geoutet. War das auch Thema bei der Sitzung mit dem Bischofsrat?

Meier: Ja, das ist auch erwähnt worden. Das Anliegen ist Thema der Eingabe an die Schweizer Bischofskonferenz: Es geht um Ausgrenzung in der Kirche. Das ist auch ein Thema, das vielen jungen Menschen sehr wichtig ist. Natürlich können wir da jetzt nicht einfach nur abwarten, was Rom dazu sagt. Die zentrale Frage lautet auch hier: Wie gross ist der Handlungsspielraum hier im Bistum, was kann das Bistum gestalten? Es ist daher eine grosse Herausforderung, wie der synodale Prozess im Bistum gestaltet werden kann, ohne dass Frust produziert wird. Der Bischof sieht das klar: Es geht ums Teilen von Macht und Verantwortung, ums gemeinsame Herstehen und ums gemeinsame Handeln.

«Bischof Felix ist kein Provokateur.»

Sind Sie enttäuscht, dass Bischof Felix Gmür sich nicht explizit fürs Frauenpriestertum ausspricht?

Meier: Bischof Felix ist kein Provokateur. Das ist er von seiner Person her nicht, das ist auch Okay so. Er ist als Bischof aber sehr verbunden mit innerkirchlichen Initiativen zum Frauenpriestertum. Er ist einer der 100 Männer, die sich im Buch «Frauen ins Amt» von Philippa Rath mit dem Anliegen öffentlich solidarisieren. Er ist dem Diakonat für Frauen verpflichtet und sieht auch das Problem der Stellung der Frau in der Liturgie. Aber er ist ein einzelner Bischof. Wenn Bischof Felix hier einen Schritt machen würde, wäre das vielleicht ein Schritt zu viel und wir haben hinterher keinen Bischof mehr. Das ist wohl die Schwierigkeit.

* Die Theologin Andrea Meier leitet die Fachstelle Kinder und Jugend im Pastoralraum Region Bern, ist Geschäftsleiterin «offene kirche bern» und Mitglied der Steuerungsgruppe «Weg der Erneuerung» im Bistum Basel. In dieser Funktion war sie am Donnerstag beim Treffen der Steuerungsgruppe mit dem Bischofsrat dabei.


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